Bamberg
Kirche

Erster Schritt zur Neuausrichtung

Im Strukturprozess des Erzbistums Bamberg stehen nun die Namen der Seelsorgebereiche sowie Dekanate und Dekanatsgrenzen fest.
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St. Heinrich wird Verwaltungssitz im "Bamberger Osten". Foto: R. Rinklef
St. Heinrich wird Verwaltungssitz im "Bamberger Osten". Foto: R. Rinklef

Dem Domberg böse Absichten zuzuschreiben angesichts des Ergebnisses wäre eine ebenso böse Unterstellung. Zumindest Pfarrer Matthias Bambynek ist davon überzeugt, dass die Bistumsleitung aus rein pragmatischen Gründen die Vorschläge der Pfarreigremien nicht angenommen hat: "Ich habe geahnt, dass man versucht, die Namen der Seelsorgebereiche in der Stadt abzustimmen", sagt Bambynek, bisher Koordinator für die Pfarreien Unsere Liebe Frau (Obere Pfarre), Dom, St. Martin und St. Josef/Gaustadt im Strukturprozess des Erzbistums Bamberg.

Das Verständnis des Pfarrers bezieht sich auf die Namensgebung der künftigen Seelsorgebereiche, die jetzt von der Ordinariatskonferenz mit endgültiger Absegnung durch Erzbischof Ludwig Schick beschlossen und verkündet wurde. "Namen sind wichtig, wie allein schon bei jeder Taufe deutlich wird", betont Pfarrer Bambynek. Insofern hätten sich die pfarrlichen Gremien aus Haupt- und Ehrenamtlichen im Vorfeld schon die Köpfe darüber zerbrochen, wie der Täufling Seelsorgebereich heißen soll. Auch in den anderen Bamberger Pfarreien St. Gangolf, St. Otto, Maria-Hilf, St. Heinrich, St. Anna und St. Kunigund "gab es dazu eine stundenlange Sitzung mit 30 Leuten", blickt Pfarrer Marcus Wolf, der zweite Koordinator in der Stadt, schon etwas genervter zurück.

Kurz und gut oder schlecht: Die Vorschläge, den einen Seelsorgebereich "Bamberg - Berg, Insel und Gaustadt", den anderen "Bamberg - rechts der Regnitz" zu nennen, wurden verworfen. Der Domberg beschloss die Namen "Bamberger Westen" und "Bamberger Osten". Auch für die Seelsorgebereiche in den weiteren Regionen des Erzbistums gibt es nun ähnlich klingende, knappe Bezeichnungen. "Es ist undankbar, wenn man von der Bistumsleitung her nicht praktikable Vorschläge ändern muss", räumt Domkapitular Heinrich Hohl im Gespräch mit unserer Zeitung ein.

Mehr Vertreter aus Diözesanrat einbeziehen

Der stellvertretende Generalvikar war bislang für die Durchführung des Strukturprozesses verantwortlich und wird auch die künftigen Schritte darin koordinieren. In künftigen Fällen wäre es ratsam, "mehr Vertreter aus dem Diözesanrat in Entscheidungen hineinzunehmen", gibt der Domkapitular gleichsam ein Versprechen.

Als "Gesicht oder Prügelknabe des Strukturprozesses" - so bezeichnet sich Heinrich Hohl selbst - ist es ihm wichtig zu betonen, dass der erste Schritt zur Neuausrichtung des Erzbistums positiv gemacht sei. Zum 1. September 2019 werden die neuen 35 Seelsorgebereiche offiziell per erzbischöflichem Dekret errichtet. Jeder Bereich bekommt ein pastorales Team aus fünf bis zehn Personen. Fest steht auch, wer jeweils leitender Pfarrer wird. Doch noch wird die Namensliste top secret behandelt. Für die Stadt Bamberg gibt es aber aus den berühmten gut unterrichteten Kreisen den Hinweis, dass die bisherigen Koordinatoren auch die leitenden Pfarrer werden. Beide wollen sich jedoch nicht in unserer Zeitung vorab dazu äußern.

Unabhängig davon machen sowohl Domkapitular Hohl als auch Pfarrer Wolf darauf aufmerksam, dass in den nächsten Jahren der zweite und entscheidende Schritt im Prozess getan werden muss: "Jeder Seelsorgebereich muss ein Pastoralkonzept entwickeln", erklärt Hohl. Für eine "pastorale Erneuerung" solle zunächst eine "Nahraumbetrachtung, eine Sozialraumanalyse" erbracht werden: "Wie viele Katholiken gibt es tatsächlich in einem Seelsorgebereich? Wie kümmern wir uns um die Jugend, um Senioren, um Familien, um Arme, um Kranke?", umreißt Hohl die Fragestellung. Auch hier sei es sehr wichtig, die Ehrenamtlichen mit ihren Kompetenzen einzubeziehen. Und klar zu machen, dass es in diesem Prozess weitreichende Unterstützung aus dem Ordinariat, also aus den Hauptabteilungen Seelsorge und Pastorales Personal, gebe.

