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Genuss

Essen wie der Weihnachtsmann

Die Küchenmaus schaut für Kinder in Töpfe und auf Teller. Heute geht es mal nicht nur ums Essen, sondern auch darum, wie in Finnland Weihnachten gefeiert wird.
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Auf der finnischen Festafel dürfen die Pulla nicht fehlen, Gebäckteilchen aus Hefeteig. In der Variante mit Zimt und Kardamom duften sie wunderbar weihnachtlich. Foto: Archiv
Auf der finnischen Festafel dürfen die Pulla nicht fehlen, Gebäckteilchen aus Hefeteig. In der Variante mit Zimt und Kardamom duften sie wunderbar weihnachtlich. Foto: Archiv
Man sagt, dass der "echte" Weihnachtsmann in Finnland wohnt. Ganz oben im Norden, in Lappland. Mit seiner Frau und vielen fleißigen Wichteln.

Und wie wird Weihnachten gefeiert, in der Heimat des Weihnachtsmanns? Das hat Michael Reinert der Küchenmaus in zwei E-Mails erzählt. Er lebt seit fast 40 Jahren in dem nordeuropäischen Land, hat in in Helsinki (der Hauptstadt) studiert und arbeitet seit rund 30 Jahren an der Fachhochschule Haaga-Helia in Porvoo als Deutsch-Lektor. Seine Mutter ist Finnin. Von daher weiß er seit Kindertagen, wie es in Finnland an Weihnachten zugeht.


Das Christkind ist unbekannt

Ein Christkind gibt es dort nicht. Der Weihnachtsmann kommt, wenn Schnee liegt, mit seinem Rentierschlitten (vor den allerdings nur ein Rentier gespannt ist) am 24. Dezember zu den Familien ins Haus. Wenn aber zum Beispiel im Süden des Landes der Schnee Mangelware ist, reist er aus Lappland mit dem Hubschrauber an.

Da er sehr beschäftigt ist, hat er eigentlich keine Zeit hereinzukommen. Meistens klingelt er nur an der Haustür und lässt seinen Sack mit den Geschenken davor stehen. Wenn die Kinder die Tür öffnen, ist er schon verschwunden, denn er ist ja in großer Eile. Wenn er aber Zeit hat, dann steht er vor der Haustür und bittet um Einlass immer mit der Frage "Sind hier auch brave Kinder?"


Die Mandel bringt Glück

Ganz wichtig, auch für die Kinder, ist der Milchreis, in dem eine geschälte Mandel versteckt ist, den man häufig schon mittags ist, weil am Abend des 24. Dezember das mehrgängige Weihnachtsessen auftischt wird. Wer die Mandel bekommt, dem soll im kommenden Jahr das Glück hold sein.

Der finnische Weihnachtsbaum ist ähnlich reich geschmückt wie der deutsche und kennt die gleichen Dekorationen. Eine Krippe unter dem Baum ist allerdings unbekannt.

Die finnischen Weihnachtslieder werden, ähnlich wie die deutschen, eher ruhig, feierlich und andächtig gesungen. Anders als die schwedischen, die zum großen Teil beschwingt und lustig sind und zum Tanzen um den Weihnachtsbaum einladen.

Deutsche Weihnachtslieder sind in Finnland sehr bekannt und beliebt. Michael Reinert kann das beurteilen, denn er singt im deutsch-finnischen Chor der deutschen Kirchengemeinde in Helsinki. Zwei Konzerte am Nikolausabend und am dritten Advent in Turku und Helsinki waren große Erfolge. Das finnische Publikum hat die deutschen Lieder kräftig mitgesungen.

Zu einem finnischen Weihnachtsessen gehört beispielsweise der Rossolli-Salat, der ein bisschen an den deutschen Heringssalat erinnert (nur ohne Fisch), schreibt Michael Reinert. Man braucht dafür vier Kartofffeln, vier Karotten, vier Rote Bete, eine Gewürzgurke, eine kleine Zwiebel, Salz und weißen Pfeffer. Die Soße besteht aus 100 Milliliter Rahm, einem Esslöffel Essig, einem Esslöffel Zucker und etwas Kochwasser der Roten Bete.

Das das Gemüse in seiner Schale garkochen (aber nicht die Zwiebel und die Gewürzgurke) dann schälen und in kleine, gleich große Würfel schneiden. Ebenso die Zwiebel und die Gurke. Alles vermengen und mit Pfeffer und Salz würzen.

Die Sahne leicht schlagen, Zucker und Essig zugeben und mit ein paar Tropfen der Rote-Bete-Flüssigkeit rötlich färben. Den Salat mit gekochten Eiern (gehackt und in Streifen obendrauf gestreut) garnieren und die Soße getrennt dazu servieren.


Süßer Kartoffelauflauf

Auf die Festtafel gehören unbedingt der Weihnachtsschinken, Fischgerichte, süßes Gebäck und mehre Sorten Auflauf. Aufläufe bekommt man zwar fertig im Lebensmittelgeschäft, "aber die sind, finde ich, eine kleine Katastrophe", meint der Hochschullehrer mit den deutschen Wurzeln. Deshalb macht er sie an Weihnachten lieber selbst.

Ganz besonders empfiehlt er diesen Kartoffelauflauf, der so zubereitet wird, wie man es in Deutschland nicht kennt. Die Zutaten sind: zwei Kilo Kartoffen, drei bis vier Esslöffel Weizenmehl, ein Esslöffel Salz, ein dreiviertel Liter Milch und drei Esslöffel Butter.

Die ungeschälten Kartoffeln in ungesalzenem Wasser kochen, danach schälen und zu feinem Mus stampfen. Unter das Mus das Weizenmehl rühren und an einem warmen Ort zwei bis drei Stunden lang stehen lassen.

Wenn das Mus locker geworden ist und süßlich schmeckt, Salz, Butter und Milch hinzufügen. Das Gemisch in eine gefettete Auflaufform füllen und den Auflauf bei 150 °C etwa drei bis vier Stunden lang garen.

Für alle, die selbst mal finnisch kochen wollen - es muss ja nicht unbedingt jetzt an den Festtagen sein - hat Michael Reinert Links mit Rezepten herausgesucht:

http://finland.fi/de/weihnachten/weihnachtskochbuch/
http://www.finland.de/santaclaus/finn-weihnachtstisch.htm

Informationen rund um Weihnachten in Finnland gibt es hier:

http://www.visitfinland.com/de/artikel/auf-zum-weihnachtsmann/
http://www.finnland.de/Public/default.aspx?contentid=208657&nodeid=37052&culture=de-DE



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