Bamberg
Aufnahmeeinrichtung

Flüchtlingsrat kritisiert Herrmann-Vorstoß: Kriminalität in Bamberg hausgemacht

Die Kriminalität rund um die Aufnahmeeinrichtung in Bamberg hat stark zugenommen. Mehr Polizei soll nun helfen. Kritiker fordern eine kleinere Einrichtung.
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In der Aufnahmeeinrichtung in Bamberg  leben  derzeit  über 1300 Menschen - laut Polizei wird  ein Teil von  ihnen straffällig. Dem will Bayerns Innenminister Herrmann mit mehr Kontrollen begegnen. Für den Flüchtlingsrat liegen die Probleme dagegen in der Größe und den Bedingungen der Unterkunft. Foto: Ronald Rinklef
In der Aufnahmeeinrichtung in Bamberg leben derzeit über 1300 Menschen - laut Polizei wird ein Teil von ihnen straffällig. Dem will Bayerns Innenminister Herrmann mit mehr Kontrollen begegnen. Für den Flüchtlingsrat liegen die Probleme dagegen in der Größe und den Bedingungen der Unterkunft. Foto: Ronald Rinklef
Der bayerische Flüchtlingsrat kritisiert den Vorstoß von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), mit mehr Polizei gegen die erhöhte Kriminalität rund um die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) in Bamberg vorzugehen. Abhilfe könne nur eine rechtmäßige Gewährung von Sozialleistungen und eine massive Verkleinerung des Aufnahmelagers bringen - und nicht die Polizei.
"Bayern schafft sich mit seiner ausufernden Lagerunterbringung, mit Sachleistungsversorgung und strikten Arbeitsverboten ein ganzes Bündel an Problemen selbst. Wäre Innenminister Herrmann wirklich an Abhilfe gelegen, würde er nicht auf Schwerpunkteinsätze der Polizei setzen" , kritisiert Alexander Thal, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats.

Die Zunahme der Ladendiebstähle steht für den Flüchtlingsrat vielmehr in engem Zusammenhang mit dem aus dessen Sicht rechtswidrigen Entzug jeglicher Geldleistungen bei Flüchtlingen, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als sogenannte Dublin-Fälle eingestuft wurden und in andere EU-Mitgliedstaaten abgeschoben werden sollen. Ihnen bliebe kaum etwas anderes übrig, als zu stehlen, etwa Zigaretten oder Babynahrung.

Die Zunahme der Konflikte resultierten außerdem aus der Größe der Einrichtungen wie in Bamberg und Ingolstadt/Manching: Je größer ein solches "Lager" sei, desto geringer werde die Akzeptanz außerhalb und größer die Konflikte innerhalb. Für Flüchtlinge im Dublin-Verfahren und aus sicheren Herkunftsländern seien zum Teil längere Zeit dort und unterlägen dem Beschäftigungsverbot. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass es immer wieder zu Auseinandersetzungen innerhalb der AEO komme.

Herrmann hatte am Montag in Bamberg Zahlen präsentiert, wonach 65 Prozent der Ladendiebstähle auf das Konto von AEO-Bewohnern gingen. Auch bei Körperverletzungen weise die Statistik einen hohen Anteil der Zuwanderer aus: Allerdings geschehen diese zum großen Teil innerhalb der Aufnahmeeinrichtung. Nun soll ein Maßnahmenpaket mit Konzepteinsätzen von 20 Unterstützungskräften der Polizeieinsatzzüge aus Bayreuth, Coburg und Hof für mehr Sicherheit sorgen.

In der Bamberger Unterkunft leben derzeit 1300 Menschen. Ausgelegt ist die Einrichtung auf 3400 Plätze.


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