Bamberg
Ausbildung

Fördern, fordern, wertschätzen

Nach der Pensionierung von Schulleiter Michael Beck hat dessen Stellvertreterin Ruth Bankmann die Leitung der Berufsschule II übernommen. Nach gut 100 Tagen im Amt zieht sie eine erste Zwischenbilanz. Das Motto der Einrichtung will Bankmann weiter vorantreiben.
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Ruth Bankmann Foto: RiegerPress
Ruth Bankmann Foto: RiegerPress
Ruth Bankmann ist eine waschechte Bambergerin. Sie ist in der Weltkulturerbestadt geboren und hat hier auch ihr Abitur abgelegt. Zum Studium für das Lehramt an beruflichen Schulen ging sie nach München. Ihr erstes Referendariatsjahr absolvierte sie in Rothenburg ob der Tauber. Danach gab sie 24 Jahre lang Unterricht an der gewerblich-technischen Berufsschule in Bayreuth. Hier war sie unter anderem Fachgruppenleiterin für Ernährungsberufe und Fachmitarbeiterin der Regierung von Oberfranken. Seit knapp eineinhalb Jahren ist sie nun zurück in ihrer Heimatstadt und an der Bamberger Berufsschule II zu Hause. Vor einigen Monaten übernahm sie als bisherige Stellverteterin die Leitung des Hauses.


Welches "Erbe" haben Sie an der Berufsschule II vorgefunden?
Ruth Bankmann: Mein Vorgänger hat sehr viel für die Sanierung des Hauses getan, aber auch dafür, dass das Kollegium hier an der Schule gute Arbeitsbedingungen vorfindet.

Mit welchen Visionen und Zielen haben Sie Ihr neues Amt angetreten?
Zum einen möchte ich die gute Vorarbeit meiner Vorgänger weiter fortsetzen. Ich baue auch auf unser Schulmotto ,fördern, fordern, wertschätzen' und möchte nach diesen Zielsetzungen verfahren. Bewährte Projekte wie beispielsweise unsere Schulpartnerschaften möchte ich weiterführen, aber auch gerne neue Ideen aufgreifen.

Die Sanierung der Schule ist noch nicht ganz abgeschlossen. Was hat sich dennoch inzwischen alles geändert?
Die Berufsschule ist wirklich komplett generalsaniert worden. Wir sind inzwischen mit wunderbaren Räumen ausgestattet. Neu gestaltet sind sowohl die Werkstätten für den Praxisunterricht wie die Küchen und die Backstuben als auch die Klassenzimmer für den theoretischen Unterricht. Die Klassenzimmer haben jetzt neueste Technik wie Beamer, Computer und größtenteils Whiteboards. Die Sanierung zieht sich noch etwas hin und so langsam freuen wir uns auf deren Abschluss. Denn fünf Jahre waren doch manchmal ganz schön zermürbend für Schüler wie Lehrer. Natürlich sind wir aber sehr dankbar für die Generalsanierung.

Wann wird die Sanierung endgültig abgeschlossen sein?
Der Haupttrakt ist so gut wie fertiggestellt. Damit kann man vom Verwaltungstrakt wieder durchgehen zu den Klassenzimmern und den Werkstätten. Als Nächstes stehen noch die Außenanlagen vor dem Haupteingang sowie die Innenanlagen an. Wir hoffen aber, dass wir Ende 2013, Anfang 2014 mit der Sanierung fertig sind.

Was kann oder muss Ihre Schule noch tun, um mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken?
Wir tun eigentlich in dieser Richtung schon sehr viel. Wir sind zum Beispiel nach außen präsent durch die Wettbewerbe, an denen unsere Schüler regelmäßig teilnehmen. Zudem waren unter anderem erst letztes Jahr Schüler beim Showkochen auf der Verbrauchermesse Consumenta in Nürnberg vertreten. Wir haben zwei Jahre hintereinander den ‚Fischerpokal'‛ gewonnen, der für ausgezeichnete Leistungen an Köche und Servicekräfte im ersten Ausbildungsjahr vergeben wird. Aber auch im Bäckerbereich haben wir in den letzten Jahren immer Kammersieger gestellt. Sehr gerne angenommen werden unsere Tage der offenen Türe oder spezielle Schulpräsentationen. Denn hier erlebt man sehr praxisnah, wie unsere Friseure, Metzger oder Köche arbeiten. In den Medien jedoch würde ich mir wünschen, dass die Berufsschulen noch etwas mehr Beachtung finden. Denn wenn beispielsweise die neuesten Schülerzahlen aus den Kultusministerium veröffentlicht werden, sind die Berufsschulen meistens nicht erwähnt.

