Zapfendorf
Politik

Freibad-Förderung klammer Kommunen: Finanziell Oberwasser behalten

Weil mancher Kommune wegen der Kosten für ihr Freibad das Wasser bis zum Hals steht, hat der Freistaat ein großes Förderprogramm für Sanierungen auf den Weg gebracht. Doch oft sind die laufenden Kosten das größere Problem.
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Seit 30 Jahren nahezu täglicher Stammgast im Zapfendorfer Freibad: Ambros Usselmann (86) hält sich mit schonenden Bewegungen im immer warmen Becken fit. Foto: Sebastian Schanz
Seit 30 Jahren nahezu täglicher Stammgast im Zapfendorfer Freibad: Ambros Usselmann (86) hält sich mit schonenden Bewegungen im immer warmen Becken fit. Foto: Sebastian Schanz

Wenn die Sahara-Hitze brutzelt, ist Coolness gefragt. Und die hat Ambros Usselmann (86 Jahre alt) ohne Frage, wenn er im Wellnessbecken seines Zapfendorfer Freibades entspannt und sich die Wellen und Bikinis in seiner grün-blauen Sonnenbrille spiegeln. "Bewegen, immer bewegen", sei das Geheimnis, um in diesem Alter noch so fit zu bleiben. Und wo? "Am besten im Wasser."

Wasser - ein Element, das alle Generationen begeistern kann: Auf der anderen Seite des Beckens planscht Mara Dütsch aus Kemmern (eineinhalb Jahre alt) auf dem Arm ihrer Mama. Kurz klettert die kleine Badenixe nach draußen, erzittert vor einem leichten Windzug und lässt sich dann lieber wieder ins immer warme Wasser gleiten.

Das Wellnessbecken in Zapfendorf ist immer 30 Grad warm, egal wie heiß oder kalt es draußen ist. Das liegt am Energieüberschuss der örtlichen Industrie, mit dem das Becken erhitzt wird.

"Ich war vor zwei Jahren am Ostermontag hier drin, da hat es draußen sogar noch geschneit", erzählt Matthias Vogel, täglicher Stammgast, der gerne die Werbetrommel für sein Freibad rührt. "Rutsche, Dampfbad, Sauna, Wassergymnastik, Zumba, da bekommt man für wenig Geld wirklich was geboten."

Fixkosten zehren an den Kräften

Draußen im Schatten blickt Zweiter Bürgermeister Andreas Schonath (WOB) über das Gelände. "Von den Liegewiesen, von den Schattenplätzen, von den Becken und von der Anlage her, haben wir sicher eines der besten Freibäder, aber es ist für uns vom Unterhalt fast nicht mehr tragbar", sagt er. "Das Defizit für die laufenden Kosten liegt jedes Jahr bei fast 400 000 Euro", bestätigt Bürgermeister Volker Dittrich (CSU). Immer strengere und umfangreichere rechtliche Personalanforderungen und die Wartung der technischen Anlagen: Die Kosten werden von Jahr zu Jahr mehr. "Hier wäre mal der Freistaat gefragt, um die Kommunen bei dem Thema zu unterstützen", fordert Bürgermeister Dittrich schon seit Jahren einen finanziellen Rettungsring vom Freistaat.

Und wirklich: Die bayerische Staatsregierung hat die SOS-Rufe gehört und will ein großes Förderprogramm für die Freibäder auf den Weg bringen. 120 Millionen Euro sollen in den kommenden sechs Jahren zur Verfügung stehen - für die Sanierung der 860 Hallen- und Freibäder, die es in Bayern gibt.

Das ist Wasser auf die Mühlen der kommunalen Kämmerer, denn der Sanierungsbedarf ist enorm: Das Bauministerium rechnet allein für Freibäder mit nötigen Investitionskosten von rund 480 Millionen Euro. Das angelegte Förderprogramm sieht daher vor, dass der Freistaat bis zu 55 Prozent der Sanierungskosten von Schwimmbecken, Umkleiden und Technikbereichen bezahle - je nach Finanzlage der jeweiligen Kommune. Sprung- und Wellenbecken, Sauna und Gastronomie sollen bei den Finanzspritzen des Freistaates außen vor bleiben - gefördert werden sollen aber zum Beispiel Baumaßnahmen, die es ermöglichen, Unterhaltskosten zu reduzieren. Noch ist das Programm Thema bei der Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden.

