Bamberg

Feierabend endet blutig

Ein 32-jähriger Asylbewerber muss sich vor Gericht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.
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Der Prozess vor dem Schwurgericht am Landgericht wird fortgesetzt. Foto: Ronald Rinklef
Der Prozess vor dem Schwurgericht am Landgericht wird fortgesetzt. Foto: Ronald Rinklef

Die Sandstraße ist ein gefährliches Pflaster. Diesen Eindruck vermittelt ein neuerliches, auf vier Tage angesetztes Verfahren wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht am Landgericht Bamberg. Die Tat ereignete sich am 22. April 2018. Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte, ein 32-jähriger irakischer Asylbewerber. Dafür kam das Opfer Robert D. (Name geändert) ausführlich zu Wort. "Es ist die Sandstraße, da passiert jede Woche etwas."

Für Robert D. ist kurz vor vier Uhr früh Feierabend. Der Wirt einer Kneipe hat es sich mit einer Flasche Bier auf einer Sitzbank im Freien gemütlich gemacht. Um ihn herum schließen nach und nach die Discos und Bars und spülen ihre alkoholisierten Gäste auf die Straße. Plötzlich stört lautes Geschrei die frühmorgendliche Ruhe am Katzenberg. "Es war gar nicht gemütlich."

Einige Männer belästigen heimkehrende Frauen. Der Wirt greift ein. "Komm runter, hör auf. Lass das sein." Dann kommt der Angeklagte "näher und näher". Es kommt zur Schubserei, bei der der betrunkene Angeklagte (1,3 Promille) fast zu Boden geht. Dort unten findet er eine Whiskyflasche. "Die stehen dort dutzendfach herum." Kurzerhand zerschlägt der Angeklagte diese an einer Biergarnitur und geht mit dem scharfkantigen Flaschenhals und inzwischen nacktem Oberkörper auf Robert D. los. "Ich bin arabisch. Ich bringe Dich um!"

Noch Glück im Unglück

Robert D. kann noch in Abwehrhaltung gehen und die Arme hochreißen, um die lebenswichtigen Körperteile zu schützen. "Ich habe gechekt, dass es kein Spaß ist. Ich hatte Angst um mein Leben." Trotzdem trifft ihn ein Stich an der Stirn. Weitere Treffer verletzen die rechte Hand, den linken Ellenbogen, sowie das Schlüsselbein. "Er zielte gegen Oberkörper und Kopf." Es sei nur dem Zufall geschuldet, so der Rechtsmediziner Prof. Peter Betz von der Universität Erlangen-Nürnberg, dass keine Schlagadern erwischt wurden. Schließlich entgleitet dem Angreifer seine Waffe. Kurz ist er weg in Richtung Alt-Ringlein, dann kommt er mit einem Bierglas zurück, das er von einem Fenstersims genommen hat.

Allerdings kommt er diesmal nicht weit, denn beim Versuch, sich daraus einen scharfkantigen Gegenstand zu formen, zerbröselt das Gefäß in seiner Hand. Dabei verletzt er sich selbst. Dann fliegt noch ein weiteres Glas in Richtung Robert D. Doch das Schlimmste ist überstanden.

Als die Polizeistreifen eintreffen, gerufen von immerhin sechs hilfsbereiten Nachtschwärmern, flüchtet der Angeklagte. Er kann aber eingeholt und verhaftet werden und sitzt seither in Untersuchungshaft einige Meter weiter in der JVA Bamberg. Für den bislang nicht vorbestraften Mann, der seit 2015 in Deutschland lebt und als Paketzusteller gearbeitet hat, eine ganz neue Erfahrung. Robert D. kam ins Klinikum. "Ich war zufrieden, dass ich dort war und nicht woanders."

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