Bamberg
Adventsaktion (2)

"Franken helfen Franken": Spendenaufruf für Aromapflege in Seniorenheim in Bamberg

Im Albrecht-Dürer-Seniorenzentrum mischt eine Aromapraktikerin für die Bewohner gut riechende Öle. Doch die sind sehr teuer.
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Jutta Pauly-Schroll verwendet als Grundlage gerne Kokos- oder Olivenöl und Bienenwachs. Foto: Barbara Herbst
Jutta Pauly-Schroll verwendet als Grundlage gerne Kokos- oder Olivenöl und Bienenwachs. Foto: Barbara Herbst
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Ja, sie kriegen viele Rückmeldungen, die Mitarbeiter im Seniorenzentrum Albrecht Dürer in Bamberg-Ost: "Bei Ihnen riecht es ja gar nicht nach Altenheim", zitiert Einrichtungsleiterin Christine Lechner so manchen Besucher. Was ist hier anders?
Lechners Kollegin Jutta Pauly-Schroll erzählt von einer Fortbildung, in der es um den Einsatz von Aromen ging. Das war 2012 - "seitdem duftet es bei uns", sagt die Altenpflegerin und lächelt. Doch dann wollte sie mehr erfahren, wissen, warum und wie die Öle aus Fichtennadeln, Mandarine, oder Rosmarin wirken. Nach einem Jahr an der Pflegeakademie in München kam sie als Aromapraktikerin in das Seniorenheim an der Memmelsdorfer Straße zurück.

Das Haus des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim hält seit etwa einem Jahr drei Zimmer für sterbende Menschen frei, die durch eine akute Krise oder eine chronische Krankheit nicht mehr länger zu Hause gepflegt werden können. Damit soll vermieden werden, dass Menschen in den letzten Tagen ihres Lebens von zu Hause ins Krankenhaus verlegt werden müssen. Unterstützt wird das Projekt von der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV), dem Hospizverein Bamberg, einer Pfarrerin der Evangelischen Erlöserkirchengemeinde - und Aromapraktikerin Jutta Pauly-Schroll: "In der Aromapflege geht es nicht nur um Düfte und ihre Wirkstoffe, sondern auch die Erinnerungen, die sie wecken. Wenn jemand in seiner Kindheit bei einer Krankheit mit einer bestimmten Creme eingerieben wurde, vielleicht seine eigenen Kinder damit versorgt hat, und wir ihn nun damit einreiben, dann weiß er, dass er umsorgt wird", erläutert die Aromapraktikerin. Das kann etwa der Duft von Eukalyptus oder Ringelblume sein, oder - als Raumduft - vielleicht vom Lieblingsurlaubsort? "Wir hatten mal jemanden, der begeisterter Bergsteiger war. Ihm haben wir den Duft der Berge ins Zimmer geholt, passend zu seiner Biografie", erzählt Einrichtungsleiterin Christine Lechner weiter.


Wie Düfte guttun

Gerade riecht es nach Weihnachten - "manche Menschen liegen nur im Zimmer, da kriegt man ja von außen gar nichts mit." Wenn dann die Mitarbeiterinnen mit einem Sprühfläschchen kommen, bringen sie einen Hauch von Vorweihnachtszeit mit. Wer über Atemnot oder Kopfschmerzen klagt, dem kann Pfefferminzduft helfen, wer nervös ist, den kann Rosenöl beruhigen. Sofern der Bewohner, dessen Angehörige und ein Arzt das erlauben.

Gerade für Angehörige, die das Gefühl haben, nichts tun zu können, bietet die Aromapflege Möglichkeiten. Pflegedienstleiterin Nihal Schumm erklärt. "Zum Beispiel, wenn sie einem Angehörigen mit einer Handmassage etwas Gutes tun. Durch die Zuwendung wird der Effekt verdoppelt." Und die Aromapraktikerin fügt hinzu: "Die Angehörigen kriegen auch noch was von der angenehmen Wirkung ab." Für solche Situationen hat Jutta Pauly-Schroll zum Beispiel ein "Unruheöl" oder "Angstöl" angemischt.


Die Öle sind teuer

Sie verwendet nur Öle, die 100 Prozent naturrein sind und aus biologischem Anbau stammen. Doch das kostet. Gerade Rosenöl, das wegen seiner beruhigenden Wirkung gerne in der Sterbebegleitung eingesetzt wird. Oder die Immortelle, eine Pflanze aus dem Mittelmeerraum: Von ihrem Öl kostet ein Milliliter satte 17 Euro.

Nicht nur in der Palliativpflege, auch im Rest des Hauses sollen die Bewohner sich mit angenehmen Aromen wohler fühlen. Wer neu ins Heim kommt, der wird in seiner ersten Nacht etwa mit einem "Kuschelduft" aus Vanille und Mandarine willkommen geheißen. "In der Altenpflege ist auch die Mundpflege sehr wichtig. Statt Glycerin gibt es bei uns die Geschmacksrichtungen Zitrone, Pfefferminze oder Vanille", sagt Nihal Schumm.

Vor allem die Mitarbeiter und Angehörigen sind es, die die Aromapflege aus Spenden finanzieren, das "Aromaschweinchen" aus Porzellan freut sich immer über klimperndes "Futter". Allerdings kommt man damit nicht weit. "Wir würden gerne elektrische Geräte zur Raumbeduftung anschaffen, und gemütliches Mobiliar, um angenehme Gefühle zu verstärken. Vielleicht einen Ohrensessel?", überlegt die Pflegedienstleiterin laut.

"Franken helfen Franken" und die diesjährigen Projekte:

Spendenverein Mit ihrem Spendenverein "Franken helfen Franken" unterstützt die Mediengruppe Oberfranken (MGO) gemeinnützige Vereine, Initiativen und Projekte in Franken. Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die MGO.

Idee Die MGO erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote (unter anderem das Zeitungsportal inFranken.de) viele Menschen. Das will sie nutzen, um mithilfe des Spendenvereins Hilfsbedürftige zu unterstützen.

Spendenkonto Alle Spenden sind steuerlich absetzbar. Spenden kann jeder per Überweisung auf das Konto 302194501 der Mediengruppe Oberfranken — Franken helfen Franken e.V. bei der Sparkasse Bamberg (BLZ: 770 500 00 / IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01 / BIC: BYLADEM1SKB); Verwendungszweck "Kita Oberlin" oder "Albrecht-Dürer-Seniorenzentrum";

Informationenwww.franken-helfen-franken.de.
Die Projekte Dieses Jahr wird für zwei Projekte gesammelt: Die Kinder der Kita Friedrich Oberlin in der Wunderburg würden sich wahnsinnig über ein neues Stelzenhaus zum Klettern freuen, das nur aus Spenden finanziert werden kann.
Ebenfalls auf finanzielle Unterstützung hofft man im Albrecht-Dürer-Seniorenzentrum in Bamberg-Ost. Dort werden drei Zimmer für sterbende Menschen vorgehalten. Eine Aromapraktikerin mischt Öle mit ganz individuellen Duftnuancen oder kreiert auf Wunsch Raumdüfte, die zur Biografie des Sterbenden passen.


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