Ein rappender Pfarrer, ein singender Bierkutscher oder eine Theatergruppe, die einen echten Polizisten vor den Kadi bringt - Frensdorf hat viele Facetten! In der Gemeinde mit dem überdurchschnittlichen Anteil an jungen Menschen gibt es jede Menge Angebote unterschiedlichster Art. Im Rahmen seiner Reihe "Der FT bei uns" hatte der Fränkische Tag zu einem Heimatabend eingeladen, bei dem sich Frensdorf von seiner schönsten Seite zeigte. Denn die Gemeinde zwischen dem Reichen und dem Rauhen Ebrachgrund birgt jede Menge Schätze.

Das sind nicht nur Bauernmuseum und der herrliche neue Naturbadesee, sondern insbesondere die Menschen, die die Gemeinde und ihre Einrichtungen mit Leben erfüllen. Um dieses Juwel so richtig zum Leuchten zu bringen, hatte FT-Redakteurin Gertrud Glössner-Möschk, die den Abend moderierte, viel Vorarbeit geleistet. In der großen Schulturnhalle waren dann die Bürger selbst die Akteure. Ein vierstündiger Querschnitt ließ erahnen, wie bunt das Leben in Frensdorf ist. Nach all dem schien es schlichtweg ein Understatement, wenn Frensdorf für sich als "Wohngemeinde im Grünen" wirbt.

Bei einer solchen Vielfalt stehen die Chancen gut, dass die Gemeinde auch für Neubürger, die sie in immer größerem Maße anzieht, echte Heimat wird. So wie die Mundart-Dichterin Theresia Dotterweich, allgemein nur als "Moorn Resl" bekannt, empfindet, wenn sie "nüber, rüber, nauf und ro" durch die 14 Ortsteile der Gemeinde geht: "Alla, alla g'hörn dazu!" Dazu gehört auch das Frensdorfer Original Johann-Georg Müller, der letzte Bierkutscher Oberfrankens. Mit seinem Pferdegespann kutschiert er zwar meist Touristen durch Bamberg, aber "ab und zu a amol a Fässla Bier naufn Domberg". Einer, der nicht nur dazu gehört, sondern mittendrin steht, ist Pfarrer Wolfgang Schmidt. Er hatte eigens für diesen Abend sein "Landpfarrä"-Lied gedichtet, mit dem er den ganzen Saal zum Toben brachte.

Falken, Bücher, Trachten


Viel über Jagdfalken, das "schnellste Tier der Welt", wusste Johannes Brehm zu berichten, der seinen Falken "Mahim" mitgebracht hatte. "Mein Anliegen ist die Umweltbildung", betonte der Jäger, der Öffentlichkeitsarbeit in Schulen und Kindergärten leistet. "Was die Frensdorfer versäumen, wenn sie nicht kommen", machte die Leiterin der Bücherei, Rita Walker-Ruppert mit ihrem Team deutlich. Die Bücherei, die über mehr als 11 000 Medien verfügt, sei mit vielen Preisen ausgezeichnet worden. Dass die Bücherei aus allen Nähten platzt, machte ein Knalleffekt deutlich. Das Team freut sich jetzt schon auf die neuen Räume beim Kinderhaus.

Birgit Jauernig, Leiterin des Bauernmuseums und Trachtenberaterin hatte eine Handvoll Frauen mitgebracht, an denen sie die erneuerte Tracht des Bamberger Landes vorstellte. Als Trachtenberaterin gebe sie nur den Rahmen vor. Jede Trägerin und jeder Träger könne selbst bestimmen, wie er die Tracht für sich verändere. Schnitte für die Tracht gebe es im Museum. Maria Göller, Tochter von Landesbäuerin Anneliese Göller zeigte als "Trachtenpunk", wie eine Tracht für junge Leute aussehen kann. Die Landesbäuerin selbst konnte wegen des Deutschen Bauerntags am Heimatabend nicht teilnehmen.

