Bamberg
Strafprozess

Freundschaft endet vor Gericht

Früher verstanden sie sich prächtig, die Chefin und ihre Mitarbeiterin. Doch dann eskaliert der Streit um ein Rennpferd - und landet vor Gericht.
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Mangels Beweisen wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt. Foto: Ronald Rinklef
Mangels Beweisen wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt. Foto: Ronald Rinklef

Eine Mitarbeiterin, deren Ehemann ihrer Chefin Drohnachrichten schickt, ein Personalgespräch, das buchstäblich hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben soll, und ein unterschlagenes Reitpferd im Wert von rund 10 000 Euro. Strafrichterin Christine Schäl fiel es bei einem Prozess wegen Freiheitsberaubung nicht leicht, den Überblick zu behalten. Am Ende wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage von 600 Euro an den Kinderschutzbund Bamberg eingestellt.

Dabei hatte es zu Beginn noch ganz einfach ausgesehen. Bei einem Mitarbeitergespräch im Sozialraum eines Baumarktes im Landkreis Bamberg hatte die Chefin ihre Verkäuferin zur Rede stellen wollen. Es ging um ständig schlechter werdende Arbeitsleistungen und eine vor dem Arbeitsgericht für ungültig erklärte Kündigung. Was dann an diesem Montagvormittag im August in den vier Wänden vorging, darüber gingen die Versionen vor Gericht auseinander.

Eingesperrt oder nicht?

Version Verkäuferin (31): "Sie wurde gleich laut und aggressiv. Ich habe Angst gekriegt." Dann habe sich ihre Chefin vor die Zimmertüre gestellt. Ein Klappern wie von einem Schlüssel, der im Schloss gedreht werde, sei zu hören gewesen. Gesehen habe sie das Abschließen jedoch nicht. Sie habe gesagt, sie lasse mich erst gehen, wenn es ausdiskutiert sei. Nach ungefähr einer halben Stunde habe sie den Raum verlassen können. Wer und wann die Tür wieder aufgesperrt hätte, könne sie nicht sagen.

Version Chefin (52): Die Tür sei nur zugemacht, nicht aber verschlossen worden. Schließlich sollte nicht jeder im Laden persönliche Dinge mitbekommen. "Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt einen Schlüssel für die Tür gibt." Zu keinem Zeitpunkt habe sie ihre Mitarbeiterin davon abgehalten, den Raum zu verlassen. "Ich habe sie nur gebeten zu bleiben, um es endlich auszudiskutieren." Es habe aber nicht lange gedauert und die Verkäuferin habe gesagt, sie bekomme keine Luft mehr und habe das Zimmer fluchtartig verlassen. "Das war eine Geschichte von nicht einmal fünf Minuten."

Im Hintergrund schwelte ein erbittert geführter Streit um ein Reitpferd namens Django. Das hatte die Chefin einst erworben und es bei ihrer Mitarbeiterin untergestellt. Sogar eine eigene Koppel hatte sie finanziert und den Tierarzt für beider Rappen bezahlt. "Weil sie sagte, sie hätte kein Geld." Doch dann erkaltete die enge Freundschaft, als die Chefin das Pferd verkaufen wollte. Offenbar sah die Verkäuferin ihre finanziellen Felle davonschwimmen.

Kurzerhand behielt sie das Huftier und gab es auch nach Aufforderung nicht heraus. Der Chefin fehlte mit mehreren Pflegefällen in der Familie und zwei Filialen, die zu organisieren waren, schlicht die Zeit und die Energie, das Ganze zivilrechtlich auszufechten. "Ich hatte keine Kraft mehr." Sie versuchte es erst mit Gutzureden, dann drohte mit einer Anzeige wegen Pferdediebstahls, wie ihr Rechtsanwalt Lutz Lindner aus Coburg mitteilte. Nichts tat sich. Wenn man einmal von WhatsApp-Nachrichten absieht, in denen beide Seiten nicht zimperlich miteinander umgingen.

Klare Beweise fehlen

Da sich weder die eine noch die andere Geschichte klar beweisen ließ, stellte Amtsrichterin Schäl das Verfahren auf Antrag der Staatsanwältin Franziska Frohberg gegen eine Geldauflage von 600 Euro an den Kinderschutzbund Bamberg ein. Ursprünglich hätte die Angeklagte 30 Tagessätze à 40 Euro, mithin 1200 Euro, zahlen sollen. Wenn sie den Strafbefehl akzeptiert und es nicht auf einen Prozess hätte ankommen lassen.

Der Streit um das Pferd wird wohl doch noch das Landgericht beschäftigen, da das Amtsgericht in Zivilsachen nur bis zu einem Streitwert von 5000 Euro zuständig ist.

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