Gundelsheim

Fußball bringt alle zusammen

Über 300 Besucher fieberten beim Champions-League-Finale in der Gundelsheimer Schulturnhalle mit. Sie erlebten ein spannendes Spiel.
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Lothar Philipp und sein Sohn Konstantin sind gespannt.  Foto: Sabine Christofzik
Lothar Philipp und sein Sohn Konstantin sind gespannt. Foto: Sabine Christofzik
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Erhard Minke hat Glück! Nach diesem Fußball-Samstag hat er sowohl seine Haare noch als auch sein Bayern-Käppi. Als Bayern letztes Jahr verlor, verlor Minke einer Wette zu Folge seine Haare. Und am Samstag hätte der Chefgriller der Gundelsheimer Feuerwehr seine Mütze gegrillt, wenn es für die Bayern wieder nicht geklappt hätte... mit dem Sieg im Champions-League-Finale. Das hat er beim Public Viewing der Gemeinde Gundelsheim erlebt. Allerdings nicht in der Halle, sondern davor - wie gesagt in der Grillhütte der Feuerwehr. Die versorgte schließlich die gut 300 Viewer mit Steaks und Bratwürsten. Und um zwischen Drehen, Wenden und Abgeben keine wichtige Szene zu verpassen, hatte Minke seinen Lkw-Fernsehschirm am Tresen stehen...




Stärken an der Grillhütte
Zur Grillhütte strömten die Fußballfreunde, um sich für das Match der Matche zu stärken. Zumindest was die Kundschaft anbelangt, zeigte sich Minke unterstützt von Feuerwehrvereinsvize Dieter Diewok leidenschaftslos - die mit Bayern-Schal und Trikot wurden genauso freundlich versorgt wie die im Dortmund-Outfit. Überhaupt, die Zahl der jeweiligen Anhängerschaft dürfte sich gefühlt die Waage gehalten haben in dieser fröhlichen Viewer-Gemeinschaft.

Den ersten Sieg des Tages konnte übrigens Bürgermeister Jonas Merzbacher für die Gemeinde verbuchen: "Viel größer hätte der Würfel nicht sein dürfen", sagt Merzbacher zu dem Monstrum, in das die Zehnquadratmeter-Leinwand eingebettet ist. Ganz knapp unterhalb der Hallendecke endet das Oberteil des Würfels.
 

Fankultur bei den Jüngsten
Gleich davor beginnt die Fanmeile der jüngsten Gundelsheimer. Lautstark und energiegeladen fiebert eine Vielzahl von Robbens, Schweinsteigers und Riberys bei jedem Spielzug mit. Turnmatten sind nicht nur die passende Sitzgelegenheit, sondern auch sicherer Untergrund für all die Jubel- und Frustmanöver. Damit die Kinder auf jeden Fall etwas mit nach Hause nehmen können und vor dem Spiel beschäftigt sind, hat Jugendsozialarbeiterin Julia Quaschnik Buttons mitgebracht. Jeder kann sich ein Motiv - allerdings kein Fußballmotiv, erst aus einem Bogen ausschneiden und dann pressen lassen. Sie opfert wertvolle Stunden ihres Geburtstags, damit die Kids glücklich sind...

Wo sonst Geräte, Matten und weitere Sport-Unterricht-Utensilien verstaut sind, da hat Daniela Schmitt vom örtlichen Einkaufsmarkt ihr "Lager" aufgeschlagen: Die Versorgung der Viewer mit Getränken ist an diesem Abend ihr Metier, Stefan Wittmann von der Projektgruppe Gewerbe ihre Hilfskraft. "Die treibt mich ganz schön nei", sagt der erklärte Bayern-Fan. Ausgerechnet bei den spannendsten Szenen muss er ganz hinten etwas holen, mault er. Dafür entgeht Daniela Schmitt beim Kassieren kaum etwas. Äußerlich unbewegt verfolgt Quartiersmanagerin Julia Zinnow das Geschehen gleichfalls vom Ausschank aus. Sie kann sich bereits mit Anpfiff als Siegerin fühlen. Über 300 Gäste bei dieser Veranstaltung, "das ist ein schöner Erfolg", findet sie.


