Bamberg
Einstimmung

Fest ohne Schokotaube

Musikalisch gestaltete Tagzeitenliturgie im Bamberger Dom bereitet auf das Pfingstfest vor. Doch was bedeutet Pfingsten überhaupt?
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Besonders Ordensgemeinschaften pflegen das Stundengebet (Chorgebet), zu dem vielerorts auch die Laien eingeladen sind. In Bamberg z.B. kann täglich mit der Klostergemeinschaft der Karmeliten das Morgen-,Mittags- und Abendlob mitgebetet werden. Unser Foto zeigt Benediktinermönche im Kloster Huysburg. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Besonders Ordensgemeinschaften pflegen das Stundengebet (Chorgebet), zu dem vielerorts auch die Laien eingeladen sind. In Bamberg z.B. kann täglich mit der Klostergemeinschaft der Karmeliten das Morgen-,Mittags- und Abendlob mitgebetet werden. Unser Foto zeigt Benediktinermönche im Kloster Huysburg. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Bisher ist noch kein findiger Geschäftsmann auf die Idee gekommen, zu Pfingsten eine Schokotaube zu kreieren. Überhaupt: Die Läden sind nicht marktschreierisch und anlassgemäß dekoriert. Der Geschenkerummel fällt aus. Eigentlich schlägt Pfingsten eine Marktlücke. Anders als Weihnachten und Ostern sind die kirchlich und gesetzlich festgelegten Feiertage für die Katz‘. Denn außer arbeitsfreier Zeit an einem Montag und in Bayern längere Schulferien bietet Pfingsten - ja, was eigentlich?

"Wir wollen mit der Tagzeitenliturgie auf Pfingsten einstimmen und darauf vorbereiten", eröffnet Domkapellmeister Werner Pees eine Chance, das schwer zu fassende Pfingstfest zu verstehen. Ab Donnerstag, 17. Mai, wird das Stundengebet zu unterschiedlichen Tageszeiten musikalisch vom Vokalquartett oder Vokalensemble der Domkantorei und von Domkapitularen mit geistlichen
Textimpulsen gestaltet. Am Pfingstsonntag selbst feiert Erzbischof Ludwig Schick den Pontifikalgottesdienst (9.30 Uhr). Die Domkantorei bringt die "Cantus Missae" von Josef Gabriel Rheinberger zu Gehör. Am Pfingstmontag ist Weihbischof Herwig Gössl Zelebrant und Prediger (9.30 Uhr).

"Noch so etwas Verstaubtes", mag der kritische Zeitgenosse zum fromm anmutenden Programm der Tagzeitenliturgie sagen. Ihm sei entgegnet, dass die Tagzeitenliturgie - auch Stundengebet genannt - tatsächlich eine jahrtausendealte Tradition ist - mit Ursprung im jüdischen Tempelopfer mit Gesang und ausgewählten Psalmen insbesondere am Morgen und am Abend. Das Christentum übernahm schon früh diese Gebetsformen, welche sowohl von der römisch-katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche sowie den evangelischen Kirchen gemeinsam gepflegt werden.

Mit dem Stundengebet erfüllt die Kirche den Auftrag Jesu: "Ihr sollt allezeit beten und darin nicht nachlassen" (Lukas 18,1). So ist das Stundengebet, zu dem Priester und die meisten Ordensleute verpflichtet sind, das ständige Gebet der Kirche durch und mit Jesus Christus im Heiligen Geist zu Gott Vater.

Gott Vater und Jesus Christus sind nun irgendwie zu greifen, zu verstehen. Aber "Heiliger Geist"? Für viele Christen bleibt das Verhältnis zum Heiligen Geist abstrakt. Auch wenn es im Glaubensbekenntnis heißt: "Ich glaube an den Heiligen Geist...". Und da kommt Pfingsten ins Spiel. Das Hochfest im Kirchenjahr, das mit dem Heiligen Geist zu tun hat. Mit der schöpferischen Macht allen Lebens. Der Heilige Geist ist nach kirchlicher Lehre in die Welt gesandt, um Person, Wort und Werk Jesu Christi lebendig zu erhalten.

Pfingsten ist für Christen also das Fest der Sendung des Heiligen Geistes und gilt als Geburtsfest der Kirche. In gewisser Hinsicht ist Pfingsten das internationale und multikulturelle Kirchenfest. Auch weniger Bibelfeste kennen die Verse aus der Apostelgeschichte: "Da kam plötzlich vom Himmel ein
Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie (die Jünger) waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu
reden, wie es der Geist ihnen eingab." Die neugierige Menschenmenge in Jerusalem - Juden, Ägypter, Römer, Kreter oder Araber - hörte die Jünger plötzlich in ihren Muttersprachen reden und verstand auf wundersame Weise, was gesprochen wurde.

Pfingsten ist das Wunder des Grenzen überschreitenden Verstehens. Eine Anti-Geschichte zum Heute, in dem Menschen unterschiedlicher Nationalitäten von der Gesellschaft nur unwillig aufgenommen werden. Dabei hat dieser Heilige Geist, der auf die Jünger herabkam, die Einheit geschaffen. Sozusagen einen Link geliefert zu Gott, seinem Sohn und der Erde und allen Gläubigen. So wird vielerorts der Pfingstmontag als "Tag der Ökumene" begangen: Katholiken und Protestanten feiern gemeinsam Gottesdienst, denn auch die pfingstliche Urgemeinde war nicht in Konfessionen getrennt.

Die Tagzeitenliturgie im Dom
Donnerstag, 17. Mai, 19 Uhr: Eucharistiefeier und Komplet (Hauptschiff)
Freitag, 18. Mai, 8 Uhr: Laudes und Eucharistiefeier (Ostkrypta), 18 Uhr
Vesper (Westchor), 21 Uhr Komplet mit Gesängen aus Taizé (Ostkrypta)
Samstag, 19. Mai, 8 Uhr: Laudes und Eucharistiefeier (Ostkrypta), 17 Uhr
Pontifikalgottesdienst mit Erwachsenenfirmung durch den Erzbischof
(Hauptschiff - Vorabendmesse)
Pfingstsonntag, 20. Mai, 9 Uhr: Terz, 9.30 Uhr Pontifikalamt mit Erzbischof,
17 Uhr Pontifikalvesper
Pfingstmontag, 21. Mai, 9.30 Uhr: Pontifikalamt mit Weihbischof.
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