"Immer eine Belastung"

Pfarrer Marcus Wolf sieht die Aufgabe praxisbezogen: "Ein Strukturprozess ist immer eine Belastung, weil er ja zu den üblichen alltäglichen Arbeiten eines Pfarrers dazukommt". Aber die größere Belastung werde erst noch kommen, nämlich die Zusammenfindung der Teams und die neue Aufgabenverteilung. Speziell im "Bamberger Osten" gebe es in den beiden Teams sehr große Unterschiede, etwa mit Wechsel des Gottesdienstortes, oder das eine Team habe feste Beerdigungstage, das andere Team nicht. In einem Klausurtag solle das besprochen werden, so Wolf.

Eine solche Ungleichzeitigkeit ist im "Bamberger Westen" bereits bereinigt.

Pfarrer Matthias Bambynek verweist auf die besondere Situation, die sich im vergangenen Jahr durch den plötzlichen Pfarrerverlust in St. Martin und St. Josef/Gaustadt ergeben habe. Im Blick auf den Strukturprozess "sei die Lage behandelt und geklärt worden: "Da ist vieles passiert, wir sind sehr weit, und die Leute merken, dass wir als ein pastorales Team gut zusammenwirken."

So ist es nicht verwunderlich, dass die Obere Pfarre zusammen mit den Pfarreien Kronach und Teuschnitz für das Pilotprojekt "Verwaltungssitz" auserkoren wurde. Um die Pfarrer von reinen Verwaltungsaufgaben zu entlasten, sollen Laien eingestellt werden: "Hochqualifizierte Männer und Frauen mit Studium", erklärt Domkapitular Hohl. Derzeit gebe es schon "viele Bewerbungen", zumal auch die anderen Seelsorgebereiche im Erzbistum sukzessive eine/n Verwaltungsleiter/in bekommen sollen: "und zwar ohne dass eine einzige Sekretariatsstunde in den Pfarrbüros gekürzt wird!" Niemand werde "ausgebootet von den Kirchenverwaltungen, sie haben im Verwaltungsleiter eine zusätzliche Fachkraft und einen kompetenten Ansprechpartner, dessen Gehalt vom Erzbistum und nicht von der Kirchenstiftung bezahlt wird", versichert Hohl. Verwaltungssitz im "Bamberger Osten" wird übrigens St. Heinrich.

Geänderte Voraussetzungen

"Mit diesen Schritten reagieren wir heute auf die Anforderungen der Menschen an die Pastoral bei den veränderten Lebensverhältnissen und dem demografischen Wandel, der eine sinkende Zahl von Gläubigen und Seelsorgern mit sich bringt", sagt Generalvikar Georg Kestel. Das Gemeindeleben solle in den Pfarreien und Filialen lebendig bleiben, auch wenn nicht an jedem Ort künftig jedes Angebot aufrechterhalten werden könne und in manchen Fällen zu bestimmten Zeiten längere Wege zum Gottesdienst notwendig würden, betont der Generalvikar. Eine Zusammenlegung von Gemeinden zu "XXL-Pfarreien" werde es nicht geben.

Auch die Dekanatsstrukturen wurden neu geordnet. Die 35 Seelsorgebereiche sind künftig in den zehn erzbischöflichen Dekanaten Hof, Kronach, Coburg, Bamberg, Bayreuth, Forchheim, Erlangen, Nürnberg, Fürth und Ansbach gegliedert. In jedem Dekanat wählen die Seelsorger aus dem Kreis der hauptamtlichen Priester einen Dekan, der das Dekanat nach außen vertritt. Die Regionen und die Regionaldekane wird es künftig nicht mehr geben. "Nach Abschluss der strukturellen Umwandlungen, soll die kooperative-missionarische Pastoral gestaltet und intensiviert werden", so Erzbischof Ludwig Schick. Die neuen Seelsorgebereiche mit den Dekanaten bilden die strukturelle Grundlage für die Gestaltung der Pastoral. Die ehrenamtlich Engagierten vor Ort sollen mehr Verantwortung übernehmen und mehr Kompetenzen übertragen bekommen. Die Hauptamtlichen sollen diese und alle Christen vor Ort inspirieren, moderieren und integrieren, damit überall lebendige Gemeinden vorhanden sind. Dabei haben die Pfarrgemeinde- bzw. Seelsorgsbereichsräte eine wichtige Aufgabe.

Guter Wille gefordert

Aber ohne pastorales Personal können auch die motiviertesten Ehrenamtlichen das Pfarreileben nicht stemmen. Reicht dieses Personal überhaupt aus? Domkapitular Hohl hat eine klare Antwort: "Ja, davon gehe ich die nächsten zehn Jahre aus, wenn sich mit gutem Willen die Gemeinden engagieren." Und dann macht der Bistumsvertreter noch Potenziale aus: Diakone mit Zivilberuf hätten Ressourcen, Religionslehrer mit weiteren Ausbildungsmodulen für die Gemeindearbeit - und eventuell "viri probati", bewährte verheiratete Männer, die geweiht werden könnten. Die kommende Amazonas-Synode mache dazu Hoffnungen und deren denkbare Entscheidung für "viri probati" könne weltweit nicht unterbunden werden. "Amazonien auch im Steigerwald!", bringt der Domkapitular auf eine griffige Formel.

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