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Förderung

Freistaat will Geburtshilfe stärken

Mit dem "Zukunftsprogramm Geburtshilfe" will Gesundheitsministerin Melanie Huml Kliniken und Hebammen entlasten. Starten soll es noch in diesem Jahr.
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Mehr als 15 Geburtshilfeabteilungen mussten in den vergangenen fünf Jahren an bayerischen Kliniken geschlossen werden - bundesweit sogar jede zwölfte. Um die Situation zu entspannen, hat Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) das "Zukunftsprogramm Geburtshilfe" vorgelegt. Es soll in diesem Jahr starten und die Geburtshilfe im Freistaat auf zweierlei Wegen stärken.

In einem ersten Schritt ist vorgesehen, die Kommunen noch in 2018 mit 40 Euro für jedes neugeborene Kind zu fördern. Unabhängig davon, ob es in einem Krankenhaus oder außerhalb einer Klinik auf die Welt kommt. Gesamtbudget: fünf Millionen Euro. Denn "die Landkreise und kreisfreien Städte sind gesetzlich zur Sicherstellung der stationären geburtshilflichen Versorgung und der Hebammenhilfe verpflichtet", erklärt Huml.

Ab 2019 gibt die Ministerin dann einen zweiten Fördertopf mit insgesamt 25 Millionen Euro frei. Von dem Geld sollen wiederum Kommunen profitieren, die ein finanzielles Defizit ihrer Kliniken im Bereich der Geburtshilfe aus dem Jahr 2018 ausgleichen müssen. Gefährdet sind vor allem Häuser, die nicht mehr als 800 Geburten im Jahr verzeichnen. Nach den Geburtszahlen von 2016 würden 15 Kliniken in Franken unter diese Förderung fallen. Welche Einrichtung tatsächlich wie viel Geld bekommen wird, ist noch nicht klar.

Um die in allen Landesteilen steigenden Geburtenzahlen zu bewältigen, müssen sich zudem die Arbeitsbedingungen sowohl für angestellte als auch freiberufliche Hebammen verbessern. Laut Ministerin Huml arbeite im Freistaat derzeit nur jede zweite Hebamme in der Geburtshilfe. Deswegen sollen Freiberuflerinnen im Herbst einmalig einen Bonus in Höhe von 1000 Euro erhalten.

Wichtiger als Bonuszahlungen sei aber eine Verbesserung der Bedingungen. Sagt zumindest Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammenlandesverbandes. "Die Gehälter von Hebammen sind der immensen Verantwortung nicht annähernd gerecht", meint sie. Das Einstiegsgehalt einer in einer Klinik angestellten Hebamme liegt durchschnittlich bei unter 1800 Euro netto. Da Freiberuflerinnen ihre Leistungen bei den Krankenkassen einzeln abrechnen, lassen sich ihre Verdienste nur schwer schätzen. Je nach Geburtenaufkommen können die aber sehr variieren.

"Das Haftungsrecht muss überdacht werden", sagt Giesen, weil es vor allem freiberufliche Hebammen unter enormen Druck setze. Die Kosten für die Haftpflichtversicherung in der Geburtshilfe (aktuell mehr als 8000 Euro im Jahr) werden durch den Sicherstellungszuschlag des Bundes zwar zu einem großen Teil übernommen. Aber nicht immer reicht das.

Darüber hinaus müsse sich laut Giesen endlich das Ausbildungssystem ändern. Während ein Studium in Europa mittlerweile zum Standard gehört, werden hierzulande immer noch die meisten Hebammen an Berufsschulen ausgebildet. "Die Ausbildung muss endlich reformiert werden", fordert Giesen.


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