Bamberg
Wohnen

Ist Bamberg für diese Familie noch erschwinglich?

Seit 2002 haben sich die Mietpreise in Bamberg fast verdoppelt. Die Folgen treffen vor allem Familien und Menschen mit kleinen Einkommen.
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Uwe Hermansdorfer mit Ehefrau Jessica und den beiden Töchtern Emilie und Sophie  Foto: Matthias Hoch
Uwe Hermansdorfer mit Ehefrau Jessica und den beiden Töchtern Emilie und Sophie Foto: Matthias Hoch
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Uwe Hermansdorfer ist einer von Vielen, doch er traut sich in die Öffentlichkeit. Seit zwei Jahren sucht der Familienvater nach einer Drei-Zimmer-Wohnung in Bamberg.

Leider ohne Erfolg. Das Problem des 33-jährigen, seiner Frau und seiner zwei Kinder: Er will nicht weg aus Bamberg, doch er verdient zu wenig für seine Geburtsstadt. Als Straßenreiniger bleiben ihm nur 1500 Euro netto im Monat. "Meine Schmerzgrenze liegt bei 600 Euro im Monat."

Das Dilemma in der beliebten Unistadt ist bekannt. Seit Jahren klettern die Mieten - und kein Ende ist in Sicht. Zu geringe Neubautätigkeit, starker Zuzug und steigende Baukosten verschärfen den Trend, ein Schwarmstadt-Phänomen, das vor allem Familien mit Kindern trifft und Menschen mit niedrigen Einkommen.

Die Fieberkurve der Stadt

Viele von ihnen können sich Bamberg nicht mehr leisten. Ein Blick auf den amtlichen Mietspiegel der Stadt Bamberg zeigt den Grund. Denn die Fieberkurve der Durchschnittsmieten hat sich über 15 Jahre dramatisch nach oben verschoben. 2002 wurde etwa eine der vielen Altbauwohnungen in Bamberg noch mit vier Euro pro Quadratmeter Kaltmiete taxiert. 2018, zum Zeitpunkt der letzten Mietspiegelerhebung sind es bereits 7,14 Euro .

Der Mietspiegel steigt

Und was passiert in der Politik? Kurz vor der Sommerpause hat der Stadtrat beschlossen, den Mietspiegel der Stadt zum Januar 2020 über alle Wohnungsklassen hinweg um weitere vier Prozent anzuheben - eine Anpassung auf Basis des Preisindexes.

Das Verfahren mag plausibel klingen, weckt aber Befürchtungen. 2018, als der heute noch gültige Mietspiegel in Kraft gesetzt wurde, nutzten viele Vermieter die neuen Zahlen, um Preisanhebungen durchzusetzen. Droht eine ähnliche Erhöhungswelle nun auch 2020, wenn der Mietspiegel erneut nach oben zieht? Rechtsanwalt Thomas Kliemann, Vorsitzender des Bamberger Mietervereins, kann das nicht ausschließen. Aus Sicht der Mieter hätte er sich eine deutlich niedrigere Anpassung unter dem Anstieg des Verbraucherpreisindexes von 3,6 Prozent gewünscht, "um Druck vom Markt zu nehmen". "Die Mieten sind hier schon nahe am Großstadtniveau", sagt er. Aus seiner Sicht gibt es zudem ein spezifisches Bamberger Problem: "Es fehlen günstige Studentenbuden. Deshalb werden viele großere Wohnungen statt mit Familien mit Wohngemeinschaften von Studenten belegt. Das macht den Markt eng."

Die Folgen spüren Familien wie die von Uwe Hermansdorfer sehr direkt: Im Wettbewerb mit besser gestellten Wohnungssuchenden oder Studenten haben sie keine Chance, werden zu Besichtigungen nicht eingeladen. Meist scheitert es aber bereits vorher: Eine Drei-Zimmer-Wohnung, die ihm in der Siemensstraße angeboten wurde, lag bei fast 750 Euro Miete. Unerreichbar für den 33-jährigen, der die Hoffnung mittlerweile fast aufgeben hat.

Im Bamberger Stadtrat ist der Wohnungsmangel seit Jahren ein wiederkehrendes Thema. Um das Problem zu lindern, wurde 2018 eine Sozialquote eingeführt, die bei einem Teil der neu gebauten Wohnungen für Preise unter Marktniveau sorgen soll. Doch wahr ist auch: Über ein Jahrzehnt hinaus wurde in Bamberg keine einzige Sozialwohnung mehr gebaut. Bund, Länder, aber auch die Stadt hielten sich vornehm zurück.

Ist Bamberg für Familie wie die von Uwe Hermansdorfer zu teuer geworden? Und was müssen sie aufbringen, , um sich Bamberg noch leisten zu können? Mieterschützer Kliemann schweigt sich auf diese Frage aus. Er will keine Begehrlichkeiten wecken.

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