Mit rund 350 Gemeindebürgern war die Halle gut gefüllt, als die jüngsten Frensdorfer den Abend eröffneten. Stellvertretend für die 184 Schützlinge des Kindergartens zeigten die "Vorschulriesen" mit einer Modenschau, dass sie bereits selbstständig nähen können. Die "Maulwürfe" erzählten von "Grüffelo", einem sonderbaren Wesen aus Axel Schefflers Kinderbuch. Kita-Leiterin Sabine Brehm zeigte stolz ihr neues "Aushängeschild", das den Kindergarten als Familienstützpunkt ausweist. Ihr völlig neues Konzept stellte Andrea Schoger, Leiterin des Reundorfer Kindergartens, vor. In ihrer Einrichtung werde Demokratie praktiziert: Nicht mehr das Leitungsteam gebe die Themen vor, sondern die Kinder würden sie in einer Kinderkonferenz selbst bestimmen. "Ein Thema, das interessiert, bleibt viel länger haften", ist die Erfahrung der Kita-Leiterin.
Mit tollen Kostümen und Songs aus dem Musical "Ritter Rost und die Hexe Verstexe" begeisterte die Theatergruppe der Schule unter ihrer Leiterin Beate Kramer.

Reges Vereinsleben


Viele Jugendliche sind in Vereinen engagiert. Das bewiesen Karin Heimbach und Friedrich Biesenecker vom SV Frensdorf, mit 772 Mitgliedern der größte Verein der Gemeinde. Tanz und Bewegung sei "Spitze", fanden die "Jazzgirlies" der dritten und vierten Klasse, die Karin Heimbach unter ihre Fittiche genommen hat. Friedrich Biesenecker ließ seine Jungs schon zur richtigen Backgroundmusic einziehen. Ein Transparent wies die Burschen als frisch gebackene C-Jugendmeister aus.
Jugendarbeit wird auch in den Feuerwehren der Gemeinde groß geschrieben. Bernhard Lunz, Kommandant aus Vorra, und seine junge Mannschaft zeigten, wie schnell eine Schlauchleitung gekoppelt werden muss und dass ein spezieller Knoten Leben retten kann. Nachwuchsprobleme hat Lunz noch nicht. "Aber es war auch schon besser", sagte der Feuerwehrkommandant.
Musik spielt in der Gemeinde eine große Rolle: "Wir sind ein junger Haufen", sagte Heiko Steuer, Dirigent des Musikvereins Frensdorf und Umgebung. Dessen Leiter Helmut Mixa freut sich auf den Nachwuchs aus der Bläserklasse. Zum Besten gab das junge Orchester - na, was wohl: Den "Frankenlied-Marsch". Daneben auch, wegen der vielen Klarinetten, den "Klarinetten-Moggl".
"Weil es mir Spaß macht", antwortete Mona auf die Frage der Moderatorin, weshalb sie denn in der Bläserklasse mitspiele. Wie viele ihrer Schulfreunde gehört sie seit einem Jahr der von Martin Lechner geleiteten Bläserklasse an. Ganz andere Gründe bewegen Romy: Sie möchte einmal Musikerin werden. Für die Bläserklasse war es nach den Worten von Schulleiter Rudolf Dill der erste große Auftritt.

Hier spielt die Musik


Was sich in Frensdorf musikalisch sonst noch tut, ließ die Besucher "Bauklötze staunen". So nennt sich das Duo Reinhard Sures und Patrick Lumma aus Vorra/Abtsdorf, die sich auf "europäische Volksmusik" verlegt haben. Ihr Beitrag waren Kinderlieder auf E-Geige und Gitarre, die sie "mit viel Speed und Schmackes" verwandelten. Was sie aus dem Kuckuck machen, der auf dem Baum saß, muss man gehört und gesehen haben.
Mitgliederprobleme scheint der Chor "Klangfarben" nicht zu haben. Bunt präsentierte er sich und verbreitete unter Dirigentin Uta Mester zunächst internationales Flair. Dass sie auch anders können, zeigten die Sängerinnen und Sänger mit "Weit weit weg von mir", dem eher melancholischen Song in anrührend warmer Mundart. Großer Applaus war der Dank für die Darbietungen.
Das Ende des Abends gehörte den "Rauhen zwischen Maa und Distelberch" (Theatergruppe Reundorf): Das "Freie fränkische Amtsgericht" (ein Sketch in Anlehnung an das bekannte Königlich bayerische) hatte die Gruppe unter Leitung von Heinz Oppelt eigens für diesen Abend geschrieben.