Bamberg
Bühne

Fränkische "Lideradur mit Duba" im Bamberger Altstadthaus

Hehre Bamberger Literatur trifft auf fränkisch derbe Alltagslyrik: Ja, urwüchsige heimische Poesie, die das Brentano-Theater nun schon zum vierten Mal im Rahmen der Reihe "Lideradur-Zeuch mid Duba" präsentiert. Premiere feiert das Programm am 10. Juli auf der Bühne des Altstadthauses.
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Martin Neubauer und Heiko Triebener (hier mit vertauschten Rollen) gehen in die Offensive. Foto: Brentano-Theater
Martin Neubauer und Heiko Triebener (hier mit vertauschten Rollen) gehen in die Offensive. Foto: Brentano-Theater
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Unter dem Titel "Scho widdä des Zeuch!" hebt sich am 10. Juli im Altadthaus erstmals der Vorhang. Und was dürfen Fans diesmal erwarten? "Zugegeben, es wird schwieriger, an Material zu kommen", bekennt Neubauer. "Nachdem sich meine Lauschangriffe auf ahnungslose Bamberger in Bussen, auf der Straße und bei anderen Gelegenheiten herumsprachen, verstummten viele Dialoge schon, wenn ich mich bemüht unauffällig in die Nähe setzte." Dann versiegte noch der Anrufbeantworter des Brentano-Theaters als Quelle, auf den Interessenten seit geraumer Zeit nur mehr vorbildliches Hochdeutsch sprechen. Kein Fränkisch mehr, keine wie auch immer gearteten Stilblüten. Wovon sich Neubauer aber nicht entmutigen lässt. "Schließlich ist das, was uns Franken ausmacht, so unerschöpflich wie das Leben selbst."



Ruppiges beim Bier

Auf diese Weise fand der Theaterprinzipal eine Bambärchä Philosophin, die nun im Altstadthaus zu Wort kommt. Bei einer Tasse Kaffee sinniert die Fränkin über die "Zeid". An einer ruppigen Szene aus dem Bierkeller-Geschehen lässt Neubauer sein Publikum teilhaben: "So löffd des bei uns!" Dann wieder schildert der Akteur den verzweifelten Versuch einer Bamberger Büttenrede mit Reimen ("die zieng der dei Zahnblombn naus!"). Und stellt darüber hinaus noch eine unverhoffte Lektion zur Wasserqualidäd der "Rechnidz" mitten in deren Fluten, beim Schwimmen, vor.

Und was verspricht der literarische Part jenseits der Alltagslyrik? "Diesmal gibt es ein zauberhaftes Märchen rund ums Bier", berichtet Neubauer. Die Rede des Mannes im Mond würde aufleben - aus der Feder des Romantikers Wetzel, dessen Grab am Oberen Stephansberg noch immer vielen Bambergern unbekannt sei. Passagen aus dem "empfindsamsten aller Bamberg-Romane" dürfe man erwarten: "Ilse" von Georg Freiherr von Ompteda, der gerade über seine gesellschaftskritischen Werke bekannt wurde.


Ohrenverstörend und sinnrelativierend

"Zugegeben: an der Literatur hängt mein Herz. Während das Zeuch dazu verführen soll, sich ungezwungen auf Texte einzulassen", sagt Neubauer. Auf speziellen Publikumswunsch hin knüpft der Theaterleiter aber auch an den Erfolg der brachial-avantgardistischen Uraufführung vom vergangenen Jahr unter dem Titel "Slime-Cooking" an: "Tatsächlich kehrt das umjubelte Schreckenskind der Moderne, der Komponist Lutz Alf Blechschmid, nach Bamberg zurück, um seine neue Anti-Oper vorzustellen: radikal zeitgemäß, schrill, ohrenverstörend und sinnrelativierend." Wobei die Tuba keine drei zusammenhängenden Töne mehr spielen dürfe.

Schon sind wir bei Heiko Triebener als Neubauers musikalischem Tandem-Partner, der das Teamwork aus mehr als einem Grund schätzen lernte: "Schließlich kann ich voller Genuss endlich all die herrlichen Melodien auf der Tuba spielen, die sonst Symphoniker-Kollegen an Geige, Trompete und Oboe vorbehalten sind", so der Solo-Tubist der Bayerischen Staatsphilharmonie. Die unwahrscheinlichsten Ideen könnten in der Reihe umgesetzt werden (wovon sich das Publikum ab 10. Juli wieder überzeugen kann).

Auf dem musikalischen Programm stehen Triebener zufolge "Schmankerl wie ,An der schönen blauen Donau', die Gewittermusik aus Rossinis ,Barbier von Sevilla' und der ,Zauberlehrling' von Paul Dukas". Die Stimmung des Bühnengeschehens würde eingefangen und farbig ausgemalt - zwischendrin auch gewürzt mit deftiger Blasmusik. "Anfangs als gewagtes Experiment gestartet, ist unser Lideradurzeuch ja zum erstaunlichen Publikumserfolg geworden", meint Triebener. Dementsprechend freue er sich auf die Fortsetzung "des Zeuchs" im romantischen Innenhof des Theaters im Altstadthaus.


Die Termine

"Scho widdä des Zeuch!" - Lideradur-Zeuch mid Duba (VI) feiert am Donnerstag, 10. Juli, 20 Uhr, Premiere. Weitere Vorstellungen finden am Freitag, 11. Juli, 20 Uhr, Sonntag, 20. Juli, 17 Uhr, Dienstag, 22. Juli, 20 Uhr,
Freitag, 25. Juli, 20 Uhr, Sonntag, 27. Juli, 20 Uhr , Dienstag, 29. Juli, 20 Uhr, Donnerstag, 31. Juli, 20 Uhr, und Freitag, 1. August, 20 Uhr, im Bamberger Theater im Altstadthaus, Eisgrube 2, statt. Plätze sind unter der Telefonnummer 0951/54528 zu reservieren.

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