Bamberg
Jubiläumsjahr

Fischereifestspiele vor dem Aus?

Seit zehn Jahren veranstaltet Arnd Rühlmann in Bamberg "Deutschlands kleinste Freilichtfestspiele". Nun stellt sich die Frage, ob die Reihe ausgerechnet im Jubiläumsjahr ausklingt. Am 15. Juli hebt sich vielleicht zum letzten Mal der Vorhang für Musik, Kabarett und schräge Shows.
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Auch Sibylle Friz ist am 30. Juli wieder zu Gast bei den Fischerei-Festspielen. Wird sie sie künftig leiten?  Foto: pr
Auch Sibylle Friz ist am 30. Juli wieder zu Gast bei den Fischerei-Festspielen. Wird sie sie künftig leiten? Foto: pr
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10 Jahre Fischerei-Festspiele: Ein idealer Anlass für den Organisator, um es fünf Wochen lang mit schrägem Kabarett, kuriosen Konzerten und krimineller Energie krachen zu lassen. So, wie's Besucher der "kleinsten Freilichtfestspiele der Republik" lieben, denen Arnd Rühlmann gänzlich unkonventionelle Kost serviert. Allerdings ist's fraglich, ob das Festival eine Zukunft hat oder in der Fischerei 15 nun zum letzten Mal über die Bühne geht. Denn der nana-theater-Leiter gesteht: "Ich habe schlicht und einfach genug von der Organisationsarbeit, die ich größtenteils alleine über all die Jahre stemmen musste."




Sibylle Friz als Nachfolgerin?

"Sag beim Abschied leise: Mach‘s Licht aus ...", flötet Hanuta Gonzales am 17. August, wenn die Jubiläumsfestspiele enden.
Für eine Fortsetzung der Reihe könnte Sibylle Friz sorgen, die Rühlmann als Nachfolgerin ins Gespräch bringt. "Entschieden ist aber noch nichts, nachdem meine Kollegin im Bayreuther Raum wohnt und die Veranstaltungen von dort aus managen müsste." Natürlich würde er jeden möglichen Nachfolger tatkräftig unterstützten, meint Rühlmann. Er möchte die Verantwortung nur nicht länger alleine tragen, nachdem die Leitung des nana theaters und andere Engagements - beispielsweise steht der Wahlbamberger am Dehnberger Hoftheater als Don Camillo auf der Bühne - seine ganze Kraft beanspruchen.

Nun aber zum Jubiläum, zu dem Rühlmann Besuchern mehr Premieren denn je präsentiert, wie er berichtete: Angefangen bei "Tödlich Fränkisch!" gleich am 15. Juli zum Auftakt des Festivals. Mit Heidi Friedrich betritt der Theaterleiter die Bühne, um Freunden des schwarzen Humors Krimis aus eigener Herstellung zu servieren. Als hiesige Antwort auf Rosenstolz besingen die beiden "gelernten Franken" ihre Wahlheimat aber auch mit fröhlichen Liedern, um Bamberger nach dem Mordsspaß wieder alles Schlechte in der Welt vergessen zu lassen.


Zeitreise mit Gerti Baumgärtel

Die nächste Premiere bestreitet Gerti Baumgärtel am 23. Juli unter dem Titel "Ich bin eine gespaltene Persönlichkeit". Begleitet von Martin Greim (Klavier) reist die "charmante Wuchtbrumme" sanft-schrill-schräge durch die Zeit und zelebriert "hochemotionale Zustände". Unlustige Witwen, hysterische Ziegen und bevorzugte Blondinen rücken ins Rampenlicht. Dazu entwickelt Baumgärtel trotz eifrigen Erdbeertörtchen-Konsums eine Vorliebe für Strandbikinis.

Zur Stammbesetzung der Fischerei-Festspiele gehört seit Jahren auch Birgit Förstner, die diesmal mit den Tres Con Pasión auftritt. Zigeunermusik, Tango und Klezmer spielen Daniela Reimertz (Violine) und Anne Kox-Schindelin (Harfe) an der Seite der Cellistin - bis die Funken sprühen, wie die drei Damen in Aussicht stellen.
"Bis einer weint!" ist der Titel, unter dem Gruselchanson-nier Rühlmann und Extrempianist Jürgen Heimüller im Innenhof der Fischerei erstmals ausschließlich Lieder aus eigener Feder singen. In den Chansons sinnieren die "Neurosenkavaliere" am 5. und 6. August über echte Kerle, psychopathische Auswanderer und gescheiterte Weltuntergänge. "Wir streiten über die richtige Tonart fürs Glück, wünschen uns den Gnadenschuss und enthüllen die Wahrheit über Mario Barth."


Nach Henrik Ibsen

"Von der Sehnsucht nach dem Meer" erzählt die letzte Premiere am 12. und 13. August. Romantiker erwartet eine musikalisch-literarische Reise zur geheimnisvollen norwegischen Fjordlandschaft, in der Henrik Ibsens Drama "Die Frau vom Meer" spielt.

Schon sorgt die "Meise von Gaustadt" für den traditionellen Schlusspfiff: Rühlmann - pardon, Hanuta Gonzales - trällert zum Nulltarif You-Tube-Hits wie "Brunzhummlblöda Blunzn". Wobei zu hoffen bleibt, dass mit dem schrillen Lied der "Meise" nicht die allerletzten Festspiele verklingen.



Das Programm vom 14. Juli bis 17. August






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