Walsdorf
Bauarbeiten

Gefährliche Holperpisten?

Auf Walsdorfer und Tütschengereuther Flur lauern Gefahren durch grob geschotterte Feldwege. Einer Reiterin und einer Radlerin wurde das zum Verhängnis. Freizeitsportler schlagen Alarm. Die Bürgermeister sind genervt.
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Grober Schotter sorgt für Kritik der Freizeitsportler. Foto: Ronald Rinklef
Grober Schotter sorgt für Kritik der Freizeitsportler. Foto: Ronald Rinklef
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Als das Pferd ausrutschte, stürzte auch die Reiterin: Eine 26-Jährige hat kürzlich die Kontrolle über ihr Ross verloren, als das Tier auf einem Schotterweg bei Walsdorf trabte. Die Frau wurde mit Arm- und Beinverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Einen großen Bluterguss zog sich Radfahrerin Erika Zachas zu, als sie bei einem Pferdehof auf einer ähnlichen Holperpiste stürzte. Und selbst Nordic-Walker Reinhard Wießner aus Walsdorf kam auf besagten Wegen mächtig ins "Rumeiern".
Das Problem: "Vor einiger Zeit wurden fast alle unbefestigten Flurwege rund um Walsdorf mit grobem Schotter versehen", berichtet Wießner. Rund um Tütschengereuth ebenfalls. Jeder Schritt werde zur Herausforderung. Fahrradfahren zum gefährlichen Wagnis.
"Ich bin bisher gerne durch den Gaustadter Wald über Hetzentännig auf dem Radweg, der am Waldrand von Walsdorf verläuft, gefahren", schreibt Erika Zachas. Doch die aufgeschotterten und nicht verdichteten Wege seien eine Zumutung. Ein Radfahren oder Vorankommen mit Kinderwagen oder Rollatoren sei auf den regulären Wegen nicht mehr möglich oder sehr gefährlich. "Wer auch immer sich das hat einfallen lassen, für die Menschen, die sich gerne sportlich rund um Walsdorf betätigen, ist diese Maßnahme einfach ein schlechter Scherz", schimpft Wießner. "Aktionen wie das Stadtradeln bringen wenig, wenn uns so viele Steine in den Weg gelegt werden", sagt Zachas.

Die betroffenen Bürgermeister sind genervt - sie kennen die Beschwerden. "Die Wege sind momentan in der Reparatur", erklärt der Walsdorfer Gemeindechef Heinrich Faatz (CSU). Nachdem im Bürgerspital viel Holz geschlagen wurde, seien Wege in Mitleidenschaft gezogen worden. Deshalb habe man Schotter aufgebracht. "Der wird noch gewalzt und dann mit feinem Schotter ausgebessert", verspricht Faatz. Bei der aktuellen Trockenheit sei es nicht möglich gewesen, die Bauarbeiten fortzuführen.
Verzögerungen wegen des Wetters führt auch Johann Pfister (BI) als Erklärung an. "Im Bereich Tütschengereuth läuft derzeit eine große Flurbereinigung." Die Feldwege würden erneuert, neu geschottert, zum Teil auch gepflastert. "Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, werden die Wege einwandfrei sein." Pfister verweist besonders auf einen Weg an der Straße zwischen Walsdorf und Tütschengereuth, der durchgängig asphaltiert ist. "Besser geht es nicht."

Die Kritik der Freizeitsportler können beide Volksvertreter nicht so recht verstehen. "Wer die Wege mit offenen Augen betritt, der sieht, dass hier Bauarbeiten laufen", meint Faatz. "Jeder hat auch eine gewisse Eigenverantwortung und muss eben andere Wege wählen", sagt sein Amtskollege in Bischberg zu dem Thema.
Braucht es Hinweisschilder? "Was sollen wir denn noch alles mit Schildern machen?", fragt Faatz zurück. "Man sieht es doch, dass hier Arbeiten laufen", antwortet Pfister. "Das ist meiner Meinung nach wirklich nicht zu übersehen."
Wer sich vor Ort umsieht, der entdeckt wirklich Holperpisten, aber auch bereits fertig sanierte Wege, die keine Wünsche an Freizeitsportler offen lassen. Wo die Walzmaschine durchgekommen ist und frischer, feiner Schotter verlegt wurde, da lässt es sich super radeln, reiten, walken sowieso. Bei Tütschengereuth sind Abschnitte an Kreuzungen komplett neu gepflastert. Bei Walsdorf sind Wege sogar mit einer autobahnähnlichen Deckschicht versehen. Es handelt sich also um ein örtlich begrenztes und zeitlich befristetes Problem.
Die Frequentierung durch Freizeitsportler sieht Faatz ohnehin nicht nur positiv. Besonders für die Jäger seien sie ein Ärgernis. "Derzeit läuft die Rehbockjagd. Da gibt es welche, die trotzdem uneinsichtig durchfahren", berichtet der Gemeindechef. Faatz verspricht beim Thema Schotter aber: "Sobald der nächste Regen kommt, geht es weiter." Und Pfister betont, er habe der Baufirma bereits Druck gemacht - gegen das trockene Wetter könne aber auch er nichts machen. Der Bürgermeister verweist außerdem auf das Amt für ländliche Entwicklung, das die großangelegte Dorferneuerung samt Sanierung der Flurwege rund um Tütschengereuth federführend koordiniert.
"Wenn Wege in der Bauphase sind, ist es unklug, sie zu befahren", meint Wolfgang Kießling, Leiter der Abteilung Land- und Dorfentwicklung im Amt für ländliche Entwicklung. Bis die Arbeiten abgeschlossen seien, sei eine Beschilderung der Baustelle geboten, heißt es von Seiten der Planer. Dafür sei die Baufirma zuständig.


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