Bamberg
Verkehr

Fake-News im Bamberger Parkleitsystem

Je weniger Autofahrer auf der Parkplatzsuche durch die Stadt kreisen, desto besser. Das Parkleitsystem soll die Blechlawine kanalisieren - doch in Bamberg ist es defekt. Ein neues System ist geplant.
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Das Verkehrsgeschehen in Bamberg lässt die Anzeigetafel unberührt. Sie zeigt immer 18 freie Plätze in der Tiefgarage an.  Foto: Sebastian Schanz
Das Verkehrsgeschehen in Bamberg lässt die Anzeigetafel unberührt. Sie zeigt immer 18 freie Plätze in der Tiefgarage an. Foto: Sebastian Schanz
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In der heutigen schnelllebigen Welt werden die Konstanten immer seltener. Eine solche Konstante findet sich am Schönleinsplatz. Ob es regnet oder schneit, egal ob die Straßen leergefegt erscheinen oder eine Blechlawine durch die Innenstadt rollt - die Hinweistafel zeigt immer 18 freie Parkplätze in der Tiefgarage City-Altstadt an. Ganz unabhängig davon, wie viele Plätze in dem Parkhaus am Schloss Geyerswörth wirklich frei sind.

"Mir ist das schon Mitte 2018 aufgefallen. Da habe ich mich auf die Anzeige verlassen, bin dort hingefahren, und dann war das Parkhaus dicht", erzählt Birgit Aslan. Die Hirschaiderin wurde stutzig und passte in der Folge genau auf, wenn sie vorbei kam. Sogar auf mehreren Fotos hat sie dokumentiert: Immer werden 18 freie Parkplätze angezeigt. Für Aslan ein Unding. Sie hat die Betreiber und die Stadt darauf aufmerksam gemacht. Fake-News im Parkleitsystem? Kann das sein?

Werbeschild statt Anzeige

"Das Schild ist nicht elektronisch, sondern eine feste Anzeige. Wir sind nicht ans Parkleitsystem angeschlossen", bestätigt die Betreiberin Anne Müller. Beschwerden habe es darüber bisher nicht gegeben. 314 Plätze gibt es in der Tiefgarage, es komme vor, dass alle belegt sind. Die Stadt bestätigt, dass es sich bei der Anzeige nicht um ein Leitsystem sondern um ein Werbeschild handelt.

Auch abseits dieses Kuriosums ist das Parkleitsystem in keinem guten Zustand. Schon vor einem Jahr hatte der Fränkische Tag über die ständigen Defekte quer durch die Stadt berichtet. Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar machte damals Hoffnung, dass 2019 "Abhilfe geschaffen werden" soll. Doch der große Wurf ist bisher nicht gelungen.

"Zwischenzeitlich funktionierte das System wieder. Aber schon seit Wochen gibt es wieder Ausfälle, vor allem am Heinrichsdamm und an der Marienbrücke, also an wichtigen Einfallstraßen", berichtet Hans Schumann, der regelmäßig aus Stegaurach nach Bamberg fährt.

"Beim defekten Parkleitsystem ist streng genommen von Unregelmäßigkeit zu sprechen, das heißt, es treten - auch witterungsbedingte - Störungen und Ausfallzeiten auf, die auf im Untergrund verlegte defekte Kabelwege zurückzuführen sind", erklärt Claus Reinhardt aus dem Baureferat und nennt zum Beispiel "kurzzeitige Kurzschlüsse bei Feuchte" im 4,5 Kilometer langen Leitungsnetz. Doch auch die einzelnen Anzeigen sind teilweise defekt.

Im Baureferat der Stadt ist die Diagnose eindeutig: "Insgesamt sind das Parkleitsystem und der Hauptrechner veraltet, Ersatzteile sind nicht verfügbar." In Folge dessen arbeite das System also mit Ausfallzeiten. "Wobei die Anzeigen - nach störungsbedingtem Ausfall - den korrekten Bestand an Parkplätzen anzeigen", wie Reinhardt ergänzt.

Für 100 000 Euro erneuern

Das Baureferat verspricht: "Eine grundsätzliche Erneuerung ist vorgesehen, wobei - unter Beibehaltung des derzeitigen Parkleitsystems - ein zweites Parallelsystem aufgebaut wird."

Wie Reinhardt beschreibt, werden alle Anzeigen nach und nach ausgetauscht - angefangen beim Herzstück: dem Zentralrechner. 20 000 Euro sind dafür bereits eingeplant, Erneuerung einer ersten Anzeigetafel inklusive. Der Rest kommt nach und nach. Die Stadt rechnet mit Gesamtkosten von rund 100 000 Euro. Das alte System hat laut Stadt 500 000 Euro gekostet, wobei 210 000 Euro vom Freistaat getragen wurden - damals musste allerdings ein eigenes Kabelnetz geschaffen werden. Die Neuerung wurde bei der Einführung 2006 als erstes System dieser Größe in ganz Oberfranken gefeiert. Mittlerweile ist es zum Ärgernis geworden.

Ideen für eine Verbesserung gibt es einige. "Man könnte doch an den Eingangstoren der Stadt Übersichtsschilder anbringen, wo gerade etwas frei ist", schlägt Birgit Aslan vor, die beruflich eine leitende Position im Prozessmanagement ausfüllt. "Dann könnten die Autofahrer von außerhalb direkt dorthin fahren, wo sie einen Platz finden." Auch eine Funktion in der Park-App der Stadt könnte sie sich vorstellen: Wenn sich Parkscheine digital per Handy lösen lassen - warum können dann nicht auch freie Plätze in Parkhäusern angezeigt werden?

"Die Idee, das in der App anzeigen zu lassen, finden wir gut. Das werden wir weiterverfolgen", nimmt Reinhardt den Vorschlag auf. Die Übersichtsanzeigen an den Stadteingängen gebe es bereits - mehr Werbung für das Einfahren in die Innenstadt wolle man aber nicht machen.

Hintergrund: Das Bamberger Parkleitsystem

Verantwortlich für den Betrieb des Parkleitsystems (PLS) ist der Entsorgungs- und Baubetrieb, einzig der derzeitige Rechner steht noch bei den Stadtwerken.

Das aktuelle System besteht aus 70 statischen Wegweisern zu den Parkhäusern und 51 ,,dynamischen Anzeigen". Die zeigen auf elektronischen Displays die jeweils aktuelle Zahl von freien Parkplätzen in den Tiefgaragen an und melden die Zahl an den zentralen Parkserver. Dazu befähigt eine rechnergestützte Verbindung zu den Schrankenanlagen in den Parkhäusern. Die dynamischen Anzeigen verweisen bei Überfüllung auf die nächste Ausweichalternative.

Vier Parkhäuser sind dynamisch: die Tiefgaragen Zentrum Süd, Zentrum Nord, Konzerthalle und die Garage Zentrum-Karstadt. Die Parkhäuser Residenzschloss und Bahnhof/Atrium sind nur statisch. Alle anderen Parkhäuser sind im System noch nicht berücksichtigt.

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