Bamberg
Asyl

Flüchtlingswelle kommt in Bamberg an

Immer mehr arme Menschen aus den Balkanländern suchen Zuflucht in Deutschland. Weil "Zirndorf" aus allen Nähten platzt, müssen Stadt und Landkreis Bamberg am Mittwoch 40 zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen. Die Regierung geht davon aus, dass weitere Flüchtlingskontingente folgen.
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Auch der Landkreis Bamberg muss 20 Flüchtlinge aufnehmen. Weil er keine andere Immobilie fand, werden die Asylbewerber im Naturfreundehaus im 300-Seelen-Ort Demmelsdorf bei Scheßlitz wohnen.
Auch der Landkreis Bamberg muss 20 Flüchtlinge aufnehmen. Weil er keine andere Immobilie fand, werden die Asylbewerber im Naturfreundehaus im 300-Seelen-Ort Demmelsdorf bei Scheßlitz wohnen.
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Stadt und Landkreis Bamberg stehen vor einer Flüchtlingswelle von Menschen aus Balkanländern, die teilweise zu den EU-Beitrittsländern gehören. Eine erste Auswirkung ist in Bamberg am kommenden Mittwoch zu spüren. Dann soll ein Bus aus dem Auffanglager in Zirndorf drei Familien aus Serbien und eine aus dem Kosovo nach Bamberg bringen.

Sie werden im Haus Ludwigstraße 16 untergebracht. Auch der Landkreis Bamberg muss an diesem Tag 20 Menschen aufnehmen. Wie man im Landratsamt bestätigte, sollen die Personen im Naturfreundehaus in Demmelsdorf bei Scheßlitz wohnen. Ihre Herkunft konnte man uns noch nicht nennen.

Vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen aus dem nahen Osten und angesichts der ungleichen Verteilung von Flüchtlingen in Oberfranken, war klar, dass Stadt und Landkreis weitere Kontingente würden aufnehmen müssen. Dennoch hat der akute Bedarf die Behörden überrascht.

Erst am 12. Oktober wurde das Bamberger Rathaus darüber informiert, dass die Stadt zwingend neue Asylbewerber aufnehmen muss - zusätzlich zu den 66, die bereits in Bamberg leben. Dazu muss man wissen: Zum Mittel der "Zuweisung" greift die Regierung von Oberfranken nur, wenn alle Gemeinschaftsunterkünfte belegt sind und keine andere Wahl bleibt.

Dies ist offenbar seit geraumer Zeit der Fall. Denn auch den Landkreisen Coburg, Kronach, Forchheim und Hof wurden Mitte Oktober in den vergangenen Wochen 40 Menschen "zugeteilt", die von den Behörden in eigener Regie untergebracht werden mussten. Und der Andrang von Zuflucht suchenden Menschen ist ungebrochen, wie Corinna Boerner von der Regierung Oberfranken sagt: "Wir müssen derzeit 35 bis 40 Personen pro Woche in Oberfranken aufnehmen." Sie geht davon aus, dass Bamberg und der Landkreis Bamberg auch in den nächsten Wochen zusätzliche Flüchtlingskontingente aufnehmen müssen.

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat eine Flüchtlingswelle aus den Herkunftsländern Serbien, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina sowie Kosovo dazu geführt, dass die Zahl der Asyl begehrenden Menschen im Herbst 2012 sprunghaft stieg. Rund 42 Prozent der Erstanträge im September wurden von Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien gestellt. Ebenfalls deutlich zugenommen haben die Zugänge aus der Russischen Föderation und Georgien. Auch die Flüchtlingszahlen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran und Pakistan bleiben auf hohem Niveau.

Was ist der Grund für dieses rasche Anschwellen aus Ländern, in denen eine politische Verfolgung eher fragwürdig ist, wie zum Beispiel in den EU-Beitrittsländern Serbien und Mazedonien? Corinna Rappe vom BAMF schließt "wirtschaftliche Motive" neben allgemeinen Diskriminierungserfahrungen nicht aus. Die überwiegende Mehrheit der Antragsteller gehöre der Volksgruppe der Roma an, die in ihrer Heimat in bitterer Armut lebten. "Daher könnten für den nunmehr zu verzeichnenden besonders starken Anstieg die erhöhten Leistungen durch das Urteil des Bundesverfassungsgesetz ein Faktor sein." Durch den Richterspruch wurden die Taschengelder von 40 auf 134 Euro für Erwachsene erhöht.

Hoffnungen als Asylbewerber anerkannt zu werden, dürfen sich die Menschen aber nicht machen. "Nahezu alle Asylanträge aus diesen Staaten werden abgelehnt", heißt es im Bundesamt für Migration.

Teilhabe am öffentlichen Leben


In Bamberg hatte der Stadtrat einem ersten Ersuchen der Regierung vor einem Jahr, 160 Asylbewerber in der ehemaligen HWKW an der Memmelsdorfer Straße unterzubringen, eine Absage erteilt. Favorisiert wurde damals eine dezentrale Unterbringung, für die die Immobiliensuche aber lange erfolglos verlief. Erst mit der Zwangszuweisung scheint die Stadt nun fündig geworden zu sein: Die Räume im ersten Stock eines ehemalige Bahngebäudes an der Zollnerunterführung haben eine Fläche von 182 Quadratmeter. Der Mietpreis inklusive Nebenkosten liegt bei 3000 Euro.

Positiv wertete Ralf Haupt vom Ordnungsamt der Stadt, dass das zentral gelegene Gebäude den Asylbewerbern die Möglichkeit eröffnet, sich aktiv am städtischen Leben zu beteiligen.

Erfahrungen wie im kleinen Ort Roßdach am Rande der Fränkischen Schweiz sind hier also nicht zu erwarten. Dort hatten sich Asylbewerber über die Abgelegenheit und den Mangel an Kontakten beklagt. Wie sich dieses Problem in der neuen Asylbewerberunterkunft des Landkreises darstellt, bleibt abzuwarten. Auch Demmelsdorf ist ein kleiner Ort am Rande der Fränkischen Schweiz.
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