Bamberg
Ausstellung

Es geht um Leben und Tod

Der Hospizverein Bamberg zeigt "Bruchstücke" im Bestattungsinstitut Pietät. Die Präsentation wird am Mittwoch mit Musik eröffnet.
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Bruchstück - ein Symbol für Brüche im Leben.   Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Bruchstück - ein Symbol für Brüche im Leben. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Was für eine Geschichte! Sie beginnt mit einem Riss in der Wand des Saales im Bamberger Hospizhaus. Mit diesem Riss startet der Hospizverein Bamberg e.V. eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Bruchstücke". Und diese findet jetzt sinnigerweise im Bestattungsinstitut Pietät in der Baunacher Straße 10 einen vorläufigen Endpunkt. "Das Thema Tod tritt im Bestattungsinstitut auf und steht hinter der Hospizarbeit", begründet Silke Kastner den ungewöhnlichen Ausstellungsort.

Die Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes hat vor einiger Zeit im Institut Pietät ein Praktikum gemacht und dort erfahren, wie liebevoll die Mitarbeiter mit den Verstorbenen und ihren Angehörigen umgehen: "Pietät gibt den Menschen im Tod ihre Würde zurück", sagt Silke Kastner. Und leiste wie der Hospizverein auch Trauerarbeit. Vermittle, dass "man Hoffnung schöpfen und neu beginnen kann nach der Trauerphase".

So wolle die Ausstellung im Café des Bestattungsinstituts eine Brücke schlagen zum Hospizhaus und dazu anregen, einmal dort vorbeizuschauen. Zumal es während der Ausstellungsdauer bis Dienstag, 26. November, immer wieder die Gelegenheit gebe, mit Hospizhelfern ins Gespräch zu kommen. "Wer kommt, ist uns besonders", erklärt etwa Kathrin Distler, die als ehrenamtliche Hospizhelferin für Begegnungen in der Pietät zur Verfügung steht.

Silke Kastner und Kathrin Distler organisieren die Präsentation von echten Bruchstücken. Bevor die Wand mit dem Riss im Hospizhaus saniert wurde, hat sie der Künstler Zumo mit einem großflächigen Graffito "Anfang-Ende-Anfang" verziert. Es wurde abgeschlagen und ging zu Bruch. Die Bruchstücke wurden eingesammelt, konserviert, zu Einzelkunstwerken gestaltet. Die kleineren fanden auf Goldfolie Platz in einem Rahmen, die großen Stücke wurden zu Installationen in Edelstahlrohrgestellen hängend und an Plexiglaswänden schwebend. Es entstanden Meditationstexte zu diesen Bruchstücken, abgedruckt mit Bildern der Kunstwerke in einem Booklet.

Mit Narben leben

"Bruchstücke, Brüche und deren Bedeutung im Leben des Menschen stehen metaphorisch für die Hospizarbeit", erläutert Silke Kastner. Die Ausstellung wolle ermutigen, "Lebensbrüche anzuschauen und die Stücke neu zusammenzufügen". Und deutlich machen, "dass man mit Narben leben kann".

"Bruchstücke - mutig weitergehen...LEBEN!" verzeichnet bisher als Wanderausstellung in verschiedenen Orten der Region ein hohes Interesse. Im April 2020 sollen die Kunstwerke letztlich versteigert werden. Der Gesamterlös dieses Projektes kommt der Kinder- und Jugendhospizarbeit des Hospizvereins Bamberg zugute. Schon jetzt können die kleinen "Bilderbruchstücke" in Rahmen und der Postkartenblock mit den Meditationstexten im Hospizverein erworben werden.

"Wir haben eine langjährige Beziehung zur Palliativstation und zum Hospizverein, wir verweisen Trauernde auf dessen Angebote", sagt die Familie Freudensprung als Inhaber des Bestattungsinstituts Pietät. Es sei für sie eine Ehre, als Ausstellungsort zu dienen: "Die Schau ist fördernswert, und wir unterstützen den Hospizverein gern" - auch wenn dadurch Einnahmen im Café verloren gingen, weil während der Ausstellungsdauer kein "Leichenschmaus" darin gehalten werden könne.

"Bruchstücke" wird am Mittwoch, 6. November, um 19 Uhr mit einem musikalischen Rahmenprogramm und Stehempfang eröffnet. Jeder Interessierte ist dazu eingeladen.

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