Bamberg
Bau

Gartenstadt wird aufgewertet

Eines der letzten Bauträger-Projekte der Baugenossenschaft entsteht in der Mittelbachstraße.
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Noch klafft in der Mittelbachstraße ein großes Loch - doch schon bis zum Schuljahrbeginn 2019 soll hier ein Kindergarten und Hort entstehen sowie 69 Wohneinheiten.  Fotos: Andreas Thamm
Noch klafft in der Mittelbachstraße ein großes Loch - doch schon bis zum Schuljahrbeginn 2019 soll hier ein Kindergarten und Hort entstehen sowie 69 Wohneinheiten. Fotos: Andreas Thamm
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Es klafft ein Loch in der Gartenstadt und Günther Straub will es stopfen. Im Mai vergangenen Jahres waren hier, an der Mittelbachstraße, sieben Wohnblocks mit günstigen Mieten abgerissen worden. Die Häuser gehörten der Baugenossenschaft für Bamberg Stadt und Land. Weil die an der Stelle nicht wieder soziale Wohnungen herstellen wird, hat es damals auch Kritik gegeben.

Auch deshalb ist Straub, Vorsitzender der Genossenschaft, der Einladung des Bürgervereins an die Baustelle gefolgt. Der Abriss, sagt er, sei unvermeidlich gewesen: Schimmel in den Wänden, überalterte Treppenhäuser aus Holz. "Da hätte es nur ein Mal brennen müssen." Die Altmieter seien zum größten Teil in Beständen der Genossenschaft im Bamberger Osten untergekommen. "Ich habe nichts Negatives gehört", so Straub.

Hort zum Schuljahr 2019

40 bis 50 Anwohnerinnen und Anwohner sind ebenfalls erschienen, um zu erfahren, was denn hier nun wann entstehen soll und zu welchem Preis. Das erste ist der neue Kindergarten und Hort im Osten des Grundstücks. Schließlich sollen dort zum neuen Schuljahr 2019 bereits Kinder ein und aus gehen. Aber nicht nur: "Das wird ein tierunterstützter Kindergarten", weiß Straub. Es werde also Stallungen für Kleintiere geben. "Ein Esel wäre gut", findet eine Zuhörerin.

Insgesamt wird die Diakonie 62 Plätze anbieten können, deutlich mehr als bisher. Sie zahlt dafür 6,40 Euro pro Quadratmeter Miete. Ein so niedriger Preis sei nur wegen unterstützender Finanzierung der Stadt und der Regierung möglich.

Südwestlich davon, entlang der Memmelsdorfer Straße, wird es wieder Wohnraum geben, 66 Mieteinheiten insgesamt, zwischen 55 und 90 Quadratmeter groß. Wie hoch der Mietpreis genau sein wird, kann Straub Stand heute noch nicht sagen, aber zumindest so viel: "Sie werden eine Zehn vorne lesen. Drunter können Sie heute nicht mehr bauen." Zum Vergleich: Der alte Mietpreis lag bei 5,80 Euro. Und wann soll es losgehen? "Bringen Sie mir eine Firma", sagt Straub, "und wir fangen sofort an."

Genossenschaft zieht sich zurück

Die Genossenschaft ächzt offenbar unter hohen Baupreisen, Auflagen zu Dämmung, Stellplätzen, etc. Sie will sich in Bamberg, das erwähnt Straub zum Schluss, aus dem Bauträgergeschäft zurückziehen. "Die Finanzierung ist einfach zu schlecht."

Straub hält mit seiner Meinung über die Anforderungen an den modernen Wohnungsbau nicht hinter den Berg. Drei Ladestationen für E-Autos werde es hier geben: "Ich bin überzeugt, kein einziger, der hier wohnt, hat ein E-Auto." Die Dächer müssen begrünt werden: "Wer sieht eine Dachbegrünung? Nur der liebe Gott." Dafür müsse dann regelmäßig der Gärtner anrücken, und auch der will bezahlt sein.

Die neuen Wohnungen werden einen deutlich höheren Standard haben als die alten Sozialbauten, die Gartenstadt werde aufgewertet. Trotzdem sollen die alten Mieter zuerst gefragt werden, ob sie zurückkehren möchten. Straub: "Das werden nicht mehr als fünf machen." An die Firma Brose als solche soll, auch diesbezüglich hat es Gerüchte gegeben, jedoch nicht vermietet werden.

Zwei Gewerbeeinheiten entstehen zudem in Richtung Hauptsmoorstraße. Hier könnten sich Physiotherapeuten oder Ärzte ansiedeln. Die Nachfrage ist momentan jedoch überschaubar: "Kein Mensch interessiert sich dafür." Sollten die Flächen nicht für Gewerbe genutzt werden, werden auch sie zu Wohnraum umgewidmet.

Zudem hätte die Baugenossenschaft gerne ein Tagescafé mit Veranstaltungsraum gebaut. Das sei jedoch mit Hinweis auf den Saal der Kunigundenkirche abgelehnt worden. Gelächter und Unmut im Publikum. Straub achselzuckend: "Das ist nicht gewünscht worden. Von wem, sage ich nicht."



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