Ebrach
Nahversorgung

Es sieht düster aus bei Ebrachs Nahversorgung

"Für Ebrach ist es ein Drama!" So beschreibt eine Verkäuferin die Situation, nachdem der Lebensmittelmarkt geschlossen hat.
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Nur Hinweiszettel, aber kein Betrieb mehr in Einkaufsmarkt, und in den Schaufenstern keine Ware. Düstere Zeiten in EbrachFoto: Anette Schreiber
Nur Hinweiszettel, aber kein Betrieb mehr in Einkaufsmarkt, und in den Schaufenstern keine Ware. Düstere Zeiten in EbrachFoto: Anette Schreiber
Die Kundin nickt heftig. Sie ist 60, hat keinen Führerschein. So lange es den Einkaufsmarkt Nebel gab, konnte sie dort selbst einkaufen. Und jetzt? Jetzt benötigt sie immer einen Fahrer. Der braucht Benzin und das kostet eben auch. Logisch, dass die 60-Jährige das begleicht.

Wenn Touristen in die Bäckerei kommen und fragen, wo sie was einkaufen können, sei das peinlich, sagt die Bäckereiverkäuferin. Schließlich laute die Antwort dann immer "in Gerolzhofen oder in Burgebrach".

Zur derzeitigen Versorgungssituation heißt es: " Die Kundschaft schimpft", wie bei der Recherche in einem der beiden örtlichen Geldinstitute zu erfahren war.

Dass die Situation alles andere als erfreulich ist, gesteht auch Ebrachs Erster Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) zu. Der zieht seinerseits an allen Strippen, müht sich ab, wirbt, lockt und - wartet. Er war an sich leuchtendes Vorbild und kaufte alle Dinge des täglichen Bedarfs im Einkaufsmarkt Nebel.

Doch der machte bekanntlich Ende Januar dicht. Das Betreiberehepaar hatte das Rentenalter erreicht. Für die Tochter, die eine Zeitlang im Laden mitarbeitete, war der Laden letztlich keine Perspektive. Kritiker am Ort sagen, dass viele nur Sachen gekauft haben, die sie bei anderen Einkäufen vergessen hatten.

Die Bäckereiverkäuferin meint, wenn jeder nur jede Woche für 20 Euro einkauft, müsste sich so ein Laden doch tragen.

Der Kampf geht weiter. Ein Ehepaar hatte sich den Laden angeschaut, berichtet der Bürgermeister, doch danach habe man nichts mehr gehört. Der Besitzer der Immobilie, in dem der Lebensmittelmarkt untergebracht war, ist seinerseits auf der Suche nach neuen Betreibern. Wie es scheint, bisher noch ohne Erfolg.

Bürgermeister Schneider will nichts unversucht lassen, um den Missstand zu beheben. Beim Amt für Ländliche Entwicklung möchte die Gemeinde einen Förderantrag stellen für eine Standortanalyse - ob sich ein privatwirtschaftliches Betreiben rechnet, oder man eventuell doch in Richtung Dorfladen und genossenschaftlicher Betrieb gehen sollte.

Parallel stehe er in Verhandlungen mit einem möglichen Investor, lässt Schneider wisse. Der habe sich allerdings noch Bedenkzeit erbeten. Das wäre wohl dann eine dritte Alternative.

Alternativen zum bisherigen Einkaufsmarkt gibt es für Eva-Maria Schmitt, Allianzmanagerin für die Partnergemeinden Burgwindheim und Ebrach, an ihrem Arbeitsplatz nicht. Sie wohnt gut 20 Kilometer weit weg und muss sich in Sachen Brotzeit anders organisieren. "Das war vorher schon bequemer," findet sie. Die Älteren in Ebrach seien schon enttäuscht.

Das bekommt auch Kämmerer Konrad Götz so mit. Selbst war er "auf öfter in dem Laden".

Das kann Christine Maier nicht behaupten. Sie arbeitet erst seit Februar in der Gemeindeverwaltung. Sie kommt aus dem kleinen Burgebracher Gemeindeteil Mönchherrnsdorf und dort herrschen im Gegensatz zum weitaus größeren Ebrach nahezu paradiesische Zustände - was die Nahversorgung betrifft: "Wir haben einen Metzger und einen Bäcker, wobei beim Bäcker auch noch ein kleiner Supermarkt untergebracht ist."

"Die Ebracher Bäckereien haben aufgerüstet", weiß Götz. Sie führen wohl auch diverse Grundnahrungsmittel wie Milch, Käse, Joghurt, Nudeln, Eier und Leberkäse. Das bestätigt die Bäckereiverkäuferin. Dass diese Angebot genutzt wird, zeigt ein geleertes Warmhaltegerät. Und Süßigkeiten biete man nun auch an. Denn Auch die Schüler gehen nun verstärkt in die Bäckereien, nachdem es keinen Metzger und keinen Markt mehr gibt.
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