Bamberg
Gesellschaft

Flüchtlinge in Bamberg - auf dem Arbeitsmarkt und in der Aufnahmeeinrichtung

Wo es bei der Asylsozialberatung in der AEO noch hakt und wie es um anerkannte Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt steht.
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Praktika können Flüchtlingen wie Einheimischen den Weg auf den Arbeitsmarkt erleichtern. Dabei geht es nicht darum, einen geeigneten Beruf zu finden, sondern auch Kontakte zu knüpfen.Symbolfoto: Daniel Peter/dpa
Praktika können Flüchtlingen wie Einheimischen den Weg auf den Arbeitsmarkt erleichtern. Dabei geht es nicht darum, einen geeigneten Beruf zu finden, sondern auch Kontakte zu knüpfen.Symbolfoto: Daniel Peter/dpa
Es war die große Frage in der jüngsten Sitzung des Familien- und Integrationssenates: Was ist eigentlich mit den anerkannten Flüchtlingen, die in Bamberg leben?
Aktuell sind dies 901 Menschen, wie Ordnungsreferent Ralf Haupt sagte. Die mit Abstand meisten stammen aus Syrien (608), mit extrem großen Abstand folgen an zweiter Stelle Migranten aus Eritrea (65) und an dritter Stelle irakische Staatsbürger (59). Eine Frage, die vor allem die Grün-Alternative Liste (GAL) wieder aufwarf, war die des Familiennachzugs, um etwa den Bedarf an Kindergartenplätzen absehen zu können.

Allerdings lässt sich dies aus dem Computerprogramm des Ausländeramts nicht einfach herauslesen. Deshalb kündigte Ralf Haupt am Ende der Sitzung eine pragmatische Vorgehensweise an: Man werde jeden neuen anerkannten Flüchtling nach Frau und Kindern fragen. "So können wir, notfalls per Strichliste, das Potenzial für den Familiennachzug beobachten." Im September soll es einen Bericht darüber im Senat geben.


25 Prozent mit Fluchthintergrund

Handfeste Zahlen nannte Stefan Ziegmann, Geschäftsführer des Bamberger Jobcenters: "Die Anerkannten pendeln sich bei etwa 600 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten über 15 Jahren ein", sagte er. Sprich: Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. "Jeder vierte hat mittlerweile einen Fluchthintergrund."
Zwar gebe es Akademiker, jedoch nicht in großer Zahl. Durchschnittlich ergebe sich folgender Typ: unter 35, männlich und syrischer Staatsbürger. Jeder sechste Flüchtling befände sich in Arbeit oder Ausbildung. "Aus dem Jahr 2017 stehen 50 Flüchtlinge auf eigenen Beinen", sagte Ziegmann.
Die Berufswünsche würden stark variieren: "Viele neue Flüchtlinge wollen schnell Geld verdienen. Deshalb sind Helferjobs gefragt, etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe, bei Sicherheitsdiensten und Speditionen."

Zudem würde das Jobecenter auch Einzelfälle betreuen. Ziegmann nannte das Beispiel von "Mohammed", ein Syrer, der parallel zu einem Minijob Sprachkurse absolvierte. Mit Hilfe eines Praktikums habe Mohammed den Fuß bei einem Malerbetrieb im Landkreis in die Tür bekommen, sei allerdings nicht mobil gewesen. "Wir haben dann noch den Führerschein gefördert", erläuterte Ziegmann und stellte sofort klar: Die Fahrerlaubnis wird nur in absolut begründeten Ausnahmefällen gefördert. Generell gelte für alle Maßnahmen: Gefördert werden Einheimische wie Migranten gleichermaßen.

Er berief sich mit Blick in die Zukunft auf eine Studie des Instituts- für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, die davon ausgehe, "dass innerhalb von fünf Jahren die Hälfte der geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden kann".

Welche Rolle dabei die AEO in Bambergs Osten spielt, darüber wurde im Senat länger diskutiert. Marcus Ziebarth zum Beispiel, Asylsozialberater der Cartias, sagte: "Die Zeit in der AEO darf keine verlorene Zeit der Integration sein."

Ursula Redler (Bamberger Allianz) hielt dagegen: "Die AEO ist nicht zur Integration gedacht. Sondern es handelt sich um eine Einrichtung zur schnellen Abwicklung von Asylverfahren." Ähnlich äußerte sich auch Bürgermeister Christian Lange (CSU), zumindest, was den zweiten Teil der Aussage angeht: "Es ist Ziel der AEO, dass möglichst schnell mit Rechtssicherheit das Asylverfahren durchgeführt wird. Am Ende steht das Ergebnis, ob ein Bleiberecht ausgesprochen wird oder nicht."


