Bamberg
Berganza-Preis

Frontfrau der Kunst im allgemeinen

Die Keramikkünstlerin Christiane Toewe ist vom Bamberger Kunstverein nicht nur für ihre leuchtenden Porzellanobjekte ausgezeichnet worden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Christiane Toewe mit der Skulptur, die den Hund Berganza zeigt. Foto: Rudolf Görtler
Christiane Toewe mit der Skulptur, die den Hund Berganza zeigt. Foto: Rudolf Görtler
+1 Bild

Den sprechenden Hund Berganza gibt es als Skulptur im Hain zu sehen. Einen Miniatur-Bullenbeißer hielt eine glückliche Christiane Toewe als Verkörperung des gleichnamigen Preises in der Hand, der ihr vom Kunstverein Bamberg verliehen worden ist. Das Preisgeld von 4000 Euro stiftete die VR-Bank Bamberg.

Berganza, eine Erfindung Miguel de Cervantes", die E.T.A. Hoffmann aufgriff, um die Erlebnisse seiner Bamberger Zeit satirisch zu verarbeiten, ist durchaus eine (erneute) Lektüre wert. Saftig zieht der Romantiker darin über die örtlichen Kultur-Philister her und verarbeitet auch seine unglückliche Liebe zum Bürgertöchterlein Julia Marc, das an einen tölpelhaften Kaufmann verheiratet wurde. Und eine kleine Ästhetik liefert das Tier als Sprachrohr des Autors auch noch mit.

Naturgemäß rekurrierte Barbara Kahle, die Vorsitzende des Kunstvereins, auch auf den sprechenden Hund und seine Bedeutungen. Ein wenig schlüpfte sie während ihrer Begrüßungsrede in der Villa Dessauer in die Rolle Berganzas, als sie die zeitgenössische Rolle der Kunst kritisierte: "Sie wird mit Entertainment verwechselt." Dagegen setzte sie durch Kunst vermittelten Erkenntnisgewinn und dass dieser eben auch mit Arbeit und Anstrengung verbunden sei. Welchselbe Talente sie der "Künstlerin und Frontfrau der Kunst im Allgemeinen" zuschrieb.

Diese verkörpere Christiane Toewe, die seit 1994 ein Atelier für Studioporzellan in der Hainstraße betreibt. Neben ihrem künstlerischen Schaffen, ihren Großinstallationen, ihren diversen Ausstellungen und Auslandsaufenthalten fand und findet die Geehrte, die sich als 31. in den Kreis der Berganza-Preisträger - darunter etwa Hans Wollschläger oder der Jazzclub Bamberg - einreihte, auch noch Zeit für kulturpolitische Anstrengungen, etwa als Vorsitzende des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken (BBK) oder als selbst Hand anlegende Kämpferin für den Kunstraum Kesselhaus.

Eigene Rezeptur

Im Detail würdigte das Eva Schurr, Kuratorin der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus und Fachfrau für Keramik, in ihrer erfreulich unprätentiösen Laudatio, indem sie die Kriterien der Berganza-Preis-Vergabe auf ihre Relevanz für Toewe abklopfte. Und in jedem Falle fündig wurde. Nach einer zehnjährigen Ausbildung unter anderem an einer Fachschule für Keramikgestaltung widmete sich die Preisträgerin, die auch in den Genres Rauminstallationen, Fotografie, Video, Grafik wirkt, vornehmlich dem "edelsten und schwierigstem Werkstoff" (Schurr), dem Porzellan, für das Toewe eine eigene Rezeptur entwickelte. Beherrschung des Handwerklichen sei die Voraussetzung fürs künstlerische Gestalten, fürs "Ringen mit Porzellan". Wobei die Künstlerin vornehmlich für "Transluzenz" stehe, die Symbiose von Licht und Porzellan. Und sich etwa in ihrer Installation "Mare Nostrum", die das migrantische Sterben im Mittelmeer thematisiert, von einer L'art-pour-l'art-Haltung distanziere.

Zielstrebigkeit und intensive Arbeit erfordere nicht nur die Kontrolle des Brennofens. Mehrmals hat sich die Künstlerin in China, der Wiege des Porzellans, fortgebildet, zuletzt in Jingdezhen ausgestellt. Doch auch in Indien, Japan und Finnland Kontakte geknüpft.

In ihrer bescheidenen Dankesrede erinnerte die Preisträgerin an ihre Wurzeln in Bamberg, bevor das Publikum die Sektgläser klirren ließ. Interessant wäre zu hören oder zu lesen, wie ein Berganza im Jahre 2019 den Abend kommentiert hätte ...

Im Atelier

Ab der ersten Dezemberwoche können im Studio Christiane Toewes in der Hainstraße 57, Telefon 0951/ 2998661, mobil 0179/6833067, E-Mail info@toewe.net, täglich neue Arbeiten und Leuchtobjekte bei Tee und Gebäck besichtigt werden. Öffnungszeiten: jeden Nachmittag von 15 bis 18 Uhr (So., 1., bis So., 8. Dezember), in der restlichen Adventszeit nach telefonischer Vereinbarung.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren