Bamberg
Stadtentwicklung

Gaustadt im Wandel: Das sind die Pläne

In Gaustadt wuchern Gerüchte: Was passiert mit dem Festplatz? Was mit dem Parkplatz? Was wird aus dem Schulsport? Die Stadt plant Wohnungen und eine Kindertagesstätte. Der Bürgerverein fordert mehr Transparenz.
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Wo nur noch ein Baumstumpf aus dem Boden ragt, entsteht die neue Gerätehalle der Gaustadter Feuerwehr, die Tartanbahn wird verkürzt. Foto: Sebastian Schanz
Wo nur noch ein Baumstumpf aus dem Boden ragt, entsteht die neue Gerätehalle der Gaustadter Feuerwehr, die Tartanbahn wird verkürzt. Foto: Sebastian Schanz
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Vor der Schwarzen Brücke, die Gaustadt mit der Erba-Insel verbindet, haben Bagger die Straße aufgerissen. Die Bäume sind verschwunden. Entstanden sind dafür einige Fragezeichen bei den über 6000 Gaustadtern. Und Gerüchte.

"Nun hat die Fällung des Baumbestandes an der Heinrich-Semlinger-Straße neben der Mittelschule den Blick freigegeben - auf etwas, das es bald nicht mehr geben wird in Gaustadt: Bei ständig steigender Einwohnerzahl (Erba, geplante Baugebiete alte Ziegelei und weitere) werden dringend benötigte Gemeindeflächen geopfert. Wofür?", fragt Anwohner Jochen Seggelke. Soll der Festplatz wirklich bebaut werden? Wo soll die Kerwa dann stattfinden? Soll der Schulsport verlegt werden? Emotionale Themen. Und Fragen über Fragen.

Also der Reihe nach. "Ja, der Festplatz wird bebaut, und damit fallen auch die geduldeten Parkplätze weg", antwortet Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Zeiten der "geduldeten Wildnutzung", wie der städtische Finanzreferent Bertram Felix das besonders bei Studenten gefragte kostenlose Parken auf dem alten Bauhofplatz bezeichnete, sind dann vorbei. Wo derzeit die Autos in Reih und Glied stehen, sollen bis 2022 Bobby-Cars rollen: "Geplant ist dort Wohnbebauung mit einer neuen Kindertageseinrichtung", erklärt Bürgermeister Christian Lange (CSU), der für das Projekt verantwortlich zeichnet. "Damit verfolgen wir zwei elementare Ziele der Stadt Bamberg: Wohnraum und Kinderbetreuung."

Die positive Bevölkerungsentwicklung, der Zuzug von Familien, weitere Wohnbebauung auf dem Megalith-Gelände: Nach der Einschätzung der Stadtplaner besteht in Gaustadt ein erhöhter Bedarf an Kita-Plätzen. Mit dem Haus für Kinder Am Sylvanersee, St. Josef, St. Sebastian und dem Waldorfkindergarten gibt es aktuell vier Einrichtungen. Eine fünfte soll im Erdgeschoss entstehen. Darüber plant die Stadtbau zweigeschossigen Wohnbau, das Grundstück bleibt in städtischem Besitz.

Diesen Plänen müssen nicht nur die Autos weichen, sondern auch die Kerwa-Wagen: Der Festplatz wird verlegt - an das Schulgelände der Mittelschule, die Frankenwaldstraße wird wohl mit eingebunden. "Im nördlichen Bereich der Freianlagen soll ein neuer Festplatz angelegt werden", erklärt Siebenhaar. Der vorhandene Schulsportplatz werde dadurch nicht beeinträchtigt.

Unangetastet bleibt er aber nicht: Im südlichen Bereich entsteht die neue Gerätehalle der Löschgruppe 5 Gaustadt. Die Vorarbeiten laufen: Techniker verlegen derzeit Leitungen für die Wehr. Hierfür mussten laut Siebenhaar auch die Bäume in der Feuerwehrzufahrt fallen. Wegen dieses Neubaus wird die Laufbahn auf dem Schulgelände von 100 Meter auf 75 gekürzt. "Der Sportunterricht bleibt möglich", versichert Lange. Nur für Bundesjugendspiele müssten die jungen Athleten umziehen. "Alles ist eng mit der Schulfamilie abgestimmt."

Abgestimmt sind die Ideen auch mit dem Bürgerverein. "Wir verschließen uns einer neuen Kindertagesstätte nicht", sagt dessen Vorsitzende Daniela Reinfelder, die mehr Betreuungsplätze für dringend nötig hält und auch für einen zusätzlichen Hort für Schulkinder in der Mittagsbetreuung wirbt. Was die Wohnungen angeht, hier wünscht sich der Bürgerverein neben bezahlbaren Preisen für Familien auch Sonderwohnformen für Senioren oder Wohngemeinschaften.

Reinfelder sieht den Bürgerverein bei all den Plänen und Verschiebungen in einer vermittelnden Rolle - sagt aber deutlich: "Die Stadt muss die Anwohner mitnehmen." Dafür sei ein Runder Tisch oder eine größere Infoveranstaltung nötig. Denn bisher seien die Pläne zu wenig kommuniziert worden.

So sieht das auch Jochen Seggelke: "Nun ist es spätestens an der Zeit, uns umfassend aufzuklären, was denn in unmittelbarer Nähe zu unserer Siedlung geplant ist." Bisher wucherten nur Gerüchte. "Vielleicht kann unser Oberbürgermeister nach gerade eröffnetem Wahlkampf die Gelegenheit ergreifen, und uns Bürgern meisterhaft erklären, was sich hier alles (mit wessen Geld?) zu wessen Wohl ereignen wird - die Bäume sind ja schon mal beiseite geschafft."

Am Mittwoch behandelt der Stadtrat das Thema.

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