Bamberg
Präsentation

Faszination in der Unterwelt

Die Domkrypta in Bamberg ist Schauplatz einer Ausstellung zum Monat der Weltmission, in der ein einstiger Kaplan von St. Martin im Fokus steht
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Die Domkrypta erstrahlt während der Ausstellungsdauer in den Farben Indiens. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Die Domkrypta erstrahlt während der Ausstellungsdauer in den Farben Indiens. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Üblicherweise ist die Krypta im Dom nicht zugänglich. Nur für Taufen oder gelegentliche Gottesdienste wird sie geöffnet. Umso neugieriger sind gerade Touristen, die die Kathedrale in Scharen aufsuchen. Entsprechend groß war das Interesse, als Michael Kleiner nach der Eucharistiefeier in diese Unterwelt einlud. Und zwar zur Führung durch eine Ausstellung, die der Referent für Weltkirche im Erzbischöflichen Ordinariat initiiert hat. "Eine tolle Ausstellung!" "Absolut sehenswert!" "Hochinteressante Zusammenhänge!" So und ähnlich lauteten Reaktionen von Besuchern - auch aus Bamberg selbst.

Hinter dem zunächst wenig aufregenden Titel der Schau von großformatigen Bild- und Texttafeln, Webteppichen oder einem alten Messgewand "Mission + Vision. Kirche in Nordostindien gestern und heute" verbirgt sich eine spannende Geschichte um einen einstigen Kaplan von St. Martin, Pfarrer in Franken sowie Missionar im indischen Shillong. "Pater Otto Lorenz Hopfenmüller ist das Hauptmotiv der Ausstellung", erläuterte Michael Kleiner seinen Zuhörern und erzählte aus dem Leben dieses Seelsorgers, der vor über 120 Jahren ein Wegbereiter der Mission in Nordostindien war, aber schon bei den Armen in der fränkischen Heimat Großes bewirkte.

Bis heute hoch verehrt

Bis heute werde Pater Hopfenmüller von den nordostindischen Christen hoch verehrt, wusste der Weltkirche-Referent zu berichten, der sich selbst im Februar dieses Jahres mit Erzbischof Ludwig Schick auf die Spuren des Missionars gemacht hatte. Hierzulande sei der Salvatorianerpater auch umstritten, "denn für seine Ziele trat er ohne Rücksicht auf sich und andere ein und wetterte im Bamberger Volksblatt gegen Juden", was einen dunklen Schatten auf seine Persönlichkeit werfe, so Kleiner.

Gleichwohl sei Hopfenmüllers Verdienst um die Verbreitung des Evangeliums nicht zu schmälern. Der Seelsorger habe für seine Mission das entlegene Bergvolk der Khasi in der Provinz Assam gewählt, ihre schwierige Sprache gelernt - und nach seinem Tod am 21. August 1890 eine blühende Kirchengemeinde in Shillong hinterlassen.

Was ist aus seinem Werk geworden? Wie setzen sich heute überzeugte Christen und Christinnen für die Benachteiligten in Nordostindien ein? Auch davon kündet die Ausstellung, die aus Anlass des Außerordentlichen Monats der Weltmission bis Ende Oktober zu sehen ist. So wie damals der "Ludwig-Missions-Verein" Pater Otto Hopfenmüller unterstützte, so hat der Vereins-Nachfolger "missio München" jetzt einige nordostindische Projektpartner in das Erzbistum Bamberg gebracht. Sie gestalten den Weltmissionsmonat in zahlreichen Veranstaltungen im Erzbistum Bamberg mit - bis zum Sonntag der Weltmission am 27. Oktober, der zentral für Deutschland im Dom und mit einem bunten Fest abgeschlossen wird.

Diesen missio-Gästen, unter ihnen Bischöfe und Ordensschwestern, sind einige Ausstellungstafeln gewidmet. Darauf werden sie mit ihrem enormen Engagement für die Bevölkerung in Nordostindien, für die Ärmsten der Armen, vorgestellt. Die seit Jahren im dortigen Nagaland erfolgreiche Organisation "Zubza" mit Sitz in Weisendorf steht exemplarisch für die wirksame Eine-Welt-Arbeit im Erzbistum Bamberg.

Ausgefeiltes Lichtkonzept

Ein Besuch der Präsentation in der Domkrypta ist sicher lohnenswert. Nicht zuletzt deshalb, weil der ohnehin geheimnisvoll wirkende Ort durch ein ausgefeiltes Lichtkonzept ganz neu erstrahlt: Gewölbe, Säulen, Bänke sind in die Farben der indischen Nationalflagge getaucht - weiß, grün, orange.

Konzept und Realisation der Ausstellung stammen von Verena Kaufmann (Texte) und Christine Kaufmann (Grafik). Verantwortlicher Redakteur war in Zusammenarbeit mit Branka Begic und Stefanie Schüller von "missio" Michael Kleiner.

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