"Eine Riesensache"
Michael Fiedler kann das zwar nicht hören, weil er mit seiner Familie in der ersten Reihe sitzt. Aber dieses Public Viewing, das die Gemeinde seit dem Hauptstraßen-Einweihungs-Fest vertagt hat und nun anbietet, findet er eine "richtig gute Idee und eine Riesen-Sache für Gundelsheim." Er ist erklärtermaßen ein vollkommen neutraler Zuschauer, also weder Bayern- noch Dortmund-Fan, und tippt auf Dortmund, "weil die hungriger sind". Auf jeden Fall ist er davon überzeugt, eine sehr emotionale Begegnung zu sehen.

Emotionen sind heute wohl eher weniger sein Ding, so cool hat sich Pfarrer Marianus Schramm zur Public-Viewing-Gemeinde gesellt. Als allseits bekannter und bekennender Clubberer ist er an diesem Abend völlig entspannt. "Die Bayern", sagt er - mit hörbar gequältem Unterton des FCN-Getreuen... Eigentlich mag er ja beide Teams nicht so wirklich. "Hauptsache ist, dass eine deutsche Mannschaft gewinnt", zeigt er sich versöhnlich. Auf jeden Fall freut er sich auf ein Super-Spiel...

So wie Lothar Philipp und sein Sohn Konstantin, die beide aus Gaustadt gekommen sind. Die Schals weisen sie eindeutig als Bayern-Fans aus. Dieses Match wollen sie in besonderer Weise erleben, sie sind des Gemeinschafts-Erlebnisses wegen nach Gundelsheim gefahren. "Natürlich gewinnt Bayern", allerdings erst nach einer Verlängerung tippen die Beiden wie aus einem Munde.


Bayern "zu arrogant"
Ein paar Tische weiter sitzt da eine vollkommen andere Auffassung ganz in Gelb-Schwarz: Steffen Roth und Michael Friemann, eindeutig und eingefleischt - Dortmund-Fans. "Die Bayern sind zu arrogant", findet Roth, die Dortmunder anders. Für die muss die Stimmung passen, und Dortmund ist immer gut drauf. Die Zwei aus Hallstadt beziehungsweise Ebensfeld sind jedenfalls gut drauf. Und sie sind nach eigenem Bekunden der harte Kern. Ein Einzel-Fan, der im Kreise seiner Freunde - hauptsächlich Bayern-Fans, genauso akzeptiert wird, ist der Gundelsheimer Kamil Chrzaszcz. Schon wegen der gemeinsamen Herkunft aus Polen ist er ein glühender Anhänger von Lewandowski.

Obwohl, hätte man den Jubel gemessen, das 1:0 der Bayern wurde mindestens genauso lautstark bejubelt wie nur wenige Minuten später Dortmunds Ausgleich. Ob Konrad Gottschall, der auf den Bayern-Sieg tippt, nun ins Grübeln kommt...


"Geboren als Bayern-Fan"
Einer der Propheten des Abends soll Marcel Dusold werden. "Ich wurde schon als Bayern-Fan geboren", erklärt der 20-Jährige. "Es wird ein knappes Spiel", hat er noch vor dem Anpfiff prognostiziert. "2:1." Und genauso kommt es fast in der letzten Minute. Es wird noch einmal richtig laut in der Halle. Und dabei bleibt's. Schön friedlich, einträchtig der Ausklang.

Steffen Roth und Michael Friemann sind kurz still und dann wieder zuversichtlich - "dann eben im nächsten Jahr". Und Erhard Minke in seiner Grillbude strahlt übers ganze Gesicht, rückt das Bayern-Käppi demonstrativ über der Haarpracht zurecht. Launig zeigt er die Handybilder von der verlorenen Wette und der Glatze des letzten Jahres herum. Aber heute ist die Welt in Ordnung. Sieg für die Gemeinde Gundelsheim und ihr Public Viewing...

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