Ebrach
Straßenverkehr

Geht's auf Ebrachs Phantombaustelle weiter?

Ebrachs Bürgermeister hat sich gefreut, dass endlich die Arbeiten bei der Klostermauer begannen, jetzt herrscht wieder Stillstand.
Artikel drucken Artikel einbetten
Monatelang war die B 22 in Ebrach eine Phantombaustelle, dann erwachte sie zum Leben und jetzt ist wieder nichts los. Foto: A. Schreiber
Monatelang war die B 22 in Ebrach eine Phantombaustelle, dann erwachte sie zum Leben und jetzt ist wieder nichts los. Foto: A. Schreiber
+29 Bilder
Max-Dieter Schneider (SPD) hat lange dafür gekämpft, dass entlang der B 22 im Herzen Ebrachs endlich etwas passiert. Dort droht seit längerem die zum einstigen Kloster gehörende Stützmauer einzustürzen. Notdürftig ist sie an der straßenabgewandten Seite mit einer Holzkonstruktion gestützt. Damit wenigstens für Fußgänger am Gehsteig keine Gefahr bestand, hat die Gemeinde den ihr gehörenden Gehsteig gesperrt, mit Baken, die seit vielen Monaten für einen Baustellencharakter sorgen und die B 22 in einem Abschnitt nur einspurig befahrbar machten.

Nach langem Hin und Her hat das Straßenbauamt das Heft in die Hand genommen, so dass im Juni mit Bauarbeiten begonnen wurde. Dafür ist die B 22 - die wichtige Ost-West-Verbindung - zwischen dem Bamberger Tor und dem westlichen Tor für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt. Für die Umleitungsstrecke ist das Bauamt zuständig. Der Schwerlastverkehr soll den Ort großräumig umfahren.

Was laut Schneider jedoch nicht alle machen: "Etliche glauben's einfach nicht". So habe er schon die abenteuerlichsten Rangiermanöver beobachten können. Ein echtes Ärgernis jedoch, so schildert Schneider weiter, seien Motorradfahrer. Etliche fahren rücksichtslos auf dem schmalen Streifen, der Fußgängern vorbehalten ist und sprechen diese teilweise noch unverschämt an.


Druck durch Straße

Zurück zur Baustelle. Die Gemeinde Ebrach stellt sich auf den Standpunkt, der kontinuierliche Ausbau der B 22, durch den diese höher wurde, habe so einen Druck auf die Mauer ausgeübt, dass die Standfestigkeit litt.

Eben diese Position vertritt auch die Katholische Kirchenstiftung Ebrach, wie Kirchenpfleger Roland Blaß bestätigt. Bei der Sanierung und Instandsetzung der Mauer ist die Katholische Kirchenstiftung mit im Boot, denn ihr gehört ein weiteres Mauerteilstück - vor der Michaelskapelle der ehemaligen Abteikirche - das gleichfalls einsturzgefährdet und provisorisch abgestützt ist.

Blaß geht davon aus, dass die Kirche entweder gar nichts oder höchstens einen ganz geringen Kostenteil zu zahlen hat. Er bezieht sich auf eine mauerbezogene Entscheidung zum Hotel Klosterbräu. Dazu gibt es ein Gerichtsurteil.

Die Frage der Kostenanteile werden wohl Gerichte zu klären haben, gibt auch Bürgermeister Schneider zu verstehen. Für ihn steht freilich schon jetzt fest, dass man in der Sache durch alle Instanzen und damit bis zum Bundesverwaltungsgericht gehen werde.

Entscheidend ist momentan jedoch, dass sich hier endlich etwas getan hat. "Die haben auch echt gute Arbeit geleistet", lobt er die bauausführenden Firmen ebenso wie Blaß: "Die Bohrfirma hat gut im Zeitplan gelegen". Die Maßnahmen sind mit insgesamt 630 000 Euro veranschlagt, was auch Abteilungsleiterin Ute Becker vom Staatlichen Bauamt bestätigt. Damit überhaupt mit der Sanierung begonnen werden konnte, laufen die Arbeiten unter Regie des Staatlichen Bauamtes.
Beziehungsweise gerade wieder nicht. Denn seit Ende Juli herrsche laut Bürgermeister und Kirchenpfleger nun wieder kompletter Stillstand.

Dennoch drängt die Zeit und die Einhaltung des Zeitplanes ist schon deswegen wichtig, weil in Kürze die Ebracher Kerwa ist. Da muss der Baum über die Hauptstraße gebracht werden, und die Hauptstraße bildet traditionell auch die Route für den Festzug.
Nicht nur das, vor der Baustelle lagert noch jede Menge Aushub auf dem Festplatz und genau dieses Areal wird für die Kirchweih benötigt.

Roland Blaß wiederum bangt um das Seelsorgebereichsfest, auch dafür ist ein Festzug geplant, der über die Hauptstraße (B 22) ziehen müsste.

Ute Becker, die am Staatlichen Bauamt für das Ebracher Projekt zuständig ist, zeigt sich zuversichtlich, dass für die Kirchweih eine Lösung gefunden wird. Wegen der unterbrochenen Arbeiten auf der Baustelle sei sie selbst tätig geworden und habe bei der Firma nachgehakt: "Wir haben angemahnt, dass es zügig weitergeht."


Abstimmung mit Denkmalschutz

Dem Amt sei insgesamt daran gelegen, dass sich in Ebrach etwas tut. "Wir sind froh, dass wir jetzt bauen und der Verkehr dann wieder regulär auf die Straße kommt." Sie bedauert die zeitlichen Verzögerungen, meint aber: "Mitte September wollen wir fertig sein". Aus fachlicher Sicht merkt sie weiter an, dass die Sanierung der Mauer in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz erfolge, das spiele unter anderem auch bei der Wiederverwendung der Steine eine Rolle.

Was bisher geschah: Alle Bohrpfähle sind gesetzt, die Tragkonstruktion komplett abgeschlossen. Es müssten nun Kopfbalken aufbetoniert werden, um die Pfähle zu fassen. Die Natursteinmauer braucht dann noch eine Verblendung. Im Anschluss kommen dann Gehweg, Parkstreifen und Straße an die Reihe. Die Finanzierungsfrage werde noch zu klären sein, gibt auch Ute Becker zu verstehen. Das Bauamt jedenfalls sei auch bei der Finanzierung in Vorleistung gegangen. Schon jetzt ist sich die Abteilungsleiterin sicher: "Es wird dann alles sehr hübsch."

Vorausgesetzt wohl, dass die wieder ins Stadium der Phantombaustelle zurückgekehrte Baustelle bald wieder zum Leben erweckt wird.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren