Bamberg
Kirchenkunst

Fenster-Streit: Lüpertz düpiert, Initiatoren entsetzt

In Bamberg hat man zur Zeit keine Hand für moderne Kunst. Nach dem Eklat um den Standort der "roten Männer" erlebt nun die Initiative für Lüpertz-Fenster in St. Elisabeth einen unglücklichen Start.
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Seit Mai 2009 steht der "Apoll" von Markus Lüpertz vor der Kirche St. Elisabeth. Um die künstlerische Gestaltung der Fenster durch den namhaften Bildhauer gibt es jetzt Streit zwischen der Stadt und den Initiatoren des Projekts. Alle Fotos: Barbara Herbst
Seit Mai 2009 steht der "Apoll" von Markus Lüpertz vor der Kirche St. Elisabeth. Um die künstlerische Gestaltung der Fenster durch den namhaften Bildhauer gibt es jetzt Streit zwischen der Stadt und den Initiatoren des Projekts. Alle Fotos: Barbara Herbst
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"Ein bisschen veralbert" komme er sich schon vor, sagte Markus Lüpertz am Tag nach seinem jüngsten Bamberg-Besuch. Von einem Eklat, wie es andere tun, spricht er nicht.

Fakt ist: Er hat am Dienstag Abend vorzeitig einen Ortstermin in der Kirche St. Elisabeth verlassen, für den er eigens aus Berlin gekommen war.

Er war in der Erwartung angereist, dass letzte "Feinheiten" für die künstlerische Gestaltung der Fenster durch ihn besprochen werden. Das jedenfalls ist die Idee und das Ziel einer Privatinitiative, hinter der die Dompfarrei steht.

Sie wünscht sich von Lüpertz eine "Predigt aus Glas" für das Gotteshaus im Sand: Die Fenster sollen künftig die Geschichte der Kirchenpatronin Elisabeth von Thüringen in acht Szenen erzählen.

Markus Lüpertz reizt diese Aufgabe. Auch, weil sein "Apoll" seit Mai 2009 neben dem kleinen Gotteshaus steht. Skulptur und Fenster sieht er als künftiges "Gesamtkunstwerk".

Seitens der Stadt als Eigentümerin der Kirche gab es in der Vergangenheit keine grundsätzlichen Einwände gegen die Lüpertz-Fenster. Dass sie kein Geld dazu geben würde, war von Anfang an klar. Die Initiative will das Kunstprojekt mit Hilfe privater Sponsoren finanzieren.

Am Dienstag Abend hätten Dompfarrer Gerhard Förch und Pfarrer Hans Lyer, der die Gottesdienste in St. Elisabeth betreut, im Beisein des Künstlers vor die Presse treten, das künstlerische Konzept vorstellen und die Spenden-Sammel-Aktion mit positiven Nachrichten starten wollen. Man hatte es sich so schön vorgestellt. Aber es kam ganz anders.

Als der Pressetermin beginnen sollte - nach dem nicht-öffentlichen Ortstermin in der Kirche - war von Markus Lüpertz schon nichts mehr zu sehen. Er sei "verschnupft" über den Ablauf gewesen, berichtet jemand hinter vorgehaltener Hand. Und dass der Gast aus Berlin drinnen gar nicht zu Wort gekommen sei und man so nicht mit einem Künstler von Weltrang umgehen könne.

Stadt: nicht entscheidungsreif
"Als Person etwas düpiert" habe er sich tatsächlich gefühlt, so Markus Lüpertz gestern, als der FT ihn telefonisch in Berlin erreichte. Es habe ihn "etwas geärgert", weil er extra nach Bamberg gefahren sei und feststellen musste, dass das Fenster-Projekt noch lange nicht entscheidungsreif zu sein scheint.

Den Eindruck hinterließ auch das Streitgespräch, das sich in Abwesenheit von Lüpertz dann vor den Presseleuten entwickelte.
Die Vertreter der Initiative, namentlich Dompfarrer Förch, Hans Lyer und Georg Beirer aus der Elisabethen-Gemeinde, schienen die Welt nicht mehr zu verstehen.

