Bamberg
Interview

Fall Sophia: "Fürchterliche Tage, die ich niemandem wünsche"

Der Fall Sophia wartet noch immer auf Aufklärung. Der Bruder der vermissten Studentin, ein Bamberger Grünen-Politiker, hat mit uns über die für ihn ungenügende Zusammenarbeit mit den Ermittlern und zahlreichen Hasskommentaren aus dem Netz gesprochen.
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Mit einem Nachruf hat sich ihr Bruder bereits von der vermissten Studentin Sophia  verabschiedet. Uns gegenüber hat sich Andreas Lösche nun auch kritisch gegenüber den Ermittlern geäußert. Foto: Stephan Großmann
Mit einem Nachruf hat sich ihr Bruder bereits von der vermissten Studentin Sophia verabschiedet. Uns gegenüber hat sich Andreas Lösche nun auch kritisch gegenüber den Ermittlern geäußert. Foto: Stephan Großmann
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Der Fall der seit fast zwei Wochen vermissten Studentin Sophia erregt Aufsehen in ganz Deutschland. Obwohl die Ermittler offiziell noch nicht bestätigt haben, dass es sich bei der in der vergangenen Woche in Spanien gefundenen Frauenleiche um die Vermisste handelt, hatte ihr Bruder in mehreren sozialen Medien einen Nachruf auf seine Schwester veröffentlicht.

Der 51-jährige Grünen-Politiker aus dem Landkreis Bamberg, Andreas Lösche, sieht sich von Beginn der Suche nach Schwester an Hasskommentaren und Anfeindungen ausgesetzt. Bereits vor einer Woche hatte die Familie auf die oft fremdenfeindlichen Angriffe mit einem offenen Brief reagiert. "Sophia würde unter keinen Umständen wollen, dass auf ihre Kosten rassistische Hetze betrieben wird", heißt es darin. Wir haben mit ihm über die schwierige Zeit gesprochen und schriftlich hat er unsere Fragen beantwortet:

Herr Lösche, wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?
Andreas Lösche: Es sind fürchterliche Tage, die ich niemandem wünsche...

Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie sich von der Polizei nicht auf dem Laufenden gehalten fühlen. Was hätten Sie sich von den Ermittlern gewünscht?
Ich würde es für selbstverständlich erachten, dass die Ermittler die Angehörigen stets informiert halten. Erste Ergebnisse einer Autopsie etwa, ob der Täter gestanden hat, oder warum ein DNA-Abgleich tagelang dauert. Die Leipziger Ermittler jedoch haben von Anfang an kein Interesse an Kommunikation mit den Angehörigen gezeigt.

In einem anderen Medienbericht war zu lesen, dass Sie den Fahrer bereits auf eigene Faust ausfindig gemacht und mit ihm telefoniert hatten. Ist das richtig? Wenn ja, über was haben Sie gesprochen?
Dazu werden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt äußern. Grundsätzlich ist das aber richtig, ja. Ich selbst habe nicht mit ihm gesprochen, sondern eine andere Person aus unserem Team.

Ein Polizeisprecher hat gegenüber der dpa die Frage in den Raum gestellt, warum die Verwandten nicht zur Identifizierung nach Spanien gefahren seien. Können Sie diese Fragestellung nachvollziehen?
Diese Fragestellung kann ich auch sehr gut nachvollziehen, zumal ich mich von Anfang an zur Identifizierung angeboten habe.

Seit dem Verschwinden hat es eine Facebook-Seite "Find Sophia" mit mehr als 11 000 Mitgliedern gegeben. Inwieweit waren Sie dort involviert?
Sehr viele Freunde und Verwandte haben sich an der Suche beteiligt, alle haben ihre jeweiligen Stärken eingebracht. So haben Freunde die Facebook-Seite und den Blog eingerichtet.

Die Initiatoren der Seite berichteten von Anfeindungen und Hasskommentaren. Haben Sie selbst Ähnliches erlebt? Wie haben sich die Leute geäußert?
Ich erhalte auch viele Hass-Mails, stets mit fremdenfeindlichen Beschimpfungen.

Wie erklären Sie sich den Hass?
In Menschen, die anderen in einer solchen Situation Derartiges schicken, kann und will ich mich nicht hineinversetzen.

Das Gespräch führte Stephan Großmann


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