Bamberg
Frauenquote

Frauenpower - sogar am Herd...

Während die Gleichberechtigung ein Thema ist, das bis in die höchsten politischen Gremien für Kontroversen sorgt, geben in vielen fränkischen Unternehmen Frauen längst den Ton an. Die Firma Miwe aus Arnstein etwa ist in aller Munde.
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Sabine Weyermann. Foto: FT
Sabine Weyermann. Foto: FT
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Frauen an den Herd: Unverbesserliche Chauvinisten, die bei der Diskussion um die Gleichberechtigung zu diesem Klischee greifen, sollten mal ins unterfränkische Arnstein fahren und die Firma Miwe besuchen. Dort steht eine Frau am Herd, und zwar so erfolgreich, dass jeder Mann vor Neid erblasst.

Sabine Michaela Wenz macht nicht viel Aufhebens um ihren Erfolg, und die Firma Miwe sagt auch nicht jedem auf den ersten Blick etwas. Dabei ist sie buchstäblich in aller Munde. Das Unternehmen, das Michael Wenz, der Großvater der heutigen Inhaberin, 1919 gegründet hat, ist Marktführer bei der Produktion von Bäckereiöfen. In nahezu jedem fränkischen Backshop sorgt ein Miwe-Ofen für Knuspriges zum Frühstück. Unter der Führung von Sabine Michaela Wenz, die 2002 die Geschäftsführung übernahm, wandelte sich Miwe vom Handwerksbetrieb zum Industrieunternehmen mit 700 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von 75 Millionen Euro und mehreren internationalen Standorten. Neben den Öfen sind die Kältetechnik und das Energiemanagement wichtige Geschäftsfelder.

Die Chefin hat auch die Firmenphilosophie frisch aufgebacken. "Miwe synchro" nennt sie das Programm, das den Mitarbeitern mehr Verantwortung gibt, Verfahrensabläufe verbessern und Reibungsverluste verhindern soll. "Es ist anstrengend, aber es lohnt sich", sagt Wenz. Die Mitarbeiter schätzen die Chefin und ihre ganz besondere Handschrift.

Ein paar Kilometer östlich von Arnstein beschäftigt sich eine erfolgreiche Unternehmerin mit dem flüssigen Brot: Eva Göller führt mit ihrem Mann die Brauerei Göller in Zeil. "Er ist für das Technische und für das Bier zuständig, ich kümmere mich um Marketing, Controlling und Vertrieb. Eine ideale Arbeitsteilung", sagt die Frau, die sich in einer Männerdomäne Respekt verschafft hat. Mit gut 40 Mitarbeitern und einer Produktion von 60 000 Hektolitern Bier im Jahr gehört Göller zu den mittelständischen Brauereien, die sich auf einem hart umkämpften Markt behaupten.


Aufstieg bei Huk

Die Suche nach fränkischen Erfolgsfrauen führt weiter ins oberfränkische Coburg: Hier wird im Juli erstmals eine Frau in die Führungsetage des Versicherungsunternehmens Huk einziehen. Sarah Rössler wird zum stellvertretenden Vorstandsmitglied bestellt. Die 42-Jährige übernimmt die Verantwortung für Rechnungswesen, Controlling und Risikomanagement bei Coburgs größtem Arbeitgeber (8700 Mitarbeiter).

Den meisten Frauen in Deutschland dürfte der Arbeitsplatz von Aliz Tepfenhart ein Begriff sein: Seit wenigen Tagen führt sie zusammen mit Albert Klein die Baur-Gruppe (Baur-Versand) in Burgkunstadt (Landkreis Lichtenfels). Zuvor war sie die Chefin bei Quelle Russland. Die 38-Jährige übernahm den Job von Marc Opelt, der seit August 2012 beim Mutterkonzern Otto (Hamburg) tätig ist. Die Baur-Gruppe beschäftigt 4500 Mitarbeiter.


Baur sucht Frau ...

Baur sucht Frau? Das Geschlecht gab nicht den Ausschlag bei der Entscheidung, Frau Tepfenhart mit Führungsaufgaben zu betrauen. Dabei ging es ausschließlich um die Qualifikation. Deshalb sieht die Unternehmerin das Thema Frauenquote, das heute im Bundestag zur Debatte steht, auch sehr differenziert: "In meinen Augen ist eine Frauenquote in manchen Unternehmen sinnvoll, in anderen dagegen nicht notwendig. Somit plädiere ich dafür, das Thema Frauenquote unternehmens- und branchenspezifisch zu betrachten", sagt Tepfenhardt im Gespräch mit dieser Zeitung.

Wichtiger als eine Frauenquote wäre es für sie, Frauen stärker in ihrer Karriere- und Familienplanung zu unterstützen. Die Mutter einer kleinen Tochter kann ihre beruflichen Verpflichtungen selbst nur stemmen, weil das Kind von den Großmüttern betreut wird. Eltern, die nicht über ein solches Netzwerk verfügen, brauchen nach Ansicht der Baur-Chefin Hilfe: "Eine solche Unterstützung kann von flexiblen Arbeitszeitmodellen über unternehmenseigene Kinderkrippen bis hin zu Regelungen des Wiedereinstiegs nach der Mutterpause reichen", meint die Unternehmerin.

Zu den fränkischen Erfolgsunternehmerinnen zählen außerdem Sabine Weyermann (Weyermann Malz in Bamberg) und Brigitte Peetz, die Chefin des Spielwarenherstellers Jako-o in Bad Rodach bei Coburg. Die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig. Frankens Erfolgsfrauen - ganz ohne Quote.
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