Sie sprachen von klaren Signalen aus dem Rathaus und vom Oberbürgermeister, die sie als Auftrag verstanden hätten, sich für das Fenster-Projekt zu engagieren. "Wir haben im Grunde einen Ball aufgegriffen, der uns von der Stadt zugespielt wurde", so Lyer. Man habe versucht, ihn inhaltlich zu füllen.

Bis Dienstagabend gingen die Initiative und Markus Lüpertz davon aus, dass die acht Fenster im Chor und an der Südseite, also zur Sandstraße hin, gestaltet werden sollen. Zu ihrer Überraschung brachte Stiftungs- und Finanzreferent Bertram Felix als Vertreter der Stadt beim Ortstermin jedoch plötzlich Fenster an der Nordseite ins Gespräch.

Sie wurden erst kürzlich im Zug der laufenden Innensanierung wieder entdeckt, sind noch zugemauert und könnten aus Sicht der Stadt rekonstruiert und dann von Lüpertz gestaltet werden.
Der Künstler sei gar nicht zu Wort gekommen, sei geradezu von Felix "belehrt" worden, was gehe und was nicht, berichtete hinterher ein sichtlich bedrückter Hans Lyer. Auch seine Mitstreiter wirkten fast geschockt und ziemlich ratlos über die Situation, in der sie sich plötzlich wiederfanden.

Der Eindruck, den Lüpertz mitgenommen hat, war aus ihrer Sicht fatal. Er müsse sich geradezu degradiert gefühlt haben, meinte Georg Beirer. Beirer, engagiertes Mitglied der Fenster-Initiative, hätte am Dienstag eigentlich deren theologisches Konzept erläutern sollen. Es blieb in der Tasche.

Felix verteidigte seinen Standpunkt und seinen Vortrag energisch gegen jede Kritik: Die Stadt habe als Eigentümerin ja wohl ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Gestaltung der Fenster geht. Aus seiner Sicht ist das Projekt noch längst nicht entscheidungsreif.

Für ein Pressegespräch, von dem er überrascht worden sein will, sei es noch viel zu früh. Insofern lehnte er jede Verantwortung dafür ab, dass das Treffen aus dem Ruder lief und möglicherweise noch zu einem Eklat mit dem Künstler führen könnte.
Mit "Kommunikationsproblemen" versuchte Ulrike Siebenhaar von der städtischen Pressestelle die Meinungsverschiedenheiten zu erklären und die erhitzten Gemüter zu beruhigen.

Fenster-Initiative hofft noch
Gaben Lyer, Beirer und Mitstreiter Christoph Gatz ihrem Vorhaben am Dienstagabend nur noch geringe Erfolgsaussichten, hatten sie über Nacht neue Hoffnung geschöpft. "Enttäuschung, Ärger und Wut haben auch eine Kraft, wenn man die positiv, kreativ wendet", sagte Gefängnisseelsorger Lyer am Mittwochvormittag. Den Künstler hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht und schloss nicht aus, dass der vorerst niemanden aus Bamberg mehr sprechen möchte.

Im Telefon-Interview versicherte der Bildhauer jedoch, dass er weiter für den Fenster-Auftrag zur Verfügung steht: "Das ist eine Arbeit, die mich interessiert. Ich sitze und harre."

Mit einer Bewertung des Ortstermins hielt sich der Mann, der 2006 auf Vermittlung des damaligen Künstlerhaus-Direktors Bernd Goldmann eine Großskulpturen-Schau in Bamberg bestritt, betont zurück. Unversöhnlich wirkte er nicht.

GAL: Unglaublicher Vorgang
Von einem "unglaublichen Vorgang" spricht unterdessen die GAL-Fraktionsvorsitzende Ursula Sowa. Sie wurde ihrer Pressemitteilung zufolge von zwei Anrufern informiert und kündigt an, die Einberufung des Ältestenrates zu beantragen: "Sollte sich bewahrheiten, dass Herr Lüpertz brüskiert worden ist, stellt sich die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt. Ist dies der Kulturreferent, der Oberbürgermeister oder der Stiftungsreferent?" Diese Frage und die nach dem Imageschaden für Bamberg muss ihrer Meinung nach beantwortet werden.
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