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Bamberg
Festakt

Festakt in Bamberg zu "20 Jahre Welterbe"

Die Stadt feierte am Samstagabend in der Konzert- und Kongresshalle "20 Jahre Welterbe". Die Redner würdigten das großartige Engagement der Bürger für den Erhalt der Altstadt und die Denkmalpflege.
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Weltkulturerbestadt Bamberg. Foto: Ronald Rinklef
Weltkulturerbestadt Bamberg. Foto: Ronald Rinklef
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Der bekennende Bamberg-Fan Thomas Goppel war sich sicher: "In Bamberg weiß schon jedes Schulkind, dass die kirchlich, herrschaftlich und frühbürgerlich geprägte Bergstadt, dann die bürgerliche Erweiterung der Inselstadt und schließlich die Gärtnerstadt insgesamt ein herausragendes Beispiel für ein mitteleuropäisches urbanes Ensemble auf mittelalterliche Grundlage sind." Goppel, Vorsitzender des Landesdenkmalrates Bayern und Mitglied im Kuratorium der Stiftung Welterbe der Stadt Bamberg, wollte als Festredner denn auch nicht "den Welterbe-Charakter Bambergs erläutern".

Den scheinen die Bürger und Bürgerinnen ohnehin mehr als intus zu haben. Obwohl es wohl eher das zeitgleiche DFB-Pokalspiel war, dass sie von einer Mitfeier des Titels "20 Jahre Welterbe" am Samstagabend abhielt. Die klaffenden Lücken im Joseph-Keilberth-Saal der Konzert- und Kongresshalle waren nicht zu übersehen. Das hinderte die Stadtkapelle Villach aus der österreichischen Partnerstadt Bambergs nicht daran, den Festakt zünftig zu umrahmen. Sie erspielte sich sogar eine Zugabe und machte dem Motto des Abends "Erhalten & Gestalten" alle musikalische Ehre.

Oberbürgermeister Andreas Starke ging die "mühsame 13-jährige Reise Bambergs auf dem Weg zum Weltkulturerbe" nach. Er würdigte die Bemühungen seiner Amtsvorgänger Theodor Mathieu, Paul Röhner und Herbert Lauer für die erfolgreiche Verankerung des Titels und für wichtige Weichenstellungen. Starke nannte auch ausdrücklich Professor Tilmann Breuer, der alle nötigen Informationen zusammengetragen und den Text verfasst habe, der die Grundlage für den Antrag Bambergs bei der UNESCO 1991 bildete.

Zwei Jahre später, 1993, sei es dann soweit gewesen. Bamberg wurde als 624. Mitglied in den Kreis des Welterbes der Menschheit aufgenommen: "als einzigartiges Beispiel einer zentraleuropäischen Stadt auf frühmittelalterlichem Grundriss und mit zahlreichen architekturgeschichtlich bedeutenden Monumentalbauten seit dem 11. Jahrhundert", zitiert der OB aus der Urkunde. Starke beschrieb das Ziel der Bemühungen um den Erhalt des wertvollen Erbes: "Entscheidend ist die Bewahrung der Authentizität, also des Echten, des Unverfälschten.

Bamberg ist ein solches Original." Das sei für die meisten Bamberger nicht eine Selbstverständlichkeit, sondern Teil ihrer Identität: "Nur mit dem Wissen, der Wertschätzung und dem Engagement jede Einzelnen kann das Welterbe Zukunft haben", betonte der OB. Denn: "Das Welterbe Bamberg sind wir alle." Starke dankte allen Bürgern, die durch ihr Engagement das Welterbe schützen, sei es durch eigene Investitionen zur Sanierung eines Einzeldenkmals, sei es durch ehrenamtlichen Einsatz in den Schutzgemeinschaften oder auch durch Einmischen in die tägliche Kommunalpolitik: "Sie beweisen damit echten Bürgersinn und haben den Respekt von uns allen verdient."

Im Namen der deutschen UNESCO-Kommission gratulierte deren Vizepräsidentin Verena Metze-Mangold zu dem "bemerkenswerten Jubiläum". Auch sie würdigte das "großartige Engagement der Bamberger Bürger und des Zentrums Welterbe", die "Brücken zwischen den Völkern bauen". Denn das Welterbe gehöre allen in der Welt: "Je wertvoller ein Kulturgut, desto weniger kann es ein einzelner beanspruchen."

Professor Klaus Hüfner, Ehrenmitglied des UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V., sprach in diesem Sinne den Bambergern den Titel "Weltbürgerschaft" zu. Sie würde die strategischen Ziele der UNESCO wie Förderung des interkulturellen Dialogs und Schutz des Welterbes umsetzen. Er hoffe, so Hüfner, dass alle Aktivitäten zu einem UNESCO-Lehrstuhl an der Otto-Friedrich-Universität führen.

"Ein Stiftungslehrstuhl wäre nicht verkehrt", meinte der frühere Wissenschaftsminister Goppel, der überhaupt auf die städtebauliche Idee einer "Universität in der Stadt" einging. Die in das Stadtbild integrierte Universität sei ein konstituierender Teil des Weltkulturerbes, und diese Integration "ist zugleich ein außergewöhnliches Alleinstellungsmerkmal der Bamberger Alma Mater". Goppel philosophierte über das Verhältnis von Staat und Gesellschaft zum kulturellen Erbe, über die historischen Aspekte der Identität. Über Heimat und Heimatgefühl in den eigenständigen geschichtlichen Landschaften, die immer auch an das zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschaffene Staatsbayern gekoppelt seien. Sie hätten in der napoleonischen Ära Selbständigkeiten zugunsten des Neuen Bayern verloren, "ohne gleichzeitig unterzugehen", erklärte Goppel. Bamberg sei dafür in "derartig doppelter Identität" ein herausragendes Beispiel: "So wie Bamberg München braucht, braucht München Bamberg." Der Festredner zitierte den Dichter Jean Paul, an dem vor allem in Oberfranken in dessen 250. Geburtsjahr erinnert werde: "Die größten Städte und Genies sind unregelmäßig gebaut, voller Sackgassen und Paläste." Jean Paul behalte im Blick auf "die bedeutendsten Städte" recht: "Bamberg ist einfach genial."
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