Bamberg
Zeremonie

Gautschfeier in Bamberg: Triefend nass aus Tradition

Die Auszubildenden der Mediengruppe Oberfranken, die ihre Abschlussprüfung bestanden haben, wurden traditionell bei der Gautschfeier in den Kollegenkreis aufgenommen.
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Alle Fotos: Matthias Hoch
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17 Jugendliche stehen mit verbundenen Füßen auf dem Maxplatz. Sie trinken reihum aus einem Maßkrug. Dann werden sie zunächst auf einen Schwamm gesetzt, bekommen einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf geschüttet und werden anschließend in voller Montur in ein Wasserfass geworfen. Ein Mann mit einer Kostümierung, die an das 16. Jahrhundert erinnert, steht vor dem Fass. "Vor vier Jahren hatten die Kornuten nicht so viel Glück mit dem Wetter. Da haben sie richtig gefroren," erinnert er. Es handelt sich hier um die Gautschfeier der Mediengruppe Oberfranken. Die Kornuten sind die Auszubildenden, die mit dieser Zeremonie sozusagen ihren Gesellenbrief erhalten.

Erinnerung an den Altmeister

Der Mann in dem Kostüm ist Oliver Diller, Gesellschafter der Mediengruppe. Er ist der Gautschmeister und führt die Zuschauer durch die Veranstaltung. Er erklärt: "Das Gautschen ist eine Tradition, die bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Nach bestandener Abschlussprüfung wurden Buchdruckerlehrlinge zunächst auf einen Schwamm gesetzt und dann in eine Bütte getaucht. Mit dieser Tradition erinnern wir an den Altmeister Gutenberg, den Erfinder des Buchdrucks. An den Erfinder der schwarzen Kunst." Laut Diller sei der Brauch auf eine Begegnung von Gutenberg mit dem Teufel zurückzuführen. Gutenberg habe einen Schwamm nach dem Teufel geworfen und welcher daraufhin einen Laut ausstieß, der sich wie "Gautsch" anhörte. Auf diesen Schwamm müssen sich jetzt die Auszubildenden setzen. Ihnen werden durch das Bad in der Bütte die Fehler und Unsinnigkeiten der Ausbildung abgewaschen.

Einige scheinen jedoch sehr an ihren Fehlern zu hängen, denn als die sogenannten Packer sich die Auszubildenden schnappen, versucht eine junge Frau, die bereits auf den Schwamm gesetzt wurde, die Flucht zu ergreifen. Ein anderer hält sich an dem Stuhl fest, in der Hoffnung dem kalten Nass noch etwas entgehen zu können.

Am Ende sind jedoch alle Versuche zwecklos und alle Azubis dürfen sich bei den heißen Temperaturen über die Abkühlung freuen. Wer sich gewehrt hat, wird ein paar Mal öfter unter Wasser getaucht. Fabian Hocquel, der bereits vor zwei Jahren seine Abschlussprüfung absolviert hat, und Max Mitterhofer, in diesem Jahr fertig geworden, fanden jedoch den Eimer mit Wasser wesentlich unangenehmer. "Bei dem heißen Wetter von jetzt auf gleich kaltes Wasser in den Nacken gekippt zu bekommen, war schlimmer als die Bütte. Da war man ja sowieso schon nass," sagt Hocquel.

Die Organisatorin der Veranstaltung, Franziska Then, hat seit 2016 ausgelernt. Trotzdem kommt sie erst dieses Jahr in den Genuss des Gautschens. Tropfnass von Kopf bis Fuß, aber mit einem breiten Lächeln im Gesicht ist sie froh, dass alles geklappt hat. Sie sagt: "Es ist schon ein ganz schöner Aufwand gewesen. Die Genehmigungen von der Stadt einholen, mit der Feuerwehr abstimmen, wie wir das Fass befüllen und noch viele andere Kleinigkeiten waren zu erledigen. Aber am Ende ging alles schneller als erwartet."

Für Walter Schweinsberg, den Geschäftsführer der Mediengruppe Oberfranken, ist es "sehr schön, zu sehen, wie Traditionen gelebt werden". Für Mediengruppe sei das sehr wichtig, sie zeige damit auch ihre Heimatverbundenheit. "Außerdem wird deutlich, wie viele Auszubildende wir haben und was für ein lebendiges und gerade bei solchen Anlässen offensichtlich auch lebhaftes Unternehmen wir sind."

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