Memmelsdorf
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Fit wie ein Wanderschuh

70 Leser des Fränkischen Tags haben mit Tourenführer Helmut Klösel am Sonntag die Fränkische Toskana genossen.
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74 Jahre alt und voller Energie: Helmut Klösel (graue Kappe) führte die Leserwanderung des Fränkischen Tags an. Fotos: Sebastian Schanz
74 Jahre alt und voller Energie: Helmut Klösel (graue Kappe) führte die Leserwanderung des Fränkischen Tags an. Fotos: Sebastian Schanz
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Helmut Klösel braucht keinen Handy-Wetterbericht. Er verlässt sich auf die Signale der Natur. "Hört Ihr? Die Lerche ruft vergnügt. Das wird ein schöner Tag!", schlussfolgert der erfahrene Tourenführer am Treffpunkt Schloss Seehof. Der nächtliche Nebel ist verschwunden. Die Morgensonne scheint. Es ist nicht zu warm und nicht zu kalt. Rund 70 Leser des Fränkischen Tages machen sich unter blau-weißem Himmel auf die elf Kilometer lange Wanderung.

"Bei der allerersten Tour vor genau zehn Jahren war das anders. Da war es total gewittrig", berichtet der jung gebliebene 74-Jährige. "Wir mussten uns bei Meedensdorf unterstellen, es hat geschüttet ohne Ende." Zum Jubiläum haben die Wanderfreunde aus der ganzen Region nichts zu befürchten. "Petrus hält dicht", verspricht Klösel, als er die Freizeitsportler in Richtung Skulpturenweg führt. "Die Frau und die Sonne", heißt dann auch passend das erste Werk des Künstlers Ilia Varbanov Iliev.

"Viele von euch sind schon mit dem Fahrrad an den Kunstwerken vorbeigefahren und nicht abgestiegen. Gebt es zu!", sagt Klösel und erntet Kopfnicken. Zu allen Skulpturen hat er Hintergrundinformationen parat, weil er 2009 dabei war, als sie entstanden sind. So weiß er, warum Elias Naman zwei unterschiedliche Sandsteine aus der Region zu einem Werk zusammengesteckt hat, wie Georghi Filins Männerfigur ihr wichtigstes Stück abhanden gekommen und welcher Künstler bei seiner Arbeit von Litzendorfer Hausfrauen mit Kartoffelsuppe versorgt worden ist.

Langweilig wird es den Wanderern mit Helmut Klösel sicher nicht. Mit viel Humor und Wissen kann er zu jedem Strommasten oder Wasserhäuschen etwas Interessantes berichten. Kein Wunder, dass mehr Leute bei der Leserwanderung dabei sein wollten, als aus organisatorischen Gründen möglich war.

Vorbei an Pödeldorf, durch Naisa hindurch in Litzendorf angekommen, wartet auf die Teilnehmer zur Halbzeit eine Überraschung: Eine deftige Brotzeit von Metzger Gerhard "Muxi" Dietrich, der seinen Hof zu einer Art privatem Biergarten umgebaut hat. Ein echter Geheimtipp. "Wir haben hier einen Club-Stammtisch eingerichtet. So ist das Ganze gewachsen", erzählt der Gastgeber und kredenzt selbst gemachten Pressack und scharfe Salami.

"Das musst Du erst mal so organisieren, mit Einkehr und so viel Information", zeigt sich Wanderer Arthur Lang beeindruckt. Nicht das einzige Lob, das die Organisatoren bekommen - auch wenn alles ein bisschen länger dauert, als geplant. Aber so ist das beim Lustwandeln durch die Fränkische Toskana. Auf dem Rückweg über den "Meedensdorfer Höhenzug", wie Klösel ihn nennt, beim Blick über sanfte Hügel und Täler, wird deutlich, woher die Landschaft ihren wohlklingenden Namen hat.

"Ich wandere gerne hier. Ein Problem ist aber, dass die Wirtschaften rund um Litzendorf werktags teilweise mittags gar nicht mehr aufmachen", sagt Leonhard Erlwein. Durstige und hungrige Wanderer suchten hier manchmal vergeblich nach einer gescheiten Rastmöglichkeit. Auch der Keller in Memmelsdorf hat erst am späten Nachmittag geöffnet. Da haben die Wanderer aber nur noch den Endspurt rüber zum prunkvollen Schloss vor sich. Wer Lust und Zeit hat, kann mit Helmut Klösel noch die Parkanlagen durchwandern - zu Seehof hat der 74-Jährige auch jede Menge Hintergrundinformationen parat. Und ein paar lustige Anekdoten freilich auch.

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