Bamberg
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Gedrängel und Ausfälle im Bamberger ÖPNV: Sechs Verbesserungsvorschläge unserer Leser

Viele Leser haben auf unsere Artikel zum öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Bamberg reagiert und uns ihre Erfahrungen geschildert. Die Unzufriedenheit ist hoch.
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Nach Schulschluss drängeln sich die Schüler in den Landkreisbus. Die meisten müssen stehen, bemängelt die 17-jährige Schülerin Franziska Oberst in einer Reaktion auf unsere ÖPNV-Serie.  Foto: Barbara Herbst
Nach Schulschluss drängeln sich die Schüler in den Landkreisbus. Die meisten müssen stehen, bemängelt die 17-jährige Schülerin Franziska Oberst in einer Reaktion auf unsere ÖPNV-Serie. Foto: Barbara Herbst

Morgens um 6.30 Uhr von Autoscheinwerfern geblendet an der Straße stehen und auf den Bus warten - der oft mit Verspätung kommt. Meist kein Sitzplatz frei, also 30 Minuten stehen. Immer mehr Schüler schieben sich hinein, "das ist wie Tetris spielen", beschreibt Franziska Oberst aus Ampferbach ihre tägliche Routine auf dem Weg zur Schule in Bamberg. Auf unsere ÖPNV-Serie haben sich neben der 17-Jährigen viele weitere Leser gemeldet, ihre Erfahrungen geschildert und Verbesserungsvorschläge eingebracht.

Monatskarte zu teuer: Fahrgäste beklagen sich über Preis

So hätte Oberst zumindest morgens gerne zwei Schulbusse, denn "beim Aussteigen geht's erst richtig los". Die Mitfahrer drücken sich hektisch durch den Gang, "denn wer zu langsam ist, muss eine Haltestelle weiterfahren und darf das Spiel von vorne spielen". Außerdem bemängelt sie Kaugummi-Reste, "schlimmer als unter den Tischen in meiner Schule", fehlende Rückenlehnen oder lose Sitzflächen. "Da bin ich bei jeder Bremsung nach vorne gerutscht und beim Gasgeben wieder zurück, wie auf dem Schleudersitz."

85 Euro koste ihre Monatskarte, "mich würde wirklich mal interessieren, wo dieses Geld hingeht". Scheinbar nicht in eine gute Taktung, denn wenn sie Nachmittagsunterricht hat, kommt sie teilweise erst um 18.30 Uhr nach Hause. Auch Gerd Winter (Name geändert) findet, dass häufiges Nutzen der Busse finanziell nicht honoriert wird: Seiner Meinung nach müssten Jahres- und Monatskarten viel günstiger sein.

Bus fällt aus: Wo bleibt der Hinweis?

Gerda Semmelmann aus Scheßlitz bemängelt, dass der Bus oft ausfalle - meist ohne Hinweis. Besonders ärgerlich: Ihr Mann und sie warteten sowohl während des Blues- und Jazz-Festivals als auch zur Sandkerwa vergeblich auf den Bus ins Vergnügen. "Eine böse Überraschung erlebten wir auch bei der Memmelsdorfer Kirchweih", erzählt Semmelmann. Der Busfahrer hätte ihr eine falsche Haltestelle für die Rückreise genannt. "Als wir den Fehler erkannten, war der letzte Bus weg und wir mussten ein Taxi nehmen."

Viele Leser stört, dass über Verspätungen und Ausfälle nicht (rechtzeitig) informiert werde. So erzählt Tanja Rauschen aus Steppach, dass der Schulbus von einem Tag auf den anderen plötzlich nicht mehr im Pommersfeldener Ortsteil hielt - worauf sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen musste. Auf Nachfrage sei sie informiert worden, dass die Linie auch künftig nicht mehr in Steppach hält und die Schüler auf eine andere Linie umsteigen sollten. "Diese trifft aber erst um 7.47 Uhr am Bahnhof Bamberg ein", kritisiert Rauschen. "Somit ist es für manche Schüler unmöglich, rechtzeitig um 8 Uhr in der Schule zu sein."

Zu wenig Busse für Arbeitende

Nicht nur Schüler, auch Arbeitspendler klagen ihr Leid: "Den ÖPNV für den Weg zur Arbeit zu nutzen, ist etwas für Idealisten und Leute mit viel Zeit", schreibt Dagmar Klumb, die von Eltmann nach Bamberg pendelt - was mit dem Auto 20 Minuten, mit den Öffentlichen knapp eine Stunde dauert. Dafür muss sie zum Bahnhof nach Ebelsbach laufen, nach einer kurzen Bahnfahrt in Bamberg 20 Minuten auf ihren Bus warten und von der Haltestelle zehn Minuten zu ihrer Arbeit laufen.

Auch Adelbert Heil kritisiert, dass die Verbindungen vor allem auf Schüler ausgerichtet und "nicht passend für Berufstätige" seien. Er wünscht sich unter anderem eine direkte Anbindung des Klinikums an den Landkreis. "So ließe sich auch die dortige Parksituation verbessern."

