Ebrach
Jubiläum

Festtag in einem besonderem Zelt

Seit 50 Jahren steht die St.-Lukas-Kirche für die evangelischen Christen mit ihrer bewegten Vergangenheit in Ebrach offen. Das wird am groß gefeiert.
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Die schmucke St.-Lukas-Kirche feiert 50. Geburtstag.  Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Die schmucke St.-Lukas-Kirche feiert 50. Geburtstag. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Schon von weitem grüßt die St. Lukas-Kirche auf einer leichten Anhöhe nahe der Bundesstraße 22: Ein weiß getünchtes Gotteshaus mit hohem Turm. Wer sich nähert und dabei gen Himmel schaut, macht die erste verblüffende Entdeckung: Die Turmspitze krönt nicht etwa der übliche Hahn als Wetterfahne, sondern ein stilisierter Stier. Also eines der vier Wesen aus der neutestamentlichen Apokalypse, das seit jeher als Symbol des Evangelisten Lukas gilt.

Dieser Stier auf dem Turm ist der einzige Beleg dafür, dass Lukas Namenspatron dieser Ebracher Kirche ist. Im fünfeckigen Innenraum gibt es keine figürliche Darstellung dieses Heiligen. Lediglich sein eingemeißelter Name taucht mit den Namen der drei anderen Evangelisten an der Orgelempore auf. Aber das passt. Denn seit nunmehr 50 Jahren hören die etwa 500 evangelischen Christen Ebrachs die Frohe Botschaft in der St. Lukas-Kirche: Am 14. September 1969 wurde sie vom damaligen Bamberger Dekan Günter Schlichting eingeweiht und seit dem ununterbrochen für Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten genutzt.

"Es war damals ein großes Fest, der ganze Ort war auf den Beinen", erinnert sich Zeitzeuge Wilfried Dittmann, der als Sechzehnjähriger die Einweihung erlebte. Es habe einen langen Festzug durch Ebrach gegeben, schon damals mit katholischer Beteiligung. Die Freude über die ersehnte neue Kirche habe jeden erfüllt, so der langjährige Kirchenvorstand Dittmann. "Das wissen sogar noch die damaligen Bauarbeiter, von denen einige noch leben", ergänzt Thomas Glaser, der als Prädikant in der Gemeinde, die zur Urpfarrei Großbirkach gehört, aktiv ist.

Bezüge zum Kloster

Die Geschichte Ebrachs ist eng mit dem einstigen Zisterzienserkloster am Ort verknüpft. Aus diesem ging die politische Gemeinde nach der Säkularisierung des Klosters und der Umnutzung für den Strafvollzug hervor. Dieser hatte auch Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Denn in der Vollzugsanstalt waren vor allem evangelische Gefangene, für die es einen protestantischen Gefängnispfarrer gab. Außerdem waren unter dem Gefängnispersonal viele Protestanten. So lag es für die einheimischen, etwa 100 Evangelischen nahe, die Gottesdienste im Gefängnis - im dortigen Kaisersaal - zu besuchen, anstatt den mühevollen Weg acht Kilometer nach Großbirkach zurückzulegen. "Aber im Kaisersaal war man immer eingesperrt", bemerkt Wilfried Dittmann schmunzelnd und erzählt von einem evangelischen Verein mit dem Ziel, in Ebrach eine eigene Kirche zu bauen.

Schon nach dem Ersten Weltkrieg sammelte der Verein beträchtliche Mittel für diesen Zweck. Doch die Inflation vor dem Zweiten Weltkrieg brachte um das Ersparte. Nach 1945 gelangten viele evangelische Heimatvertriebene nach Ebrach, darunter Dittmanns Eltern und Großeltern. Der Wunsch nach Heimat - zumindest in der Gemeinde - wuchs wie selbige, und damit auch die Sammeltätigkeit des evangelischen Vereins. In geradezu dramatisch verlaufenen Verhandlungen mit dem Landeskirchenamt in München, das sich zunächst gegen einen Kirchneubau sträubte, gelang der Durchbruch. Am 6. Juni 1967 fiel die Entscheidung in Bayerns Hauptstadt, dass der Neubau noch in diesem Jahr begonnen werden kann. "Dieser Tag ist als entscheidender Markstein in die Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Großbirkach/Ebrach eingegangen", erklärt Prädikant Glaser.

Ein geeignetes Grundstück war bereits gefunden: Das 3200 Quadratmeter große Areal am östlichen Ortseingang, auf dem nach den Plänen des Münchner Architekten Franz Gürtner die St.-Lukas-Kirche für 450 000 DM gebaut wurde. Im November 1967 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung: "Ich war damals Kreuzträger!", berichtet Wilfried Dittmann immer noch ein wenig stolz.

Ein Dach wie ein Zelt

Die künstlerische Ausgestaltung mit farbigen Keramiken an Altarkreuz, Altar, Kanzel, Lesepult übernahm Walter Veit (heute Höchstadt/Aisch). Erster Pfarrer war bis 1971 Michael Martin. Ihm folgte bis 1978 Martin Oeters, der auch am Sonntag, 15. September, im Festgottesdienst zum 50. Kirchengeburtstag predigen wird. Großbirkachs Pfarrerin Petra Hofmann feiert natürlich mit. Sie hat in Ebrach die Vertretung inne, denn die Pfarrstelle ist seit Pfingsten 2018 vakant.

"Lass mich wohnen in deinem Zelte ewiglich" - dieses Wort aus dem Psalm 61 steht als Leitmotiv über dem Festtag. An ein Zelt erinnert die Dachkonstruktion von St. Lukas ohnehin. Und auch wenn inzwischen die Zahl der Gottesdienstbesucher in der 150 Plätze bietenden Kirche überschaubar ist, gibt es doch die hohen Feiertage wie Weihnachten und Ostern, an denen es eng wird unter dem Zeltdach. Und auch zum Jubiläumsfest dürfte es so sein, dass viele Ebracher Wohnung suchen in diesem Gotteshaus. Davon gehen jedenfalls Wilfried Dittmann und Thomas Glaser nach Mut machenden Gesprächen in der Gemeinde aus.

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