Bamberg
Urteil

Floßunfall in Wallenfels: kein Schmerzensgeld

Der 66 Jahre alte Fredi Adler aus Bindlach scheiterte mit seiner Forderung vor dem Schifffahrtsgericht. Am 18. Juli 2009 hatte er sich als Floßfahrer bei einem Unfall auf der Wilden Rodach Brustbein, Rippen und den zwölften Rückenwirbel gebrochen.
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Sommerspaß und Touristenattraktion:   Floßfahrten  in  Wallenfels.   Ganz ungefährlich sind sie  nicht.    Foto: Archiv/dpa
Sommerspaß und Touristenattraktion: Floßfahrten in Wallenfels. Ganz ungefährlich sind sie nicht. Foto: Archiv/dpa
Fredi Adler hat es genau ausgerechnet: Drei Jahre, drei Monate und zwei Tage sind seit seinem schwerem Unfall verstrichen, bis ein Urteil in seiner Schmerzensgeldklage gegen die Stadt Wallenfels ergangen ist.

Zufrieden aber konnte er an diesem 19. Oktober 2012 trotzdem nicht sein: Das zuständige Schifffahrtsgericht Bamberg hat in Person von Richterin Margit Hock-Schmitt seine Klage auf Schmerzensgeld abgewiesen. Die Kosten des Verfahrens trägt der Kläger. Ein Verschulden des Veranstalters, der Stadt Wallenfels, konnte "nicht zur vollen Überzeugung des Gerichts" nachgewiesen werden, formulierte die Richterin.

Adler war zusammen mit seiner Frau am 18. Juli 2009 - der mit 13 Grad Celsius empfindlich kühl war - auf eines von 23 Flößen geklettert, die an diesem Tag mehrere Hundert Menschen in einer wilden Fahrt die Wilde Rodach hinab befördern sollten,

Für Adler dauerte die Reise aber nur wenige Minuten: Schon unter der ersten Brücke bei Schnappenhammer blieb er an der Brücke hängen. Er brach sich das Brustbein, Rippen und den zwölften Rückenwirbel und musste in Erlangen operiert werden. Noch heute hat er Schmerzen, wenn er den Kopf gegen den Brustkorb drückt.

Nach Ansicht von Adler und von Michael Fischer, der ihn als Anwalt vertritt, trägt die Stadt Wallenfels die Schuld an diesem Unfall. Anders als von Zeugen behauptet seien eben nicht zwei Flößer am Ufer in der Nähe des Floßes gestanden und hätten die Passagiere kurz vor der Brücke laut und hörbar aufgefordert, sich zu ducken. Adler sagt, er sei zunächst nur leicht mit dem Kopf angestoßen.

Erst am Ende der Brückendurchfahrt sei er mit der linken Schulter hängen geblieben, weil der Abstand zwischen Wasseroberfläche und Brücke an dieser Stelle geringer gewesen ist und Platten nicht exakt angebracht waren. Außerdem habe sein Sohn bei einer späteren Nachschau herausstehende verrostete Schrauben unter der Brücke gefunden.


Augenschein in Wallenfels


Das Gericht konnte und wollte die Sache nicht am "grünen Tisch" im Amtsgericht Bamberg entscheiden, weshalb die Richterin im Juni selbst ins Grüne gefahren ist und an der Unfallstelle elf Zeugen vernommen hat. Beim jüngsten Zusammentreffen der Parteien - für die beklagte Stadt Wallenfels waren Erster Bürgermeister Peter Hänel und Anwalt Stephan Roensch zur Verhandlung nach Bamberg gekommen - ging es zunächst um die Erörterung der Ergebnisse aus der Beweisaufnahme in Wallenfels.

Die Richterin rekapitulierte die wichtigsten Zeugenaussagen: Einer der beaufsichtigenden Flößer hatte ihr gegenüber versichert, den Fahrgästen kurz vor der Brücke zugerufen zu haben: "Kopf runter, die Brücke kommt." Das mache er immer so. Außerdem glaubte er, sich zu erinnern, dass Adler kurz vor der Brücke vom Sitzbalken aufgestanden sei.

Beim Augenscheintermin in Wallenfels hatte eine Angestellte des Rathauses ausgesagt, nach dem Unfall mit der Ehefrau von Fred Adler telefoniert zu haben. Frau Adler soll erzählt haben, dass ihr Mann auf einer Jacke saß und deswegen kurz vor der Brücke aufgestanden sei. Sowohl die Aussage der Angestellten als auch des Flößers wurde von Adler und seiner Frau im Gerichtssaal auf das Heftigste dementiert. Bürgermeister Peter Hänel hingegen unterstrich, dass die Stadt Wallenfels die Sicherheit ihrer Floßfahrtgäste sehr ernst nehme und deshalb vor Beginn jeder Fahrt über zwei Lautsprecher genaue Anweisungen erteilen lasse.


Streitwert 40.000 Euro


Besonderes Gewicht maß die Richterin aber der Aussage eines damals hinter Adler sitzenden Mannes zu. Er gab in Wallenfels zu Protokoll, dass Adler sich eben doch nicht gebückt hat, als das Floß kurz vor der Brücke war: "Er musste anstoßen." Für Hock-Schmitt stellte sich deswegen die Frage: Woraus soll ich ein Verschulden der beklagten Stadt Wallenfels ableiten? Ihr Fazit: "Ich kann kein Verschulden finden." Der Streitwert wurde auf 40.000 Euro festgelegt.

Fredi Adler will nach dem Urteil nicht kampflos aufgeben: Er und sein Anwalt kündigten an, in die nächste Instanz gehen zu wollen.

Dem in der Sitzung von Adler unterschwellig erhobenen Vorwurf, es seien in dem Verfahren offenbar nur handverlesene Zeugen des Bürgermeisters zu Wort gekommen, wies Hänel entschieden zurück: "Das sind völlig unzutreffende Unterstellungen."
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