Scheßlitz hat Sanierungsbedarf

"Das ist an sich schon mal gut, wir werden das jetzt mal beobachten, was genau gefördert wird", sagt der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper (CSU). Denn auch im städtischen Freibad gebe es "ein bissl Sanierungsbedarf", etwa im Umkleidebereich, weil die Terrasse darüber nicht ganz dicht sei. "Wir werden uns bemühen, Fördergelder zu bekommen." Doch Kauper sieht auch den "Fluch des Geldes": Eine Fülle an Fördertöpfen, die den aktuellen Bau-Boom noch bestärke und so dazu führe, dass die Realisierung der Maßnahmen immer schwieriger werde. Und eins ist klar: Die laufenden Kosten - in Scheßlitz rund 140 000 bis 170 000 Euro pro Jahr - muss die Stadt alleine aufbringen. Jahr für Jahr.

"Wenn wir hier zwei Millionen Euro für eine Sanierung investieren, müssen wir auch eine Million davon selber stemmen. Und die haben wir nicht", sagt Schonath in Zapfendorf zum Förderprogramm. Das Problem mit den Fixkosten werde dadurch nicht gelöst. "Die laufenden Kosten müssten irgendwie über den Bezirk oder den Kreis abgefedert werden", fordert Schonath, immerhin dienten Hallen- und Freibäder der Gesundheitsvorsorge.

Kommentar des Autors:

Schwimmbäder sind einfach super. Für den 90-Jährigen wie für den Einjährigen. Das Element Wasser verbindet die Generationen - nicht nur an Sahara-Hitze-Tagen, aber besonders an diesen.

Wie gesund das Schwimmen, wie (überlebens-)wichtig das Schwimmen-Lernen ist, das loben Politiker gerne. Hinter den Kulissen dürfen sich Bürgermeister von Vertretern höherer Polit-Ebenen aber auch anhören, dass es ein Luxus sei, sich ein Schwimmbad zu leisten. Ist es nicht! Es braucht mehr Bäder, nicht weniger! Es braucht nicht nur große Bäder in großen Städten, sondern eben auch die vielen kleinen Bäder in den kleinen Orten. Das ist doch die viel beschworene "Stärkung des ländlichen Raums", die im Landtagswahlkampf nahezu alle Parteien gepredigt haben. Gut so, dass das neue Förderprogramm kommt! Die Frage ist: Reicht es aus? Jedes Schwimmbad, das im reichen Bayern geschlossen werden müsste, wäre ein Armutszeugnis für den Freistaat. Und jeder Bürgermeister, der ein Schwimmbad schließt, wird als der Bürgermeister in Erinnerung bleiben, der das Schwimmbad geschlossen hat.

INFO:

Bamberg Neben den Bädern in der Stadt Bamberg, also konkret dem Bambados, dem deutschlandweit als eines der schönsten Bäder gekürten Hainbad und dem Freibad in Gaustadt, verfügt auch der Landkreis Bamberg über mehrere Freibäder:

Zapfendorf Aquarena mit Wärmebecken; Laufer Straße 49; Öffnungszeiten

Hauptsaison: täglich 9 bis 20.30 Uhr. Die Nebensaison dauert wegen des warmen Wellnessbeckens länger als anderswo üblich; www.zapfendorf.de/aquarena

Ebrach AcquaSana - Naturbad; Schwimmbadweg; Öffnungszeiten: Mo - Fr 10 bis 20 Uhr; Wochenende/Feiertage 10 bis 20 Uhr; www.acquasana.de

Aschbach: Freibad Aschbach;

Erlenweg 12; Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 bis 20 Uhr; Sa, So, Feiertag 9 bis 20 Uhr; www.schluesselfeld.de

Hallstadt: Freibad mit durch Nahwärme erhitzten Becken; Michelinstraße 65; Öffnungszeiten: Mo bis So 9 bis 20 Uhr. www.hallstadt.de.

Scheßlitz: Freibad; Windischlettener Straße 5; Öffnungszeiten: täglich von 8 bis 20 Uhr; Einlass bis 19 Uhr; www.schesslitz.de

Hirschaid: Franken-Lagune, Erlebnisbad mit Außenbereich; Georg-Kügel-Ring 6; Öffnungszeiten: Mo bis Fr 12 bis 21 Uhr; Sa 13 bis 21 Uhr, So, Feiertag, Schulferien 10 bis 21 Uhr; www.franken-lagune.dered

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