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Bamberg
Kirche

Gemeinsam auf der Gottessuche

Ganz im Zeichen der Ökumene stand der diesjährige Kunigundentag in Bamberg.
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Glückwünsche für die anwesenden Kunigunden gab es von Erzbischof Schick und von Dekan Lechner (l.) bei der Agape im Kreuzgang des Domes. Alle Fotos: Andrea Spörlein
Glückwünsche für die anwesenden Kunigunden gab es von Erzbischof Schick und von Dekan Lechner (l.) bei der Agape im Kreuzgang des Domes. Alle Fotos: Andrea Spörlein
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Der diesjährige Kunigundentag der Erzdiözese Bamberg stand ganz im Zeichen der Ökumene und des 1000-jährigen Bestehens von St. Stephan. Gilt die Kaiserin doch als Stifterin des Gotteshauses und hat dort immer noch ihren festen Platz als steinerne Figur. Die Vorbereitung des Tages lag in den Händen des 15-köpfigen ökumenischen "Teams Kunigunde". Insbesondere wollte man damit auch zeigen, "was gelebte Ökumene von Frauen heißt", ohne sich dabei in "theologischen Spitzfindigkeiten zu verlieren".

Begonnen hatte der Festtag ganz traditionell mit einem Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick als Hauptzelebrant. Doch dieses Mal waren auch der evangelische Dekan Hans-Martin Lechner und der evangelische Dekanatsposaunenchor unter der Leitung von Norbert Stumpf im feierlichen Gottesdienst mit dabei.

In seiner Predigt dankte der Bamberger Oberhirte allen Frauen im Haupt- und Ehrenamt, die sich für die Kirche Jesu Christi engagieren und einsetzen. Für ihn kann das Leben der Hl. Kunigunde auch als Vorbild in unserer heutigen Zeit dienen. Dekan Lechner sprach von der Einheit der christlichen Kirchen und "wie herrlich vielfältig christlicher Glaube ist": Gelinge Ökumene doch unter anderem da, "wo man miteinander betet".

Bei der sich anschließenden Agape im Kreuzgang, musikalisch umrahmt von der Don-Bosco-Blaskapelle, gratulierten Erzbischof und Dekan zusammen den anwesenden Kunigunden zum Namenstag. Die in der Regel schon etwas älteren Damen freuten sich darüber offensichtlich sehr und stärkten sich mit den eigens dafür angefertigten Kunigundenringen und einem Gläschen Wein.

Vor dem Dom hatte eine Frauengruppe, organisiert von Katharina Hückstädt, das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci nachgestellt. Nur Frauen waren an der Kunstaktion beteiligt und den Platz Jesu habe man bewusst freigelassen und auch nicht mit einer Frau besetzen wollen.

Gemeinsam machte man sich dann in einem Zug auf nach St. Stephan, um dort den zweiten Teil des Festtages zu begehen. Dort wartete ein leckeres Mittagessen, Kaffee und Kuchen und zahlreiche Stände verschiedener Einrichtungen aus beiden Konfessionen auf die überwiegend weiblichen Gäste. Das Angebot reichte vom Eine-Welt-Laden, über die Kerzen aus der Abtei Maria Frieden in Kirschletten bis hin zum Müttergenesungswerk und einem Stand von Bongai-Shamwari, zu Deutsch: "Danke Freund". Diese Initiative, die sich für Kinder mit Beeinträchtigungen in Simbabwe einsetzt, erhielt heuer die Kollekte aus dem Gottesdienst.

Immer wieder war an diesem Nachmittag zu hören, wie wichtig der Kunigundentag für die anwesenden Frauen ist. Oft kommen sie schon seit Jahren zu diesem Ereignis und freuen sich auf das Miteinander mit anderen Frauen, den Austausch mit Frauen aus der ganzen Erzdiözese und über neue Impulse für die Arbeit im kirchlichen Ehren- oder Hauptamt. Für Schwester Regina Pröls von den Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen ist der Kunigundentag "jedes Jahr ein herrliches und schönes Treffen von Frauen in der Kirche".

Weibliche Atmosphäre

Begeistert zeigte sich Uta von Plettenberg vom Präsidium der Evangelischen Dekanatssynode über die aus ihrer Sicht sehr heitere und "sehr weibliche Atmosphäre" an diesem Tag. Ihrer Meinung nach hat man die Ökumene in der Vorbereitungsphase gespürt und beim Austausch miteinander festgestellt, dass viele der anstehenden Probleme nur gemeinsam gelöst werden können.

Claudia Dworazik, Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes, hält den Kunigundentag für eine wichtige Plattform, um unter anderem zu zeigen, "was religiös orientierte Frauen alles auf die Beine stellen können".

Die Kunigundenfeier in der Stephanskirche bot ein buntes Programm rund um das Thema "Eine Heilige - Eine Kirche - Ökumene". Durchs Programm führte Pastoralreferentin Theresa Schwarzmann, die auch die Kaiserin Kunigunde, im realen Leben die Schauspielerin Heike Bauer-Banzhaf, begrüßen konnte. Diese erzählte in kurzen Szenen aus ihrem Leben und Wirken. Sie wunderte sich, "was aus ihrer Stephanskirche geworden ist"; wie das mit dem "Herrn Luther und der Reformation war", und ließ es sich nicht nehmen, von der Kanzel aus den anwesenden Frauen Mut zu machen, sich über Grenzen hinaus zu engagieren und sich am Beispiel ihres Lebens für die heutige Zeit inspirieren zu lassen.

Den Festvortrag hielt Schwester Nicole Grochowina, Schwester der Communität Christusbruderschaft Selbitz und Privatdozentin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, zum Thema "Herausforderung Christin sein in der Welt". Ausgehend von einer sich immer schneller veränderten Welt, die bei vielen Angst schüre und oft zur "Flucht ins Simple" führe, suchen Menschen Antworten, so die Referentin. Sie sprach von "Kirche als Hoffnungsgemeinschaft" und als wichtige ökumenische Aufgabe, "einander in der Gottessuche und im daraus hervorgehenden Engagement zu stärken".

Initiativen stellen sich vor

Darüber hinaus stellten sich einige ökumenische Initiativen vor und berichteten über ihre Arbeit vor Ort. In einer abschließenden kleinen Podiumsdiskussion mit Erzbischof Schick, Dekan Lechner, Schwester Britta Müller-Schauenburg und Schwester Nicole Grochowina wurden Frage rund um das Thema Ökumene und zum Frauenpriestertum beantwortet.

Die musikalische Gestaltung des Nachmittags lag in den bewährten Händen von Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kaspar und dem Gospelchor von St. Stephan.