Die meisten Leser hätten zudem gerne mehr Busse am Wochenende. Dass die Sitze manchmal leer bleiben, liege laut Gerd Winter daran, dass "die Bevölkerung auf dem Land zur Anschaffung eines Autos gezwungen" werde. Die Schlussfolgerung: Wären die Verbindungen besser, würden auch mehr Leute den Bus nutzen und sich nicht immer mehr ans Autofahren gewöhnen.

Diese Meinung teilt auch Ulrich Dreefs. Aus seiner Sicht biete der ÖPNV in Strullendorf "viel zu wenig Abdeckung, um überhaupt als Alternative wahrgenommen zu werden". Dabei würde eine "massive Investition in den ÖPNV nicht nur die Umwelt, sondern auch die Bürger entlasten".

Eine neue Ringlinie soll den Busverkehr in Bamberg stärken und Autos aus der Stadt fernhalten.

Ohne Auto "aufgeschmissen"

Heidrun Schindler aus Ebrach fehlt es an Verbindungen in die Nachbargemeinden und -regionen. "Mein Enkel studiert in Würzburg", erzählt sie. "Den muss ich mit dem Auto aus Volkach abholen, wenn er mich besuchen will." Auch eine Verbindung von Ebrach nach Gerolzhofen würde sie begrüßen. Dafür gab es früher einen Rufbus, der wegen mangelnder Nutzung eingestellt wurde. "Aber es wusste ja auch keiner davon", sagt Schindler. "Ich bin in höherem Alter. Noch fahre ich Auto, aber was, wenn ich mal nicht mehr kann? Dann bin ich aufgeschmissen!"

Stephanie Möller aus Staffelbach ist mit der Anbindung nicht zufrieden und brachte einen Vorschlag bei der Bahn ein: Ein Halt in Staffelbach auf der Zugstrecke Bamberg - Würzburg. Einen Bahnhof mit Unterführung gibt es noch in dem Oberhaider Gemeindeteil. "Dies würde sicherlich dazu führen, dass viele Pendler, die bisher mit dem Auto nach Bamberg, Nürnberg oder Schweinfurt unterwegs sind, auf die Bahn umsteigen", ist Möller überzeugt. Die Bahn antwortete, dass ein Halt in Staffelbach einen "Anschlussverlust zu den ICE-Zügen nach Frankfurt" nach sich ziehen würde. Möller argumentiert, dass in Zeiten des Klimawandels Alternativen zum Auto wichtiger seien und die Bahn nicht nur den Fernverkehr, sondern auch den Nahverkehr im Blick haben sollte - bekam darauf aber keine Antwort mehr.

Lobende Worte

Neben vielen Kritikpunkten finden unsere Leser aber auch einige lobende Worte für den ÖPNV im Landkreis. Beatrix Funk etwa ist mit der Anbindung ihres Heimatorts Breitengüßbach in alle Himmelsrichtungen sehr zufrieden und will dies auch herausstellen, denn so "können vielleicht auch Autofahrer zur Nutzung des ÖPNV angeregt werden". Allerdings werde "das optimale Angebot nicht zufriedenstellend genutzt", schreibt Funk. Als Grund nennen von ihr Befragte unter anderem teure Fahrkarten.

Auch Gerd Winter lobt den ÖPNV. Abgesehen vom Umweltaspekt, der ihm sehr wichtig sei, schätzt er unter anderem eine relativ kurze Fahrzeit von Walsdorf nach Bamberg, günstig platzierte Haltestellen in seinem Wohnort und "die Möglichkeit, während der Fahrt zu entspannen oder den FT zu lesen".

Die Verbesserungsvorschläge der Leser für den ÖPNV

Informieren bei Verspätung: Ob per Smartphone-App oder auf einer Anzeigetafel für Landbusse: Viele Leser wünschen sich, über Verspätungen und Ausfälle besser informiert zu werden. Besser an Bedarf anpassen: Zu Schulzeiten am Vormittag sind die Busse oft überfüllt, am Nachmittag in manchen Gemeinden fast leer. Deshalb wünschen sich die Nutzer, dass die Taktung besser an den Bedarf angepasst wird - und morgens lieber zwei Fahrzeuge statt eines überfüllten Busses zur Schule fahren. Mehr Busse am Wochenende: Abends und am Wochenende ist das ÖPNV-Angebot in den meisten Gemeinden unzureichend, finden unsere Leser. Die Busse seien zwar oft leer, das liege aber auch an der schlechten Taktung, weil "die Bevölkerung auf dem Land so zur Anschaffung eines Autos gezwungen wird. Wer nimmt dann noch den Bus?", fragt sich ein Landkreis-Bewohner. Mehrfachfahrer belohnen: Mehrere ÖPNV-Nutzer kritisieren, dass ihnen durch häufige Nutzung kaum finanzielle Vorteile entstehen. Sie wünschen sich, dass Jahres- und Monatskarten billiger werden. Keine Reisebusse: Ein Leser kritisiert, dass Subunternehmer auf manchen Linien Reisebusse nutzen. Diese seien aber unzulänglich, da weder Fahrräder, Kinderwagen noch Rollstühle mitgenommen werden können. Möglich wären stattdessen barrierefreie Kleinbusse. Gemeindebindung stärken: Die Busverbindungen innerhalb der Gemeinden oder in die Nachbarorte sind vielen Lesern viel zu wenig. Positiv wird hier oft ein Rufbus angegeben, der aber häufiger fahren sollte.

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