Bamberg
Pfingsten

Feier der Tagzeitenliturgie in Bamberg

Pfingsten bedeutet mehr als Ferien und freie Tage. Darauf wollen Erzbischof Ludwig Schick sowie die Bamberger Dommusik mit der Feier der Tagzeitenliturgie von Donnerstag bis Sonntag hinweisen.
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Domkapellmeister Werner Pees probt mit dem Domchor mehrstimmig gesungene Stundengebete. Foto: Ronald Rinklef
Domkapellmeister Werner Pees probt mit dem Domchor mehrstimmig gesungene Stundengebete. Foto: Ronald Rinklef
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Jeder Sonntagskirchgänger kennt dieses Szenario: Unerbittlich predigt der Pfarrer oder - verbotenerweise - die Pastoralreferentin. Unbeschadet der wundervollen Texte, die kurz zuvor gelesen wurden, fliegt nun Folgendes am Ohr vorbei: Mut zum Engagement - jederzeit ein neues Leben anfangen - gegen Macht und Kapital - betroffen sein - Option für die Armen - von den Frauen lernen - die Kranken und Außenseiter, die Entrechteten und Ausgebeuteten - die Gesellschaft umkrempeln und bei einem selber anfangen - befreiende Botschaft - nicht Erfolg und Leistung zählen und so weiter und so fort. Summa summarum: Jesus war lieb zu allen.

Das tönt so dahin, nicht ein religiöser Kaugummi, der nicht noch einmal durchgekaut würde. Würde die Gemeinde nicht so konzentriert weghören, wäre eine Seelenverstimmung unausweichlich. Aber sie hört weg, eisern, betonhart.
Kein Aufschrei aus der Kirchenbank gegen das Geistlose im Zeitgeist, dem auch der Prediger oder die Predigerin nicht ausweichen kann. Veni, Creator Spiritus! Komm, Schöpfer Geist!, ruft das zugepuderte Gehirn, das nur wenige Wortfetzen behält - und dann vergisst. Seine Sehnsucht nach Trost, Zuspruch, Nahrung bleibt ungestillt. Die Wunden des Herzens sind nicht geheilt.

Es ging einmal auch anders, als Petrus seine Pfingstpredigt denen entgegenschleuderte, die Zeugen der Wirksamkeit des göttlichen Geistes geworden waren. Die biblische Apostelgeschichte erzählt davon, wie am Pfingsttag "plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt", das ganze Haus erfüllte, in dem die Apostel versammelt waren. "Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab." Ob des Getöses strömte die Menge zusammen "und war ganz bestürzt, denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden".

Geburtsstunde der Kirche

Petrus findet die richtigen Worte für die Irritierten - flammend, eindringlich, tröstlich. Die Geburtsstunde der Kirche war ein Signal für einen Aufbruch, der bis zum heutigen Tag andauert. Und an jedem Pfingsten einen Kulminationspunkt findet, an dem das Kommen und Wirken des Heiligen Geistes gefeiert und erbetet wird. Genau fünfzig Tage nach Ostern.

"Pfingsten ist Höhepunkt und Gipfel des Osterfestes", erklärt Erzbischof Ludwig Schick. An Pfingsten erfülle Jesus, was er versprochen habe: "Im Heiligen Geist bleibt er bei uns bis zur Vollendung der Welt. Der Heilige Geist schenkt das neue Leben, das Jesus uns durch Kreuz und Auferstehung erworben hat". Für den Erzbischof steht fest, dass ohne Pfingsten, ohne den Heiligen Geist "kein christliches Leben möglich ist, und es keine Kirche gäbe". Im Heiligen Geist sei Jesus, "unser Freund, Herr und Bruder bei uns und begleitet uns", so Schick.
"Wider das Geistlose" nennt der Erzbischof den Heiligen Geist einen "Global Player, der für eine gerechte, friedvolle, menschenfreundliche Weltgemeinschaft wirkt", und zwar durch Menschen "mit offenem Horizont und weitem Herzen". Schick fügt hinzu: "Wir brauchen bei uns in Deutschland und Europa den Heiligen Geist vor allem als Horizonterweiterer und Herzschrittmacher für die Zivilisation der Liebe weltweit." Zumal die Menschen hierzulande oft zu sehr auf ihr eigenes Wohlbefinden, ihre Besitzstände und ihr Genießen ausgerichtet seien, so dass andere besonders in der weiten Welt vergessen werden. Der Heilige Geist lehre dagegen alles, "was für unser Leben gut ist und gut tut".

Domkapellmeister Werner Pees hält diese Pfingstbotschaft und Pfingsten generell "für das Christentum so aktuell wie nie zuvor". In ihr erfahre die Kirche Auftrag, Ermutigung und Stärkung zugleich. Für Pees ist das neben dem "Geburtstag der Kirche" Grund genug, dieses Fest angemessen zu feiern und sich seinen Inhalt unabhängig vom Zeitgeist bewusst zu machen. Dazu solle auch die Tagzeitenliturgie beitragen, die seine Chöre im Dom anbieten. "Eine durch Vorbereitung geprägte Zeit wie vor Weihnachten und Ostern fehlt Pfingsten", so Pees. Die Stundengebete könnten demnach diese Aufgabe der Hinführung auf Pfingsten leisten.

Die Feier der Tagzeiten gehört ohnehin zum ältesten gottesdienstlichen Erbe des Christentums. Es bildet eine Tradition, die von allen Kirchen in Ost und West gepflegt wird. Die Feier der Tagzeiten bringt die einzelnen Abschnitte des Tages in ihrer Besonderheit vor Gott. Dazu gehören Laudes (Morgenlob), Vesper (Abendlob) und Komplet (erbittet den Segen für die Nacht).

Von Donnerstag- bis Sonntagabend wird also an verschiedenen Orten des Bamberger Doms - Nagelkapelle, Krypta, Ost- und Westchor - das allesamt mehrstimmig gesungene Stundengebet erklingen. Die chorische Besetzung reicht vom Vokalquartett bis zur 50-köpfigen Mädchenkantorei. Grundelemente der Tagzeitenliturgie sind Psalmen, Hymnen, Benedictus, Magnificat und Nunc dimittis sowie Kurzlesung, Oration und Fürbitten.

Die Stundengebete:

Donnerstag, 5. Juni, 19 Uhr
Eucharistiefeier und Komplet in der Nagelkapelle. Vorsteher: Dompfarrer Gerhard Förch.

Freitag, 6. Juni, 8 Uhr
Laudes und Eucharistiefeier in der Krypta. Vorsteher: Domdekan Hubert Schiepek. 18 Uhr: Vesper im Westchor. Vorsteher: Domkapitular i.R. Hans-Jörg Elsner. 21 Uhr: Komplet mit Gesängen aus Taizé in der Krypta. Vorsteher: Domkapitular Peter Wünsche.

Samstag, 7. Juni, 8 Uhr
Laudes und Eucharistiefeier in der Krypta. Vorsteher: Generalvikar Georg Kestel. 18 Uhr: Vesper im Westchor. Vorsteher: Generalvikar. 21 Uhr: Komplet in der Krypta. Vorsteher: Domkapitular Norbert Jung.

Sonntag, 8. Juni, 8 Uhr
Laudes im Ostchor. Vorsteher: Domkapitular Hans Schieber. 9.30 Pontifikalamt. Zelebrant und Prediger: Erzbischof Ludwig Schick. 17 Uhr Pontifikalvesper. Vorsteher: Erzbischof Ludwig Schick.

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