Bamberg
Jubiläum

Geheimarchiv des Papstes ist gar nicht so geheim

Das mythenumwobene "Vatikanische Geheimarchiv" steht seinem weltweit einzigen Freundeskreis aus Bamberg jederzeit offen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Jedes Archiv birgt spannende Funde. Das Geheimarchiv im Vatikan ist mythenumwoben.
Jedes Archiv birgt spannende Funde. Das Geheimarchiv im Vatikan ist mythenumwoben.
+1 Bild
Alfred Hierold und sein Verein "Freunde des Vatikanischen Geheimarchivs Bamberg" sind in Rom gerngesehene Gäste. Jederzeit öffnen sich für den emeritierten Theologieprofessor und ehemaligen Rektor der Bamberger Universität die Pforten des mythenumwobenen "Archivum Secretum Apostolicum Vaticanum" unweit des Petersdoms, das moderne Archiv des Heiligen Stuhls, das Papst Paul V. um 1610 gründete.

Hierold und seine Vereinsfreunde sind nicht zuletzt deshalb im Geheimarchiv wohlgelitten, weil sie jährlich einen stattlichen Spendenscheck für Inventarisierung, Restaurierung oder Arbeitsgeräte mitbringen: "Der Verein hat seit seiner Gründung 1988 bis heute umgerechnet 302.000 Euro an das Vatikanische Archiv übergeben", bilanzierte Hierold. Allein im Jubiläumsjahr 2013 könnten 25.000 Euro übergeben werden, kündigte er an.
Der Geburtstag "25 Jahre Freunde des Vatikanischen Geheimarchivs Bamberg" wurde im Bistumshaus St. Otto stilvoll mit Künstlern der Städtischen Musikschule gefeiert.

Schließlich ist der Verein weltweit einmalig und zählt ehrwürdige Institutionen wie die Bistümer Bamberg, Dresden-Meißen oder Würzburg zu seinen Mitgliedern. Da durfte bei der Feier natürlich nicht sein wohl prominentestes Mitglied fehlen: der römische Kurienkardinal Walter Brandmüller, der aus Ansbach stammt und in der Bamberger Pfarrei St. Martin Kaplan war. Der ehemalige Chefhistoriker des Vatikans hielt die Festrede: ein brillantes Kabinettstück über "Theologie im Konzert der Fakultäten", in dem der 84-Jährige alle nur denkbaren Aspekte einer universitären "wahren Freiheit der Wahrheit" entfaltete. Brandmüller war langer Beifall sicher.
Obwohl er sich über das, was seine Zuhörer mindestens genauso interessierte wie intellektuelle Ausflüge in die Theologie, bedeckt gab. Erst anschließend im Gespräch in kleiner Runde erzählte der Kardinal über Begegnungen mit dem neuen Papst Franziskus: "Der Heilige Vater hat mir als erster Papst persönlich zum Namenstag gratuliert", freute sich Brandmüller, der auf Grund seines Alters zwar nicht zu den Papstwählern gehörte, jedoch im Vorkonklave mit dabei war.

Hierold bot Verschwörungstheoretikern Paroli, denen das päpstliche Archiv seit Jahrhunderten Stoff für wilde Spekulationen liefert. Allein schon der Name "Geheim-Archiv" sei missverständlich. Denn "geheim" stehe für "privat", also für das persönliche Archiv des Papsts in Abgrenzung zu Archiven kirchlicher Behörden. Für Hierold ist dieses zentrale Archiv der katholischen Kirche eine "unerschöpfliche Fundstelle für die Geschichte aller Bereiche von Religion und Politik bis zu sozialen und kulturellen Vorgängen der ganzen Welt und aller Nationen". Wenn auch nicht jeder X-Beliebige Zugang bekomme, sondern nur Forscher und Wissenschaftler mit nachgewiesenem Interesse, offenbare das Geheimarchiv nichts Geheimnisvolles.

In den 85 Regalkilometern schlummern faszinierende Dokumente der Weltgeschichte wie die Akten aus dem Prozess gegen den italienischen Astronomen Galileo Galilei oder die feinsäuberlich abgeschriebene Pergament-Kopie der päpstlichen Bannbulle gegen Martin Luther, der das Original öffentlich verbrannt hatte. In dem Archiv befinden sich Schriftstücke aus der Hand von Kaiser Barbarossa, Kaiserin Sissi, US-Präsident Abraham Lincoln, von Japans Kaiser Hirohito oder der Karmelitin jüdischer Herkunft Edith Stein. Aber auch solche, die die dunklen Flecken in der Geschichte der katholischen Kirche nicht vergraben. Akten bis zum Jahr 1939 können derzeit eingesehen werden.

In jenem Jahr begann das Pontifikat von Pius XII: "Erst 70 Jahre nach dem Tod eines Papstes werden die Akten seines Pontifikats frei gegeben", weiß Hierold. Und Pius XII., dessen Rolle in der Nazi-Zeit umstritten ist, starb erst 1958. Die Forscher werden sich also noch ein paar Jahre gedulden müssen, bevor sie endgültig Licht in die Geschichte bringen.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren