Bamberg
Naturschutz

Es gibt keine Ruhe im Steigerwald

Zu den ersten Amtshandlungen von Ministerpräsident Markus Söder gehörte die Beerdigung der Nationalpark-Idee. Die Befürworter eines solchen Schutzgebietes in Franken geben aber nicht auf.
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Thomas Stephan
Thomas Stephan
Die Staatsforsten feiern eine Erfolgsgeschichte: Eben wurde der Besucher Nummer 500 000 auf dem Baumwipfelpfad bei Ebrach begrüßt. Damit hat man ein gewichtiges Argument gegen all die in der Hand, die weiter einen Nationalpark im Steigerwald fordern, um nicht zuletzt den Tourismus anzukurbeln. Die Besucher kommen auch ohne Wildnis.
Dies und das vorläufig endgültige Aus für alle Pläne, einen weiteren Nationalpark in Bayern einzurichten, sollte eigentlich für Ruhe über und unter den Wipfeln des Steigerwaldes sorgen. Tut es aber nicht. Nach wie vor ist ein großer Teil der Bevölkerung im Steigerwald gespalten wie eine Buche nach dem Blitzschlag.


Wald für die Bürger

Die einen wollen einen Nationalpark oder eine andere Art von Naturschutzgebiet im Großformat; die anderen wollen genau dies verhindern.
Zu den Befürwortern gehört Benedikt Schmitt vom Verein "Nationalpark Nordsteigerwald". Er betont, dass der Zusammenschluss der Nationalpark-Freunde ein "Bürgerverein" sei. "Wir wollen damit deutlich machen, dass sich ein Nationalpark nicht gegen die Bevölkerung richtet, sondern ganz im Gegenteil immense Vorteile bringen würde - nicht nur für die Natur".
Das Gegenteil ist der Fall, sagt Oskar Ebert aus Rauhenebrach, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Unser Steigerwald", in dem sich die Gegner eines Nationalparks organisiert haben. Der Verein hat einen direkten Draht nach München, denn Vorsitzender ist Gerhard Eck (CSU), Landtagsabgeordneter und Staatssekretär im Innenministerium.


"Nicht gegen den Willen"

Nicht nur deshalb hatte bereits Ministerpräsident Horst Seehofer ein Machtwort gesprochen und kategorisch ausgeschlossen, dass es im Steigerwald einen Nationalpark "gegen den Willen der Bevölkerung" geben könnte. Auch bei der Suche nach dem dritten Nationalpark in Bayern hatte die Staatsregierung den Steigerwald ausdrücklich ausgeklammert und der neue Ministerpräsident Markus Söder endgültig einen Schlussstrich gezogen und Seehofers Nationalpark-Idee begraben.
"Vorläufig", meinen die Nationalpark-Freunde. Sie denken, dass die CSU nach der Landtagswahl im Herbst einen Koalitionspartner braucht. Das könnten die Grünen sein, und die fordern nicht erst einen Nationalpark im Steigerwald, seit Cem Özdemir vor der Bundestagswahl 2017 die Region besucht hat. Dann, so fürchtet Ebert, könnte der "Zirkus wieder losgehen".
Ruhe gibt es so oder so nicht im Steigerwald. Die Staatsregierung und die Landräte der Region wollen für die Wälder rund um Kloster Ebrach das Gütesiegel "Weltkulturerbe" erlangen. Und die Staatsforsten haben für den heutigen Freitag Informationen dazu angekündigt, wie sie das einstige Waldschutzgebiet "Hoher Buchener Wald" bei Ebrach bewirtschaften, sprich wie viele Bäume sie fällen wollen. Das wird neuen Ärger geben.
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