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Flüchtlinge in Bamberg: Wirtschaft profitiert, Gerichte sind überlastet

Befürchtungen, dass es zum Verdrängungswettbewerb zwischen Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen kommt, scheinen sich nicht zu bewahrheiten.
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Das Ankerzentrum in Bamberg ist seit seiner Einrichtung im Jahr 2015 umstritten. Doch die Konzentration von Flüchtlingen in Bamberg hat offenbar auch Vorteile. Das Jobcenter Bamberg verzeichnet eine hohe Vermittlungsquote. Gastronomie und der Logistik profitieren davon.   Foto: dpa
Das Ankerzentrum in Bamberg ist seit seiner Einrichtung im Jahr 2015 umstritten. Doch die Konzentration von Flüchtlingen in Bamberg hat offenbar auch Vorteile. Das Jobcenter Bamberg verzeichnet eine hohe Vermittlungsquote. Gastronomie und der Logistik profitieren davon. Foto: dpa

Das Ankerzentrum Bamberg hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Negativ-Schlagzeilen gesorg - wegen der gestiegenen Kriminalität und der Belegung wertvollen Wohnraums. Nun gab es im Familien- und Integrationssenat der Stadt Bamberg gute Nachrichten. Stefan Ziegmann, Geschäftsführer des Jobcenters der Stadt Bamberg, berichtete über die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Hier kann Bamberg offenbar mit außergewöhnlichen Zahlen glänzen. Wie Ziegmann sagte, wurden im Jahr 2018 ca. 200, das sind 38,8 Prozent der anerkannten Flüchtlinge in Bamberg in eine Beschäftigung vermittelt. Gegenüber dem Jahr 2017 bedeutet das eine klare Steigerung. Ziegmann sprach von einem der bestehen Werte in Bayern. Vor allem im Bereich der Gastronomie, der Logistik und der Zeitarbeit leisten in Bamberg anerkannte Flüchtlinge mittlerweile wertvolle Dienste. Die Migranten aus allen Krisenregionen der Welt profitieren damit von der guten Verfassung der Bamberger Wirtschaft - und umgekehrt haben auch die Bamberger Unternehmen Vorteile von den Menschen, die 2015 in großer Zahl ins Land strömten. Unter anderem wurde ein Landgasthof in Bamberg genannt, der nur durch dadurch noch überlebensfähig sei, dass sich ein syrischer Koch gefunden habe.

 Bürgermeister Christian Lange (CSU), der die Sitzung leitete, sprach von einem tollen Erfolg des Bamberger Jobcenters und seiner Mitarbeiter. Durch ihre Arbeit sei es gelungen, diese hohe Zahl an Arbeitskräften zu vermitteln - Grundlage für eine erfolgreiche Integration. Lange dankte aber auch den Bamberger Unternehmen, die die Beschäftigten einstellten. Ohne ihre Stärke wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen.

In der Tat präsentiert sich der Arbeitsmarkt in Bamberg in einer Verfassung wie viele Jahre nicht. Laut Ziegmann lag der Bestand der Arbeitslosen mit 802 auf dem niedrigsten Stand seit Einführung der Hartz-IV-Gesetze im Jahr 2005.

Jobs auch für Langzeitarbeitslose

Auch zu dem befürchteten Verdrängungswettbewerb zwischen Flüchtlingen und deutschen Langzeitsarbeitslosen scheint es in Bamberg nicht zu kommen. Jedenfalls lässt sich das nicht aus der aktuellen Statistik des Jobscenters nicht herauslesen.

So sank die Zahl der Menschen, die über viele Jahre hinweg keiner Beschäftigung nachgingen, im Gebiet der Stadt Bamberg seit Februar 2017 kräftig um 150. Zu 21 Prozent war es die Automobilzuliefererindustrie, die den Langzeitarbeitslosen durch Einstellung eine Perspektive verschaffte. 20 Prozent dieser Gruppe fanden eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Gastronomie und im Gesundheitswesen. Im Bereich der Integration über alle Leistungsempfänger hinweg erreichte das Jobcenter Bamberg 2018 Platz 2 unter 21 vergleichbaren Jobcentern in Bayern.

Ungeachtet dieser vielversprechenden Zahlen bei der Jobvermittlung bedeutet die große Zahl von Flüchtlingen in Bamberg nach wie vor große Belastungen - bei den Kosten für die Existenzsicherung und auch durch die vermehrte Arbeit bei deutschen Behörden.

So sprach am Rande der Sitzung Ursula Redler, Stadträtin der Bamberger Allianz, von einer drastischen Steigerung der Fallzahlen bei den Bamberger Gerichten. Wie Redler sagte, die selbst Staatsanwältin ist, könne sich die Strafverfolgung vor allem im Betäubungsmittelbereich und bei Diebstahlsdelikten vor Fällen kaum noch retten. Auch die Bamberger Polizei sei an den Grenzen der Belastbarkeit. Es gebe nach wie vor deutlich zu wenige Polizisten.

Dass sich diese Verhältnisse in den nächsten Monaten ändern könnten, ist nicht anzunehmen. So bleibt Bamberg durch die Ankereinrichtung Oberfranken wohl noch bis 2025 die Stadt in Oberfranken, in der mit Abstand die meisten Flüchtlinge leben. Am 8. April dieses Jahres hielten sich nach den Angaben im Integrationssenat 6444 Flüchtlinge im Regierungsbezirk auf. Davon lebten 1688 in Bamberg, das entspricht einem Anteil von 26 Prozent. Zum Vergleich: In Bayreuth waren zum gleichen Zeitpunkt 352 Flüchtlinge einquartiert, in Coburg 274.

Über 1000 "Anerkannte"

Im Steigen begriffen ist auch die Zahl der anerkannten Asylbewerber. 1027 von ihnen leben laut Stadt Bamberg derzeit in Bamberg. Ein Teil davon ist ganz normal zugezogen, wie Bürgermeister Lange auf Nachfrage mitteilte. Der Zuzug in größere Städte sei üblich, so bald die Wohnsitzzuweisung aufgehoben werde.

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