Altendorf
Wirtschaft

Firma Loesch Pack wird 100: High-Tech soll Plastik verbannen

1919 begann Firmengründer Max Loesch mit der Fertigung von Produktionsmaschinen, um Süßigkeiten in Sekundenschnelle zu verpacken. 100 Jahre später stehen seine Nachfolger vor einer Zeitenwende - der Umwelt zuliebe.
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Foto: Sebastian Schanz
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Der zarte Duft von Schokolade weht ab und an durch die Produktionshalle der Altendorfer Firma Loesch Pack und will so gar nicht zu dem Bild passen, dass Industriemechaniker Alexander Tiffe gerade Löcher in eine große Maschinenkonstruktion bohrt. Der Geruch von heißem Metall verfliegt und schon nimmt die Nase unverkennbar wieder süßliche Aromen wahr, altvertraute und exotische.

Wer der Duftnote folgt, landet in einem Nebenraum, wo eine junge Mitarbeiterin den ganzen Tag damit beschäftigt ist, von Hand asiatische Schokoriegel auszupacken: Geschmacksrichtung Grüner Tee, hellgrüne Farbe, eigentümlich im Geschmack.

"Wir brauchen die Riegel, um unsere Maschine an die Produkte des Kunden anzupassen", erklärt Geschäftsführer Thomas Cord und öffnet die Flaggschiff-Maschine "LTM-Duo" - geschaffen, um Schokoriegel direkt aus der Gießerei zu verpacken, ohne sie "anzudadschen" - wie man in Altendorf sagt.

"Erst vor kurzem haben wir hier 7000 Riegel in der Minute in einem Testlauf durch die Maschine gejagt. 7000 in der Minute!", wiederholt Cord. Denn darauf legt man großen Wert in der Altendorfer Technikschmiede: "Der deutsche Verpackungs-Maschinenbau ist weltweit führend, und wir sind in der deutschen Branche führend", betont Cord. "Loesch hat wirklich einen sauguten Namen!"

Der gute Name ist das Resultat der hundertjährigen Firmengeschichte, die 1919 von Gründer Max Loesch in Dresden initiiert, nach dem Zweiten Weltkrieg in Forchheim weitergeschrieben und seit 1983 in Altendorf geprägt wurde. Dass es damals weitergehen konnte, liegt an der Unternehmensgruppe Piepenbrock, die Loesch ein Jahr vorher aus der Insolvenz hob.

Seither sind die Altendorfer Süßigkeiten-Spezialisten Töchter der 26 000 Mitarbeiter starken Piepenbrock-Mutter, die ihr Hauptaugenmerk auf die Gebäudereinigung legt, aber mehrere Geschäftsfelder besetzt. Auch Loesch Pack hat mit Hastamat eine eigene Tochterfirma und rund 50 Vertriebsgesellschaften weltweit.

Denn Süßigkeiten werden in aller Herren Länder gegessen, produziert, verkauft - und damit auch verpackt. Bei Loesch in Altendorf arbeiten 250 Mitarbeiter daran, die Maschinen dafür immer schneller, fehlerfreier und störungsresistenter zu machen. Damit die Maschinen beim Kunden reibungslos funktionieren, reisen die Techniker regelmäßig zu wochen- und monatelangen "Auslandseinsätzen" quer über den Globus, optimieren Produktionsabläufe im Sudan oder verhindern Papierstau im Iran. Eine echte Herausforderung.

Derzeit steht Loesch vor einer noch ungleich größeren Mammutaufgabe: Im hundertsten Jahr seit seiner Gründung steht eine Zeitenwende an. Bereits die Fabrikmaschinen aus den Anfangsjahren haben in der Minute 60 Schokoriegel verpackt - in Plastik. Die Frequenz wurde höher, die Präzision genauer - aber das Plastik blieb bis heute Material Nummer eins.

In Zeiten von Meerestieren, die an Einkaufstüten zugrunde gehen und weltweit demonstrierender Jugendlicher, steht die ganze Branche vor einem Technologiewechsel. "Die Veränderung der Verpackungs- Konzepte, also weniger Plastik und mehr alternative Stoffe, ist eine große Herausforderung für die Zukunft für die Branche", sagt der Bamberger IG-Metall-Sprecher Matthias Gebhardt, der den Boom der Branche aus den vergangenen Jahren insgesamt am Abflauen sieht. "Die Marktposition der deutschen Verpackungsindustrie ist sehr stark, die wirtschaftliche Basis und die Gewinnlage sind gut, doch Investitionen in Forschung und Entwicklung sind notwendig", sagt Gebhardt ganz allgemein.

In Altendorf hat man die Zeichen der Zeit nach eigener Aussage erkannt. "Unsere Kunden beschäftigen sich derzeit massiv mit Alternativen für die Kunststoff-Verpackungen", bestätigt Loesch-Geschäftsführer Cord. "Wir wollen diese Entwicklung durch Engeneering lösen." Aluminium- und mehr oder weniger ökologische "Biofolien" - etwa aus Maisstärke - gelten als mögliche Optionen, um auf Plastik zu verzichten. Das erfordert bei den Maschinen jedoch mehr Sensibilität. "Wir sind für diese Zukunft gerüstet", erklärt Marketing-Leiter Christoph Krombholz selbstbewusst und verweist darauf, dass 60 seiner 250 Mitarbeiter an der Maschinenweiterentwicklung arbeiten. Cord: "Wir sind ein echter Technikladen."

Damit konkurriert Loesch als Arbeitgeber im Raum Bamberg freilich mit großen Automobilzulieferern um die Fachkräfte. Einen Schwerpunkt legt man in Altendorf daher darauf, eigenen Nachwuchs zu ziehen: 25 Auszubildende sind derzeit in der Lehrwerkstatt und quer im Betrieb aktiv, vom Elektrotechniker bis zum Technischen Produktdesigner.

Auch Industriemechaniker Alexander Tiffe hat bei Loesch gelernt und ist geblieben. Und feiert in wenigen Tagen das 100-jährige Firmenjubiläum. Man kann sicher sein, Schokoriegel bekannter deutscher Hersteller von Storck über Lindt bis Haribo auf den Tischen zu finden. Noch in Plastik verpackt.

Kommentar des Autors:

In Zeiten, in denen Politiker über das Verbot von Plastiktüten beraten und Mikroplastik im Bier nachgewiesen wird, hat der umweltbewusste Konsument einer Geschenkebox mit Mini-Schokoriegeln unterschiedlicher Geschmäcker nach dem Verzehr unweigerlich Bauchweh. Wenn nicht wegen den vielen Zuckers, dann doch wegen des vielen Plastiks. Jede Süßigkeit ist einzeln in Plastik verpackt. Teilweise doppelt und dreifach. Eine wahre Plastikorgie! Wenn nun Hersteller ernsthaft versuchen, alternative Verpackungen zu finden, weil sie rückläufige Verkaufszahlen befürchten, ist das ein gutes Zeichen.

Man sollte nur genau hinschauen, ob die Bio-Verpackungen der Zukunft auch wirklich ökologisch sind. Nicht alles, was den Namen trägt, verdient ihn auch.

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