In den Berufsschulen wird nach dem dualen Schulsystem ausgebildet. Worin sehen Sie die Vorteile dieses System und wo hakt es Ihrer Meinung nach?
Das duale Schulsystem ist sehr bewährt. Ich habe viele Auslandsaufenthalte für Schüler und Lehrer organisiert. Damit stehen wir immer in Kontakt mit Schulen aus anderen Ländern. Und wir bekommen immer mehr Rückmeldungen von anderen Ländern, dass sie anfangen, das duale System einzuführen. Wir stehen über eine Partnerschaft in engem Kontakt mit einer finnischen Berufsschule. Die hatte bisher das duale System nicht, wird es jetzt aber einführen. Länder, die die vollschulische Ausbildung haben, beneiden Deutschland um unsere parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Allerdings müsste meiner Meinung nach das Kultusministerium mehr Augenmerk darauf legen, wie man die deutschen Berufsschulabschlüsse auf europäischer Ebene einordnet. Denn in dem Moment, wo andere Länder eine vollschulische Ausbildung machen, verleihen sie auch einen höheren Abschluss als in Deutschland. Bei uns ist zwar mit einem handfesten Werkzeug das Wissen der Lehre vorhanden, aber dennoch wird im Vergleich zu anderen Ländern der Abschluss schlechter eingestuft, da er rein schulisch nicht ganz den Anforderungen entspricht. Hier denke ich, ist noch Handlungsbedarf.

Worin liegen aber dennoch ganz konkret die Vorteile dieser parallelen Ausbildung im Betrieb und Berufsschule?
Wir können das an der Schule vertiefen, was im Betrieb erlernt wurde, können ferner jedoch auch Themen ausführlicher aufgreifen, zu denen im Betrieb nicht immer Zeit ist. Hinzu kommt noch, dass eigentlich nur Bayern und Baden-Württemberg einen Praxisunterricht an Berufsschulen haben. Ich denke, dass bringt den Schülern sehr viel. Denn sie haben nicht nur theoretischen Unterricht, sondern bewegen sich auch in der Schule in ihrem Beruf. Soll heißen bei uns wird gekocht, gebacken oder frisiert. Wir spiegeln somit den beruflichen Alltag sowohl praktisch als auch theoretisch wider.

Können Sie eine vorsichtige Prognose abgeben, wie sich die Schülerzahlen an der Berufsschule künftig entwickeln werden?
An der Berufsschule II sind wir derzeit vom Stand der Zahlen auf Vorschuljahresniveau, also etwa 1300 Schüler. Allerdings hat unsere Schule zum Stichtag einige Schüler verloren. Es geht aber, denke ich, fast allen Schulen so. Zum einen haben wir insgesamt weniger Schüler und zum anderen verteilen sich die Schüler mehr auf die einzelnen Berufsschulen. Früher hat man beispielsweise nicht immer seinen Wunschberuf erlernen können. Da jetzt aber weniger Schulabgänger auf dem Markt sind, findet man leichter den Traumberuf. Damit zieht es tendenziell weniger Schüler in die Nahrungsberufe. Langfristig wird die Schülerzahl wohl noch etwas abnehmen, aber sich dann stabilisieren. So denke ich, wird es die Berufsschule auch noch die nächsten Jahrzehnte geben. Insbesondere natürlich auch die Berufsschule II. Denn auch die Nahrungsberufe sind durchaus attraktiv. Denken Sie in der Fleischerei nur an den Partyservice.

Was sind eigentlich derzeit die beliebtesten Berufe an ihrer Schule?
Als Allererstes werden überwiegend von den Mädchen die Verkaufsberufe gewählt: sowohl im Einzelhandel als auch in Bäckereien. Gerade in der Bäckerei ist der Bedarf sehr hoch. Nachgefragt sind auch Berufe in der Gastronomie sowie in der Metzgerei, wobei hier Tätigkeiten im Partyservice besonders beliebt sind. Beliebt, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Kochshows im Fernsehen, sind bei uns auch die Ausbildungen zum Koch. Zudem erobern immer mehr Mädchen das Bäckereihandwerk. Ein sehr stark nachgefragter Bereich in unserer Schule sind auch die Berufe der Mediengestalter und Drucker. Junge Männer entscheiden sich zudem häufig für eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer.

Wenn Sie morgen drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich denn für Ihre Schule wünschen?
Der erste Wunsch geht ja bald in Erfüllung: nämlich dass die Sanierung zu Ende geht. Ich würde mir ferner wünschen, dass der Elan und das Engagement meines Lehrkörpers weiterhin anhalten und fortgesetzt werden. Schön wäre auch, wenn wir von den Schülerzahlen wieder eher Zuwachs bekommen würden.



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