Bamberg
Arbeitsmarkt

Fachkräfte von außerhalb Frankens sind erwünscht

Was kann man tun, damit sich ausgebildete Mitarbeiter in der Metropolregion Nürnberg wohl fühlen, und wie gewinnt die Region mehr Fachkräfte? Das "World Café" auf der zweiten Jahreskonferenz der Allianz pro Fachkräfte beschäftigte sich mit der Willkommenskultur.
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Auf dem Arbeitsmarkt der Metropolregion Nürnberg stehen Fachkräften die Türen offen - wie hier im Einwohneramt des Bamberger Rathauses.   Foto: Rieger-Press
Auf dem Arbeitsmarkt der Metropolregion Nürnberg stehen Fachkräften die Türen offen - wie hier im Einwohneramt des Bamberger Rathauses. Foto: Rieger-Press
Städte wie Bamberg und Bayreuth boomen. Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie schon lange nicht mehr. Dies schilderte Heribert Trunk, IHK-Präsident für Oberfranken, am Rande der Jahreskonferenz in einem Pressegespräch.

Ralf Holtzwart: Unternehmen aus dem Versteck holen

Dennoch würden jetzt schon aktuell in Oberfranken rund 17.000 Fachkräfte fehlen, in der Metropolregion Nürnberg sogar an die 64 000 - Tendenz weiter steigend. "Daher müssen wir unbedingt was tun! Wir müssen überlegen, wie wir künftig neue Fachkräfte für die Metropolregion Nürnberg gewinnen können", unterstrich Trunk.

Dabei sei die Metropolregion ein echter "Hidden Champion", ergänzte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. Er erläuterte, was er damit meint: "Es fehlt uns einfach an Strahlkraft, unsere marktführenden Unternehmen aus dem Versteck zu holen und sie publik zu machen."

Ambiente, Sicherheitsempfinden positiv, Kinderbetreuung negativ

Zumal alle, die in der Region leben und arbeiten, ihr auch gute Noten ausstellen. Dies zeigte die Studie "Warum Metropolregion Nürnberg?". Bei dieser wurden rund 600 Neubürger der Metropolregion Nürnberg befragt. "85 Prozent von ihnen gaben an, dass sie die Region positiv bewerten und sie auch als Wohn- und Arbeitsort weiterempfehlen würden", schilderte Friedrich Heckmann, Leiter des Europäischen Forums für Migrationsstudien (efms) an der Universität Bamberg, ein Ergebnis der Befragung. Sehr gut eingeschätzt hätten die Interviewten auch das Ambiente und das Sicherheitsempfinden. Allerdings gebe es auch zahlreiche Kritikpunkte. So sei das "Kinderbetreuungsangebot" negativ bewertet worden.

Mehr als die Hälfte der Befragten fand die Wohnungssuche schwierig. "Fast ein Fünftel der Befragten fanden den Umgang mit den Behörden als größte Herausforderung. Besonders Neubürger aus der EU klagten über mangelnde Englischkenntnisse bei den Ämtern", erläuterte Heckmann. Zudem fänden laut Studie Familien das Einleben schwierig. Ein Problem sei auch, dass die Arbeitssuche für Partner von Einreisenden nicht leicht sei.

"Dies zeigt, dass es nicht einfach genügt, Fachkräfte zu uns zu holen. Wir müssen sie bestmöglich vor Ort unterstützen und begleiten, damit der neue Arbeitsort für sie auch ein neues Zuhause werden kann", betonte Ralf Holtzwart. Daher sei es gut, dass man im Rahmen der zweiten Jahreskonferenz neue Wege bestreitet und innovative Ideen entwickelt, um die Attraktivität der Metropolregion Nürnberg zu verstärken und die Willkommenskultur weiterzuentwickeln.

Landrat Günther Denzler: Eine beispielhafte Willkommenskultur schaffen

Auch Landrat und stellvertretender Ratsvorsitzender der Metropolregion Nürnberg, Günther Denzler (CSU), erklärte, dass es eines der strategischen Ziele der Metropolregion Nürnberg sein müsse, eine beispielhafte Willkommenskultur zu schaffen. Nur so könne die Metropolregion Nürnberg zu einer der familienfreundlichsten Europas werden.

Wie man diese Willkommenskultur weiter voranbringen könnte, haben die rund 300 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft gemeinsam in einem sogenannten "World Café " gemeinsam erarbeitet. "Diese Art von Ideenfindung führt Menschen in kleinen Gruppen miteinander ins Gespräch. An kleinen Tischen saßen immer vier Konferenzteilnehmer in einer zwanglosen, vertrauensvollen Atmosphäre wie im Kaffeehaus zusammen", erläuterte Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Dabei habe man im Verlauf aufeinander folgender Gesprächsrunden mehrmals die Sitzplätze getauscht und so die Zusammensetzung der Tische immer wieder verändert.

Damit würden, so Vopelius, die Ideen und Sichtweisen der einzelnen Teilnehmer von Tisch zu Tisch weitergetragen und für jeden Teilnehmer täten sich neue Blickwinkel auf. "Ziel der Gespräche war es, unser kollektives Wissen und die kollektive Intelligenz der Gruppe ans Licht zu bringen, um neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln", berichtete Mittelfrankens IHK-Präsident.

Die auf der Jahreskonferenz entwickelten Projektideen stehen ab dem 23. Oktober online zur Einsicht. Jeder kann dann dort abstimmen, welche Projekte für die Willkommenskultur in der Metropolregion am wichtigsten sind.






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