Untersteinach
Wirtschaft

Firma Stettler feiert Erfolgsgeschichte: In einem Kuhstall fing alles an

Seit 37 Jahren schreibt die Firma Stettler eine Erfolgsgeschichte. Das große Unternehmen fühlt sich im kleinen Untersteinach gut aufgehoben.
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Die Geschäftsführer Matthias Seelmann (links) und Klaus Romeis vor den SpritzgussmaschinenFoto: privat
Die Geschäftsführer Matthias Seelmann (links) und Klaus Romeis vor den SpritzgussmaschinenFoto: privat
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Was Thomann für Treppendorf, ist Stettler für Untersteinach. Das 1981 gegründete Unternehmen hat inzwischen 125 Mitarbeiter - im kleinen Dorf leben 140 Menschen. Eine Erfolgsgeschichte.

Alles begann in einem Kuhstall - mit wenig Geld, einer guten Idee und viel Leidenschaft.

Standort ständig erweitert

Als Lothar Stettler vor 37 Jahren mit einer Spritzgussmaschine anfing, Adapter für Auto-Scheibenwischer herzustellen, waren die einzigen Fremden in Untersteinach Menschen, die sich verfahren hatten. Die Bundesstraße 22 ist nur einen Steinwurf entfernt. Sehenswürdigkeiten gibt es nicht, die einzige Kirche, die Muttergotteskapelle, steht seit inzwischen 109 Jahre in dem kleinen Ort nahe Burgwindheim.

Heute gibt es 78 Spritzgussmaschinen in den Stettler-Hallen, die Kunststoffgranulat in technische Teile verwandeln, die sich später in Computertastaturen oder an Scheibenwischern wiederfinden. In den vergangenen zehn Jahren wurde der Standort vergrößert, neue Hallen entstanden. Für nächstes Jahr ist ein neues Projekt geplant: Eine Lagerhalle soll dringend notwendigen weiteren Platz schaffen.

Die stetige Expansion der Firma hat dabei nicht nur Fans: In so einem kleinen Ort kennt jeder jeden, Privatsphäre gibt es wenig. Wenn Stettler vergrößern möchte, macht das schnell die Runde.

24 Millionen Euro Jahresumsatz

Nicht alle Nachbarn freuen sich darüber. Doch bisher hat die Geschäftsführung unaufgeregt mit guten Argumenten und viel Geduld dafür gesorgt, dass nicht nur alle Pläne in die Tat umgesetzt werden konnten, sondern ebenso, dass Stettler zu einem erfolgreichen Mittelständler geworden ist.

Rund 1,4 Milliarden Kunststoffteile spuckten die Maschinen im vergangenen Jahr aus, 24 Millionen Euro Umsatz hat die Firma 2017 eingefahren. Einen großen Anteil am Erfolg auf einem inzwischen hart umkämpften Markt hat Klaus Romeis. Der 59-Jährige teilt sich die Geschäftsführung mit Matthias Seelmann, beide alte Hasen im Unternehmen.

Vor 34 Jahren hat Romeis als junger Mann bei Stettler angefangen. "Da waren wir zu viert", erzählt er heute. Er wirkt wie ein Mann, der stolz ist auf seine Firma und deren Geschichte, in der es fast immer nur bergauf ging. Selbst als vor zwölf Jahren Gründer Lothar Stettler an den jetzigen Mutterkonzern Gira verkaufte, ging es für Romeis und Seelmann erfolgreich weiter.

Gira ist ein führendes Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, das intelligente Gebäudesystemtechnik für den privaten und industriellen Bereich herstellt. Weit weg also und keine hausinterne Konkurrenz. "Wir können hier sehr eigenverantwortlich arbeiten. Es ist nicht so, dass alle paar Tage jemand von dort im Empfang steht", sagt Romeis. Er strahlt, genau wie Seelmann, Zufriedenheit aus. Die beiden sind Optimisten. Auch, was die einzige Sorge in ihrem Unternehmen angeht: Sie finden nicht genug Mitarbeiter.

Junges Personal

Zehn Auszubildende gibt es im Unternehmen, das ohnehin ziemlich jung ist, was das Personal angeht. Im Schnitt sind die Mitarbeiter 38,4 Jahre alt. Wer einmal bei Stettler anfängt, bleibt in der Regel lange. Fast neun Jahre. Fast 90 Azubis haben in den Jahren bei Stettler gelernt, einige davon Karriere im Haus gemacht. "Gerade haben drei Azubis bei uns angefangen, davon ein Mädchen", sagt Romeis. Er betont das, weil die Kunststoffbranche eine klassische Männer-Domäne ist. "Zehn Mitarbeiter wollen wir im nächsten Jahr zusätzlich einstellen."

Dass das gelingt, davon ist er überzeugt. Auch, wenn die sicher nicht aus Untersteinach sein werden. Dafür ist das Dorf zu klein. Aus der Region aber schon - fast 90 Prozent der Stettler-Mitarbeiter kommen aus der unmittelbaren Umgebung, dem Landkreis Bamberg. "Weil wir hier daheim sind", sagt Romeis und es klingt nicht wie eine leere Phrase.

100.000 Euro für Sturmopfer

Immer mal wieder wurde überlegt, den Produktionsstandort zu verlagern. In ein reines Industriegebiet. Nicht wie in Untersteinach, wo in einem Mischgebiet vielerlei Auflagen zu beachten sind. Zuletzt 2006 und 2015, doch stets wurde diese Idee verworfen. Zwar sahen sich die Geschäftsführer im selben Jahr nach günstigen Produktionsstandorten in Osteuropa um. Nach zwei Lehrjahren über örtliche Gegebenheiten und Mentalitäten eröffnete schließlich in Rumänien eine Stettler-Produktionsstätte. "Trotzdem ist Untersteinach nicht verhandelbar", sagt Romeis.

Die Firma gehört eben in dieses Dorf. Auch nach dem verheerenden Sturm Fabienne hat man die Dorfbewohner nicht im Regen stehen lassen. Stettler und Gira spendeten 100 000 Euro für die Untersteinacher Sturmopfer.

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