Bamberg
Interview

Futuredays Bamberg: Gemeinsam kreativ in die Zukunft

Was große Unternehmen bei der Digitalisierung von Start-ups lernen können, erklären zwei Experten der "Futuredays Bamberg" am 17. Oktober.
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Markus Potzel (links) von der Mediengruppe Oberfranken und Marcus Domes von der Agentur Bytabo sind zwei der Experten, die bei den "Futuredays" sprechen werden. Hier tauschen sie sich  im Ideengärtla der Mediengruppe  aus, einem der Veranstaltungsorte.  Ronald Rinklef
Markus Potzel (links) von der Mediengruppe Oberfranken und Marcus Domes von der Agentur Bytabo sind zwei der Experten, die bei den "Futuredays" sprechen werden. Hier tauschen sie sich im Ideengärtla der Mediengruppe aus, einem der Veranstaltungsorte. Ronald Rinklef

In Kooperation mit dem Nürnberg Digital Festival organisieren die Agenturen Bytabo und medienreaktor sowie die Mediengruppe Oberfranken (MGO) am 17. Oktober die "Futuredays" (Anmeldung und Programm). Diskutiert werden dabei in offenen Workshopformaten Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen der Digitalisierung. Mit dabei sind als Experten auch Marcus Domes, 26, von der Innovations-Agentur Bytabo und Markus Potzel, 44, von der MGO. Stichwort Digitalisierung: Was können große Unternehmen von Start-ups lernen?Marcus Domes: Ein wichtiger Punkt ist, dass man als junges Unternehmen noch relativ wenig Strukturen und Prozesse hat und dementsprechend agil und flexibel agieren kann. Die ganze Stimmung im Team ist meistens noch viel dynamischer als in großen Unternehmen. Das ist so ein Punkt, wo man wieder auf die Start-ups zurückkommen kann, um zu schauen: Hey, wie gehen die mit der Digitalisierung um? Da geht es auch ums digitale Denken, was heißt das eigentlich?Marcus Domes: Zum einen heißt das, agil zu denken und nicht wasserfallartig wie früher in Fünfjahresplänen, mit denen man sich nur langsam fortbewegt, sondern dass man einfach was ausprobiert. Das machen Start-ups von morgens bis abends, große Unternehmen dagegen viel zu selten. Es gibt viele neue Methoden im Bereich Agilität, die jedoch zum Teil in vielen Unternehmen noch nicht angewendet werden, das ist aus meiner Sicht verschwendetes Potenzial.

Was brauche ich, um von der Idee zur Umsetzung zu kommen?Markus Potzel: Ein Unternehmen hat im Laufe der Zeit gelernt, sein bestehendes Geschäft zu optimieren, die Prozesse, die Strukturen perfekt zu machen. Das ganze Management ist darauf ausgerichtet. Blöderweise ist es nun so, dass das nicht mehr langt. Ich habe vielmehr die Herausforderung, dass sich die Welt um mein Unternehmen herum schnell entwickelt und immer digitaler wird. Ich habe die Herausforderung, diese Dynamik aufzunehmen. Es braucht von der Idee bis zur Umsetzung am Markt neben Flexibilität und Agilität vor allem Kundenorientierung. Unternehmen haben verlernt, kundenorientiert zu agieren. Die meisten schreiben es irgendwo hin, die wenigsten sind es. Warum ist das so?Markus Potzel: Häufig ruht man sich auf den Erfolgen aus, die man hat: Man hat früher wenig Wettbewerb gehabt, beziehungsweise war der Wettbewerb greifbar und die Marktentwicklung gut prognostizierbar. Das hat sich durch die Digitalisierung geändert. Ich habe jetzt internationale Player im Markt. Ein lokales Traditionshotel in Trabelsdorf hat plötzlich internationale Wettbewerber wie die Plattform "Airbnb". Der Wettbewerb ist nicht mehr greifbar, ich kann mich nicht mehr so lange auf meinen Erfolgen ausruhen, das reicht nicht mehr. Ich muss viel mehr in die Zukunft investieren, da ist Kundenorientierung zentral. Vergleichsweise hoher Kundennutzen ist heute bei den vielen Möglichkeiten, die sich bieten, mehr denn je ein entscheidender Schlüsselfaktor für den Unternehmenserfolg. Das heißt, von Euren Vorträgen könnte auch ein Gastwirt aus Trabelsdorf profitieren?Markus Potzel: Definitiv, bei mir wäre es so. Er kann über sein Geschäftsmodell nachdenken und darüber, wie er es kreativ entwickeln kann. Marcus Domes: Durch solche kreative Geschäftsmodellspiele kommt man einfach mal in einen ganz anderen Bereich und vielleicht ist eine von den Ideen, die dabei herauspurzeln, ganz gut. Im nächsten Schritt kann das Management dann auf die Zahlen schauen. Wenn man aber gar nicht anfängt, kreativ nachzudenken in der digitalen Welt, dann findet man auch nicht etwas Cooles und Besonderes. Wie wichtig ist es dabei, alle Mitarbeiter mitzunehmen?Marcus Domes: Das ist sehr wichtig und einer der essenziellen Punkte, um Kreativität im Gesamtunternehmen zu fördern. Wenn ich eine Idee habe, an der mein Vorgesetzter aber gar kein wirkliches Interesse hat, dann bin ich auch nicht motiviert, eigene kreative Gedanken anzustoßen, sondern mache nur Dienst nach Vorschrift. Nun beschäftigen große Unternehmen auch viele ältere Mitarbeiter, die vielleicht größere Angst vor der Digitalisierung haben. Eine besondere Herausforderung?Marcus Domes: Menschen die 30 Jahre in einem Unternehmen sind, haben die Struktur so verinnerlicht, dass es ihnen schwerfällt, sich anzupassen - das ist ganz normal. Ich glaube aber, dass Angst unberechtigt ist. Ich erlebe viele ältere Menschen, die viel Energie und Lust haben, was Neues zu machen. Die Digitalisierung ist eine Chance, das muss von den Führungskräften klar kommuniziert werden.



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