Bamberg

Frei.Wild in Bamberg: Die Idioten sind immer die anderen

Die politisch umstrittene Band Frei.Wild hat am Samstagabend zum rockXmas-Festival 2013 rund 5000 Besucher in die Brose-Arena in Bamberg gezogen. Am Ende war die Aufregung im Vorfeld allerdings interessanter als das Konzert selbst.
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Frei.Wild. Foto: Matthias Schramm
Frei.Wild. Foto: Matthias Schramm
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Wer der Band Frei.Wild schaden möchte, muss sie einfach sehen, wie sie sich angeblich selbst an liebsten sieht. Vier heimatverbundene Jungs aus Südtirol, die ein Händchen für mal rotzige, mal bierselig-pathetische Punk-Songs haben. Das kann kein Verbrechen sein, die Toten Hosen machen im Grunde ja auch nichts anderes.

In Wahrheit wäre diese Sichtweise ein großes Unglück für die Band. Man würde sie damit zurückstoßen in die Mittelmäßigkeit. Dorthin, wo unzählige Bands um ein kleines bisschen Aufmerksamkeit und Geld kämpfen. Wie sich das anfühlt, könnten Frei.Wild bei den Gruppen erfahren, die am Samstag beim "X-mas-Rock"-Festival vor ihnen auf der Bühne der Bamberger Brose-Arena gestanden haben: Saltatio Mortis zum Beispiel, oder J.B.O.

Der entscheidende Unterschied zwischen ihnen ist, dass sich das öffentliche Bild von Frei.Wild längst von der Musik emanzipiert hat, die sie spielen. Heute sind die Südtiroler eher ein Symbol dafür, wie schwer sich die Gesellschaft mit politischen Positionen tut, die rechts von der Mitte sind. So hatte Ulrike Grote von den Grünen an den Veranstalter appelliert, Frei.Wilds Auftritt in Bamberg abzusagen.

Die Stadt distanzierte sich ebenfalls, begründete ihre folgende Passivität aber mit der fehlenden rechtlichen Grundlage. In der Tat kommt keiner an der Tatsache vorbei, dass bislang kein einziges Lied von Frei.Wild auf dem Index steht. Das ist allen Beteiligten bewusst, weshalb ihre Einsprüche vor allem symbolischer Natur sind. Allein um ihrer Selbstachtung willen kann eine liberale Gesellschaft allerdings auch gar nicht anders. Hinzu kommt, dass Musik immer noch eine der höchstdosierten Einstiegsdrogen in den Rechtsextremismus ist.

Damit ist nicht gesagt, dass es sich bei Frei.Wild um eine rechtsextreme Band handelt. Aber sie belassen ihr Gerede von Ehre, Stolz und Heimat eben doch absichtsvoll im Ungefähren und Doppeldeutigen. Um sich in Bamberg von politischen Extremismen jeglicher Couleur zu distanzieren, stellte Sänger Philipp Burger die von ihm so genannten "Scheiß-Nazis" in einen Zusammenhang mit jenen Linksautonomen, die gerade in Hamburg mit Steinen und Flaschen gegen das Aus des Kulturzentrums "Rote Flora" demonstrieren.


Opfer eines politisch korrekten Gesinnungsterrors

Burgers Vergleich ist politisch frivol und ein gern genutztes Argumentationsmuster, um rechte Gewalt zu verharmlosen. Sich selbst inszenierten Frei.Wild auch am Samstag als Opfer eines politisch korrekten Gesinnungsterrors. "Schlagzeile groß, Hirn zu klein", sangen sie. Ulrike Grote, der Bamberger OB oder auch kritisch berichtende Journalisten dürfen sich angesprochen fühlen.

So bewegen sich Frei.Wild und ihre Kritiker in einem endlosen Kreislauf aus gegenseitigen unterstellten Regelverstößen. Am Ende profitiert davon vor allem die Band selbst. Nichts ist im Pop so sexy wie das Außenseitertum und Dagegensein. 5000 Fans sahen das am Samstag in der Brose-Arena ganz ähnlich. Sie müssen unterdessen damit leben, sich mit jedem Kauf einer CD oder Konzertkarte in Verdächtige zu verwandeln. Jede mitgegrölte Strophe, jedes Tattoo und jeder Slogan auf dem T-Shirt bekommt Bedeutung und unter Umständen sogar Beweiskraft. Dass man damit dem Gros der Fans Unrecht tut, ist offensichtlich.

Die Mitarbeiter der Security hatten am Samstag die Anweisung, sich die T-Shirts der Besucher sorgfältig anzuschauen. "Shirts mit verbotenen Bands wie Landser gehen nicht. Oder auch, wenn etwas mit KZ oder so drauf stehen würde", sagte ein Mitarbeiter, der die Besucher am Eingang kontrollierte. "Zwei oder drei Leute" hätten er und seine Kollegen wegschicken müssen: T-Shirts der notorischen Nazi-Marke Thor Steinar wegen.

Dass der Bamberger Auftritt von Frei.Wild trotzdem ein stinknormales Rockkonzert war, ist am Ende des Tages vielleicht die größte Überraschung. Keine Aggression, keine Hitlergrüße, kein Aufruf zu Straftaten. Stattdessen erstaunliche viele junge Frauen, Bier und ermüdend einfach gestrickte Songs.
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