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Schloss Seehof
Urteil

Fischzüchter kämpft gegen die Behörden

Dem Besitzer der Seehofer Karpfenteiche wurden vom Landratsamt Bamberg Auflagen für das Abfischen der Weiher gemacht, die den Betrieb in Frage stellen. Eine Klage beim Verwaltungsgericht brachte nicht den gewünschten Erfolg. Weil am Ablauf der Weiher Wiesen vernässen, bleibt es zunächst bei der problematischen Anordnung.
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Fischzüchter Christoph Oberle beim Ablassen des Altsees nahe Schloss Seehof. Fotos: Ronald Rinklef
Fischzüchter Christoph Oberle beim Ablassen des Altsees nahe Schloss Seehof. Fotos: Ronald Rinklef
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Mehr als 40 Hektar groß ist die Wasserfläche der Fischteiche westlich von Schloss Seehof. Und alljährlich im Herbst, wenn die manchmal als "Paradeteiche Oberfrankens" bezeichnete Anlage abgefischt und das Wasser abgelassen wird, ergießt sich eine stolze Menge Wassers aus Alt- und Pulversee sowie etwa 20 weiteren großen und kleinen Teichen über den Augraben in den Gründleinsbach und schließlich in den Main. Weil sich in einer angrenzenden Wiese deshalb - oder aus anderen Gründen - "Vernässungen" bildeten, reduzierte das Landratsamt Bamberg per Anordnung die Abflussmenge. Damit aber dauert das Auslassen des Wassers so lange, dass Teichbesitzer Christoph Oberle Probleme bekommt.
Jetzt ging die Sache vor das Verwaltungsgericht (VG) Bayreuth.

Die zweite Kammer besah sich unter der Leitung von Vorsitzendem Richter Schröppel die Sache gründlich und die anschließende Verhandlung an Ort und Stelle im großen Saal von Schloss Seehof zog sich hin, so dass am Ende die Schlosstore versperrt waren und das hohe Gericht die Wirkung verschlossener Türen am eigenen Leib erfahren musste. Doch um Freispruch oder Zuchthaus geht es beim Verwaltungsgericht bekanntlich nicht, sondern in diesem Fall lediglich darum, ob eine Anordnung des Bamberger Landratsamtes zur Drosselung des Abflusses beim Ablassen der Seehofer Fischteiche nun rechtens war oder nicht.

Fischzüchter Oberle argumentiert, dass das für ihn einen ebenso unnötigen wie unsachgemäßen Mehraufwand mit sich bringe. Die Behörde hatte dem Erlanger Fischzüchter, in dessen Familienbesitz sich die Seehof-Weiher seit den 1970-er Jahren befinden, nach einigem Hin und her im Sommer zur Auflage gemacht, beim Ablassen des Wasser aus den Teichen eine Höhe von 37 Zentimeter am Auslass-Wehr nicht zu überschreiten. Damit sah die Wasserwirtschaft gewährleistet, dass es zu keinen "Nässungen" in den angrenzenden Wiesen kommen würde. Der Fischzüchter macht indes Ablagerungen und Wurzeln im Augraben dafür verantwortlich, dass der Abfluss nicht wie gewohnt vonstatten gehen konnte, und klagte gegen die 37 Zentimeter, die nach seiner Aussage die Abflussfrist deutlich verlängerten und so den Kormoranen tage- und wochenlang Gelegenheit gaben, sich an seinen Karpfen gütlich zu tun. Eine wochenlange Kontrolle des Ablaufes sei aus betrieblichen Gründen nicht möglich.

Das Gericht, nach Einbruch der Dunkelheit wieder aus seiner misslichen Lage im Schloss befreit, wies, um es vorweg zu nehmen, die Klage des Fischzüchters schließlich ab. Zur Begründung hieß es, dass das Wasserwirtschaftsamt Kronach dem Augraben einen "durchschnittlichen Zustand" bestätigt habe, was einen ordnungsgemäßen Gewässerabfluss gewährleiste. Allerdings sei aus ökologischen Gründen in den letzten Jahrzehnten auf umfangreichere Säuberungen verzichtet worden. Mittelgroße Erlen und ihre Wurzeln engten deshalb den Gewässerquerschnitt ein. Daraus könne der Kläger aber keinen Anspruch auf Entfernung der Bäume ableiten. Damit verbleibe "das wasserrechtliche Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme" beim Fischteichbetreiber, auch weil auf Grund des Alters der Teiche ein ungeregelter Zustand bestehe.

Nach Überzeugung des Gerichtes verlange die Anordnung des Landratsamtes dem Kläger nichts Unverhältnismäßiges ab. Ein Ablassen des größten Seehofer Weihers ("Altsee") unter den auferlegten Bedingungen habe eines Ablassdauer von 15,5 Tagen ergeben, die sich unter gewissen Voraussetzungen - zum Beispiel geringfügiges Absenken des Wasserspiegels vor dem eigentlichen Ablassen - noch um drei bis vier Tage verkürzen lasse. Dies sei nach Aussage des Fischereifachberaters beim Bezirk Oberfranken "absolut ausreichend".

Als "zu unsubstantiiert" bezeichnete das Gericht die Einlassung des Klägers, dass der Dienstherr des Fischereifachberaters beim Bezirk Oberfranken der Bamberger Landrat - in Personalunion auch Bezirkstagspräsident - sei. So gelte beispielsweise für den Dechsendorfer Weiher bei Erlangen eine Ablasszeit von zwölf Tagen. Aber: Sollte es dem Kläger gelingen, "in zulässiger Weise die Ablauf-Kapazität des Grabens zu erhöhen", der mit den Teichen eine gewohnheitsrechtliche Einheit bilde, könne das Landratsamt wohl in eine erneute Sachprüfung eintreten und müsse dem Kläger ein schnelleres Ablassen gestatten, so das Gericht.

In einer ersten Stellungnahme mahnte Fischteichbesitzer Christoph Oberle davor, "die Existenz der riesigen Anlage in Frage zu stellen." Mit dem Bescheid des Landratsamtes, der vorgebliche Interessen eines Hobby-Gärtners lange nach Ende der Gartensaison höher bewerte als die eines international aufgestellten Fischzuchtbetriebes, könne man nicht leben. "Was aber ist, wenn man die Teiche aufgibt?", fragt Oberle. Ein paar hundert Meter weiter am ehemaligen Bahndamm Bamberg - Scheßlitz könne man sich davon ein Bild machen.

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