Bamberg
Faschingsumzug

Gaudiwurm in der Gartenstadt: Konfetti, Charme und Tradition

Den Gartenstadter Narrenzug bildeten über 1000 Leute.
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Fotos: Julian Megerle & Ronald Rinklef
Fotos: Julian Megerle & Ronald Rinklef
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Da stehen sie und recken die Hälse, die kleinen Spidermans, Tiger, Cowboys, Piratinnen, Feen und Einhörner. Langsam kommt die Musik näher und der erste Wagen in Sicht. "Helau!" tönt es entlang der Seehofstraße. Schnell wird klar: Wer schon mal einen kleinen Ausblick auf den Faschingszug in der Bamberger Innenstadt haben wollte, der war am Samstag in der Gartenstadt an der richtigen Adresse.

Konfettiregen und lautstarke Musik fluteten die Straße und tauchten die zahlreichen Zuschauer in die Faschingsstimmung hinein. Und was es da nicht alles hagelt! Bananen, Brödla und unzählige Bonbons in allen Farben. Die Kinder kommen kaum hinterher, nach den Sachen zu schnappen. Bei manchen Eltern werden Erinnerungen an früher wach, als man den ganzen Süßkram noch eimerweise nach Hause trug, weil es einfach so selten und besonders war.

Ein Hingucker war nicht nur das Prinzenpaar, dass vom Dach eines Dreiradtransporters das Volk mit Kamelle versorgte. Wirbelnde Wimpel und schwungvolle Beine präsentieren die blau-weiß gekleideten Damen der Gardenvereine, die sich aus Zapfendorf und Memmelsdorf auf den Weg gemacht hatten. Ordentliche Blaskapellen und Trommlerabteilungen durften natürlich auch nicht fehlen.

E-Scooter im Hühnerstall

Und was wäre ein Faschingsumzug und die närrische Zeit ohne ein bisschen politische Polemik? "Meine Oma fährt im Hühnerstall E-Scooter" prangt auf der Vorderseite eines Lastwagens. Der Kopf des Oberbürgermeisters ist daneben gedruckt. Am Seitenbanner sitzen - wie die Hühner auf der Stange - bekannte Gesichter aus Stadtrat und Verwaltung. Drüber steht "Vom Hühnerstall zur E-Mobilität". Auf einem weiteren Wagen steht Stadtrat Norbert Tscherner mit einem Stapel Parkscheiben in der Hand und steckt die SPD in Tierkörper, da sie zum Streichelzoo für den Bürger wurde. Ob die SPD-Stadträte die Forderung "Bunker zu Ställen" tatsächlich unterstützt, konnte bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden.

"Ich fand den Bäckerwagen mit den Piraten drauf am coolsten", findet die zehnjährige Clara, die heute als Panda verkleidet zum ersten Mal zugeschaut hat. Ihre Freundin Emma im türkisblauen Tierkostüm hat einen anderen Favoriten: "Den Rewe wagen fand ich klasse." Die Neunjährige hat schon aufgehört zu zählen, so oft war sie bereits dabei. Und für den sechs Jahre alten Piraten Emil war alles super, solange es was zu Naschen gab. Von der Sankt-Kunigunden-Schule und dem Kindergarten waren 40 Nachwuchsfaschingsanhänger dabei.

"Ich durfte Bonbons verteilen und habe selbst einige eingesteckt," freut sich der achtjährige Franz. Und der Erstklässler Max zeigt stolz seine Konfettikanone, mit der er rumschießen durfte. Alle Kinder stecken in durchsichtigen Plastiktüten, gefüllt mit bunten Luftballlon. Die Idee für das "Jelly-Belly" Kostüm hatte eine Mutter, die auch im Elternbeirat mitmischt. "Das war einfach leicht zu machen und passend für die Kinder", findet sie. Und auch im nächsten Jahr will man dabei sein, sind sich die Mütter einig, die ihre Kinder heute begleiten. Gut 50 Jahre Tradition stecken hinter dem Faschingszug, welcher als einziger außerhalb des Stadtkerns stattfindet. Stattliche 25 Jahre davon hat Peter Neller als stellvertrender Vorsitzender des Bürgervereins Gartenstadt organisiert.

"Da waren heute rund 1000 Leute dabei", schätzt Neller gut gelaunt in seinem Eselskostüm.

Zudem sei er dankbar, dass von Seiten des Referenten des Ordnungsamtes, Ralf Haupt, "Auflagen mit Augenmaß" angewandt wurden, sodass der Bürgerverein den Gaudiwurm erneut auf die Straße bringen konnte. Und möglicherweise lebt nächstes Jahr das Kinderprogramm nach dem Ende des Zuges wieder auf, verrät Neller. Gute Aussichten also, die närrische Zukunft ist gesichert. Gartenstadt Helau!

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