Bamberg
Trockenheit

Extremsommer in Bamberg: Werden sich solche Wetterlagen künftig häufen?

Bambergs Gärtner verbrauchten Rekordmengen Wasser, Tausende Bäume sind in Bamberg vom Ausfall bedroht. Und es gibt Zeichen, dass sich solche Wetterlagen häufen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Staubtrocken rieselt die Erde durch die Hand: Hans-Jürgen Eichfelder kann sich nicht erinnern, jemals so viel Wasser für die Gärtnerflächen im Bamberger Norden und Süden gebraucht zu haben.  Ronald Rinklef
Staubtrocken rieselt die Erde durch die Hand: Hans-Jürgen Eichfelder kann sich nicht erinnern, jemals so viel Wasser für die Gärtnerflächen im Bamberger Norden und Süden gebraucht zu haben. Ronald Rinklef
+5 Bilder

Wer erinnert sich noch an den 11. Juni? Es war ein Montag, als nach einem trockenen Frühjahr in Bamberg der letzte nennenswerte Regen fiel - Wassermassen stürzten vom Himmel, binnen Minuten regnete es 40 Liter auf den Quadratmeter und eine Schlammlawine ergoss sich über die Straße zwischen Bischberg und Bamberg. Damals ahnte noch niemand, was in den nächsten Monaten auf die Stadt zukommen würde: Eine Dürre, die der Deutsche Wetterdienst als die extremste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen einstuft.

Dass dieses Jahr mehr als ein paar braune Blätter oder Nachpflanzungen zur Folge haben wird, weiß niemand besser als Robert Neuberth, der Leiter des Gartenamts. Neuberth, der mit seinen Mitarbeitern für die Pflege von rund 14 000 Bäumen in Parkanlagen und entlang von Straßen zuständig ist, schätzt, dass die Schäden, die durch die Trockenheit entstanden sind, in die Hunderttausende gehen.

Ein großer Baum ist unersetzlich

Dabei ist die Summe Geldes, mit der man auch den Wert großer Bäume bemessen kann, nur ein schwacher Maßstab, um die Verluste einzuschätzen, die Bamberg bereits erlitten hat oder noch erleiden wird. Die Szenerie hinterlässt vor allem entlang der tiefen Lagen in der Stadt mit trockenen sandigen Böden einen gespenstischen Eindruck: Wochen vor dem Beginn des Oktobers zeigen sich nur noch wenige Bäume unbeeindruckt in sattem Grün. Die Masse der Pflanzen und darunter selbst solche Trockenkünstler wie Eichen, Plantanen, Linden oder Robinien offenbart massive Trockenschäden; nicht allzu selten haben die Gehölze bereits sämtliche Blätter abgeworfen.

Wie viele Bäume Bamberg verlieren wird? Neuberth geht davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Stadtbäume, das sind rund 3000 Gehölze, über kurz oder lang behandelt werden, dass heißt zurückgeschnitten oder auch gefällt werden müssen. Schon im Herbst und im Winter wird man sehen, wie die ersten Hitzeopfer durch die Säge fallen.

Die bange Frage, die man sich im Gartenamt nach einem solchen Jahr stellt, ist nur allzu verständlich: Wie oft können sich solche Extremereignisse wiederholen? Welche Logik steckt dahinter, dass Franken zuletzt in den Sommern 2003, 2006, 2015 und im Frühjahr 2012 immer wieder von Dürrephasen getroffen wurde?

Der Einfluss der Arktis

Für Thomas Foken ist diese Serie kein Zufall. Glaubt man dem in Bischberg lebenden Meteorologen, gibt es einen "eindeutigen Zusammenhang" zwischen dem Phänomen lang anhaltender Wetterlagen und der von Menschen gemachten Erwärmung des Nordatlantik. Foken glaubt, dass der schrumpfende Temperaturgegensatz zwischen mittleren und hohen Breiten zu der seit Jahren zu beobachtenden Schwächung des Jetstreams führt. Dieses in großen Höhen zu messende Starkwindband lässt üblicherweise die Tiefdruckgebiete wie an einer Perlenkette nach Osten wandern. Doch so wie früher arbeitet dieser Klimamotor nicht mehr. Mit Sorge beobachtet Foken, dass die gewohnten Zirkulationsmuster immer häufiger ins Stocken geraten. Folge sind Wetterlagen, die monatelang "hängen zu bleiben" scheinen und lange Trockenphasen auslösen wie 2018 - oder wahlweise Dauerregen wie im Winter zuvor.

Der Eindruck, dass etwas nicht stimmt mit dem heimischen Klima, drängt sich mehr und mehr auch den Erwerbsgärtnern auf. So kann sich Hans-Jürgen Eichfelder. Vorsitzender des Beregnungsverbandes, nicht erinnern, dass in den Fluren jemals so viel bewässert werden musste wie 2018. 24 000 Kubikmeter Wasser ergossen sich in den letzten Monaten allein auf die neun Hektar Gartenland in der Südflur, um von Kartoffeln bis zu Gurken die Erzeugnisse bis zur Ernte durchzubringen. Ein Vielfaches davon dürfte es in der Nordflur gewesen sein.

Praktisch pausenlos waren Eichfelder und seine Erntehelfer damit beschäftigt, die Bewässerungsrohre über die Felder zu bewegen. Angesichts des Ausnahmejahrs 2018 braucht er nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was wäre, hätten seine Vorgänger nicht in den 80er-Jahren die Brunnen gegraben. Mit einem Wasserpreis von 15 Cent pro Kubikmeter ist das Wasser zur wichtigsten Existenzgrundlage der Bamberger Gärtner geworden: "Ohne gäbe es uns nicht mehr."



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren