Bamberg

"Fifty Years of Bass & Booze"

Christian Hellwich feiert am 22. Januar einen runden Geburtstag. Und stimmt sich mit einem Jazz-Konzert auf neue Jahrzehnt ein. Im Jazzkeller spielt der Kontrabassist der Bamberger Symphoniker mit etlichen Wegbegleitern zu seinem 50sten.
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Christian Hellwich gibt am 22. Januar ab 20 Uhr im Bamberger Jazzkeller ein Geburtstagskonzert.  Foto: pr
Christian Hellwich gibt am 22. Januar ab 20 Uhr im Bamberger Jazzkeller ein Geburtstagskonzert. Foto: pr
Singt man Jubilaren normalerweise kein Geburtstagsständchen? Christian Hellwich pfeift drauf, dreht den Spieß um und zupft für Jazzfans an seinem Fünfzigsten den Bass. "Fifty Years of Bass & Booze" ist das Motto des Konzertes, das sich um die zweite große Leidenschaft des Musikers dreht - nach Klassik, beziehungsweise den klassischen Herausforderungen von Wagners "Ring". So verbringt der Kontrabassist der Bamberger Symphoniker den ersten Teil seines Geburtstags bei einer Probe zu "Götterdämmerung".

"Musikalisch fahre ich nun mal zweigleisig", berichtet der Wahlbamberger, der 1990 an die Regnitz zog. Dabei spielte Hellwich als Schüler wie viele andere Nachwuchstalente in einer Rockband - "bis ich mich mehr und mehr Richtung Dixieland und Bebop zu orientieren begann". Seither blieb der Kontrabassist dem Jazz neben der klassischen Musik treu, die ihn nach Bamberg brachte.
"Ich liebe die Spontaneität beim Jazzen, die Freiheiten. Man spielt mit rudimentärem Notenmaterial, der Rest entsteht auf der Bühne." Was Paul Kuhn mal mit den Worten, dass Jazz so "live" wie keine andere Musik sei, zum Ausdruck brachte.


"Hornbrillenträger" als Publikum

Indes findet der Jazz heute eine ganz andere Akzeptanz als in den frühen 80er Jahren, wie sich Hellwich erinnert. Damals erreichte man vielerorts nur ein Spartenpublikum, das der Kontrabassist unter dem Stichwort "Hornbrillenträger" umschreibt. "In meiner Bamberger Zeit aber kam es zum Zustrom extrem vieler junger Leute, auch Schüler, die zu Konzerten drängten." Im akademischen Bereich spiegelte sich der veränderte Stellenwert ebenfalls wider. Konzentrierte sich die Ausbildung von Jazzmusikern bis Mitte der 80er Jahre noch auf wenige Hochschulen wie in Köln, Hamburg oder Berlin, so folgten gegen Ende des Jahrzehnts etliche weitere Institute. "Ausgedient hatte die Einstellung, klassische Musik ist die Krone, der Rest inklusive Jazz Krempel", so der nun bald 50-Jährige.

Statt in den eigenen vier Wänden anzustoßen, stimmt sich der Kontrabassist also im Jazzkeller aufs neue Lebensjahrzehnt ein. Begleitet von musikalischen Weggefährten wie Günter Schmuck und Bernhard Schullan, mit denen Hellwich zum Schmuck-Hellwich-Schullan-Trio verschmolz, das an dem Abend auch mit Eigenkompositionen des Pianisten aufwartet. Dazu eine Brise Pop, wie sie die Popband Breeze verspricht. Und als weiteres Schmankerl ein Auftritt des Berganza-Quartetts, das als klassisches Streichquartett das erste Mal die Jazzclub-Bühne betritt, um mit Christian Hellwich "ordentlich loszuswingen". Vergessen wir nicht special guest Norbert Emminger, der das Event als Nürnberger Saxophonist begleitet.


Mit Promille richtig losgelegt

Unvergesslich sind Hellwich bis heute auch Jazzclub-Sessions mit Musikern der Big-Red-One-Band, die Bamberg leider den Rücken kehrte. "Manche brauchten erst Anlauf, um in Schwung zu kommen." Sie hätten sich "gestärkt", um nach Mitternacht zur Höchstform aufzulaufen, während sich Kollegen mit Blick auf die Uhr zu verabschieden begannen. "Als Berufsmusiker musste ich morgens raus, weiß aber noch, wie unglaublich gut Bandmitglieder trotz gehobenen Promillegrades spielten."
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