600 Beratungen im April

Marcus Ziebarth jedenfalls setzte nach, dass in der AEO durchaus auch Menschen untergebracht seien, die später länger in Deutschland bleiben dürften. Neben ihm als Vertreter der Caritas sind auch Mitarbeiter der AWO und des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim in der Asylsozialarbeit in der Großunterkunft beschäftigt. Stephanie Niemand (AWO) bemerkte, "dass wir die ganze Zeit beschäftigt sind. Allein im April hatten wir etwa 600 Beratungen." Insgesamt gibt es 3,5 Stellen für die Flüchtlings- und Integrationsberatung und eine pädagogische Leitung. Die Vertreter der Wohlfahrtsverbände brachten verschiedene Verbesserungsvorschläge ein, etwa, was Beschäftigungsmöglichkeiten, Schulzugang für Kinder unter drei Monate Aufenthalt in Deutschland oder eine behindertengerechte Ausstattung angeht.
Gerade behinderte Menschen könne man in der Einrichtung nicht dauerhaft gut betreuen, sagte Stefan Krug, Bereichsleiter Sicherheit bei der Regierung von Oberfranken. "Deswegen versuchen wir, sie so schnell wie möglich in Anschlussbetreuung zu bringen."

Die Schulpflicht, so Bürgermeister Christian Lange, könne man kommunal nicht beeinflussen, "weil sie auf höherer Ebene entschieden wird". Zu den geforderten Beschäftigungsmöglichkeiten sagte Stefan Krug: "Wir haben etwa 50 bis 60 Angebote, zum Beispiel im Putzdienst. Aber wir können nicht beliebig viele Beschäftigungsmöglichkeiten kreieren. Manche Tätigkeiten müssen von Fachleuten ausgeführt werden." Krug setzt jedoch Hoffnungen auf die neue Fahrradwerkstatt von Kolping. Dort wolle man weitere Möglichkeiten zur Teilnahme anbieten.

Hauptthemen bei der Asylsozialberatung in der AEO

Inhalt und Ablauf des Asylverfahrens Beratungsschwerpunkte bei positiv und negativ beschiedenen Asylbewerbern

Übergang in die Migrationsberatung Eingliederungshilfen für bleibeberechtigte Flüchtlinge, insbesondere aus Eritrea und Syrien

Rechtliche Fragen zum Aufenthalt
Finanzielle Angelegenheiten
Einkommen, Sozialleistungen und Anträge; Geldstrafen, Ratenzahlungen - meist bei Bewohnern mit mit eingestellten Geldleistungen durch negative Bescheide
'
Orientierung bei persönlichen Krisen und Problemen, sich im Alltag in einer neuen Umgebung zurechtzufinden

Ehe, Familie und Erziehung
Rückkehrberatung, vor allem für Bewohner aus dem Senegal und den Westbalkanstaaten

Vernetzung mit Behörden
Unterstützung beim Kontakt mit Behörden und Ämtern

Wohnangelegenheiten Vermittlung zwischen den Bewohnern (Quelle: Sitzungspräsentation der Wohlfahrtsverbände)

Weiteres aus der Sitzung:

Warum tauchen Senegalesen eher unter statt zurückzukehren?

Alle wollten es wissen, doch keiner kannte die Antwort: In der Sitzung des Familien- und Integrationssenats berichteten Mitarbeiter der Wohlfahrtsverbände über die Asylsozialarbeit in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO). Caritas-Vertreter Marcus Ziebarth stellte dabei fest, dass besonders Menschen aus dem Senegal häufig untertauchen würden. "Es verweigert sich kaum einer so sehr wie sie." Doch niemand im Sitzungssaal wusste um die Gründe. Ziebarth kündigte an, dass man bei der Patenschaft des Erzbistums mit dem Senegal anknüpfen wolle. Diese Spur führt zu einer Antwort: Michael Kleiner ist Leiter der Stabsstelle Weltkirche im Erzbischöflichen Ordinariat und war bereits 15 Mal im Senegal. Er weiß: "Die jungen Menschen werden mit großen Hoffnungen weggeschickt - in aller Regel, um Geld heim zu bringen. Wer dann bettelarm zurückkommt, will oft nicht mehr zu seiner Familie zurück", beschreibt Kleiner die Lebensrealität. Umso wichtiger sei es, Anreize zum Bleiben zu schaffen. Dazu gebe es bereits ein Sonderprogramm des Freistaates. Die Rolle des Erzbistums Bamberg, das eine Patenschaft mit Thiés im Senegal pflegt, sei vor allem eine vermittelnde und beratende.
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