Patrick Grasser ist großer Fan des 1. FC Nürnberg. Er hat eine Dauerkarte für die Spiele des Fußballclubs. Wenn es eine Möglichkeit gibt, dann fährt der 15-Jährige, der wegen einer seltenen Muskelkrankheit (Duchenne) im Rollstuhl sitzt, mit Hans Schrüfer runter nach Mittelfranken, um den "Club" zu sehen. Schrüfer (60) arbeitet bei einem Mietautoservice. Er bringt Patrick normalerweise in die Schule. Aber mit der Zeit entstand zwischen den beiden eine Freundschaft.

"Immer wenn es geht, fahren wir zum Fußball", sagt Schrüfer. Manchmal kommen die beiden dann erst spätabends wieder von den Spielen zurück nach Kotzendorf. In dem kleinen Gemeindeteil von Königsfeld wohnt Patricks Familie. Auf einem landwirtschaftlichen Hof. Unten wohnen die Großeltern im Haus. Oben Patrick mit seinen Eltern.

Ersatz für den Treppenlift

Wenn Patrick bisher spätabends nach den Fußballspielen ins Haus wollte, war das immer ein Hindernis. Mutter Ursula und Vater Stefan mussten ihm dann helfen. Der Treppenlift, den die Familie früher hatte, war nicht optimal - vor allem nicht sicher für den Jungen. Da der Lift nicht richtig funktionierte, musste immer eine Aufsichtsperson dabei sein. Patrick war in seiner Selbstständigkeit eingeschränkt. Im Januar 2013 hat der Treppenlift dann mitten in der Nacht den Geist aufgegeben. Dann musste die Familie improvisieren.

Wegen der Mängel an dem Lift hat Stefan Grasser auch gegen den Hersteller geklagt - inzwischen erfolgreich. Es konnte Ersatz angeschafft werden. Und Patricks Vater hat gesagt: "Wenn wir es machen, dann muss es für ihn alleine gehen. " Also entstand aus einem Unterstellplatz neben dem Wohnhaus ein Anbau, damit Patrick endlich ohne Hilfe in die Wohnung und auch wieder raus kann.

Mit Fernbedienung ins Zimmer

"Auch wenn er von der Schule kommt, dann kann Patrick jetzt alleine nach oben", sagt sein Vater. In dieser Woche sind die letzten Arbeiten fertig geworden. Patrick hat sein eigenes Reich. Mit einem Aufzug. Eine Fernbedienung hat er immer dabei. Wenn er also nach Hause kommt, dann kann er per Knopfdruck die Türe öffnen. Der Aufzug fährt nach oben. Und schon ist er in seinem Zimmer. Die Tür zur Küche kann er auch automatisch öffnen.

Bei einem besonderen Tag der offenen Tür soll auf dem Hof der Familie Grasser am Sonntag, 14. September, ein Einblick in die Umbauten ermöglicht werden. Die Idee dazu hatte Hans Schrüfer, der Fahrer und Freund von Patrick. Beide sind Mitglied im FCN-Fanclub Königsfeld und Umgebung. Der Vorstand um Vorsitzender Hubertus Grasser, Schriftführerin Maria Schwarzmann und Kassier Albert Stadter haben begeistert zugesagt, das Fest zu organisieren. "Die Leute sollen an dem Tag sehen, was gemacht wird, um das zu bewältigen", sagt Albert Stadter. Zu bewältigen gab es einiges: Der behindertengerechte Anbau plus Aufzug hat rund 75 000 Euro gekostet. Normalerweise noch viel mehr, doch die beteiligten Firmen haben einen Großteil gespendet.

An dem Tag soll der gesamte Erlös des Festes Patrick zugute kommen. Der Zusammenhalt ist groß. "Es ist schön, dass sich der FCN-Fanclub so einsetzt", sagt Königsfelds Bürgermeisterin Gisela Hofmann. Alles für Patrick. Und der findet sein neues Reich "super!".

Hoffest: Ein Leben mit Behinderung meistern

Tag der offenen Tür Auf dem Hof der Familie Grasser, Kotzendorf 6 (Königsfeld), findet am Sonntag, 14. September, ein Tag der offenen Tür statt. Er soll zeigen, wie es möglich ist, ein Leben mit Behinderung auf dem Land zu meistern. Dazu kann der barrierefreie Umbau besichtigt werden. Auch die am Umbau beteiligten Firmen sind vor Ort. Wie die Firma Hösch, die den maßgefertigten Aufzug eingebaut hat.

Programm Ab 10 Uhr gibt es einen Weißwurstfrühschoppen mit Musik, ab 12 Uhr Spanferkel vom Grill, ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen. Tandem-Gleitschirmfliegen ist möglich, auch die Feuerwehr Scheßlitz ist von 12 bis 14 Uhr mit der Drehleiter vor Ort. Die Feuerwehr Königsfeld führt die Rettungsschere vor (15 Uhr). Auch Hüpfburg und Zaubershow gibt es. Ende des Festes ist 19 Uhr. Der Erlös kommt Patrick Graser zugute.